- Text: Nina Töllner
-
Sivert Høyem
Mit der Fackel zum Mond
Sivert Høyem ist müde. Der Norweger hat harte Zeiten hinter sich. Und damit ist nicht die gestrige schlaflose Nacht gemeint, die ihm seine Schweinegrippe-Impfung beschert hat.
2007 war ein Jahr der Schicksalsschläge für Høyem, seine damalige Band Madrugada und die Musikszene Norwegens. Innerhalb von zwei Monaten wurden sowohl Madrugada-Gitarrist Robert Burås als auch Musikerkollege Thomas Hansen alias Saint Thomas tot aufgefunden. Obendrein starb Sivert Høyems Vater. Madrugada lösten sich nach Fertigstellung ihres sechsten Albums und einer letzten Tour auf. „Es machte keinen Sinn, die Band am Leben zu halten, da Robert so ein wichtiger Bestandteil war“, kommentiert ihr Sänger rückblickend. Selbst die Gitarre an den Nagel zu hängen, kam jedoch nicht in Frage. Von wegen: „Irgend etwas ist in dieser Zeit mit mir passiert. Ich glaube, ich bin zu einem stärkeren Performer geworden, so als ob ich die Fackel für jene weitertrage, die nicht mehr unter uns sind.“
Das Ende von Madrugada setzte die kreative Energie des Fackelträgers frei für seine bis dato nur zweitrangige Solokarriere. ‘Moon Landing‘, sein drittes Werk, beschreibt er dann auch als Neubeginn. „Es fühlt sich fast wie ein zweites Solodebüt an. Vorher habe ich meine besten Stücke immer für Madrugada aufgespart.“ Der melancholische Breitwand-Sound seiner alten Band lebt in Høyems Songs unverkennbar weiter. Er selbst nennt aber auch Seventies-Rock wie T. Rex, Amon Düül oder Richard Thompson als Einfluss und betont: „Ich wollte nicht, dass dies eine düstere Platte wird. Davon hatte ich in den letzten Jahren genug.“ Wer könnte es ihm verübeln?
Text: Nina Töllner
Heimat: siverthoyem.com
ANZEIGE
