- Text: Ina Göritz
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Lonelady
Meine Straße, mein Zuhause, mein Block
Der Mensch wird zweifelsohne durch seine Umwelt geformt. Und Manchester ist nicht der schlechteste Ort, um musikalische Prägung zu erfahren.
Kaum eine britische Stadt verfügt über mehr popkulturelle Relevanz als Manchester. ‘Factory Records’, The Smiths, The Fall, Joy Division und der legendäre Haçienda Club - die Liste von Institutionen und Bands, die das Gefühl der Stadt maßgeblich beeinflusst haben, ist lang. Ein Großteil dessen ereignete sich allerdings, als Julie Campbell alias Lonelady noch nicht einmal geboren war. „Zugegeben, ich sehne mich nach einem Manchester, das es heute nicht mehr gibt. Ende der Siebziger gab es eine spezielle Naivität. Bands veröffentlichten ihre Musik zum ersten Mal selbst und es gab mehr Platz für Individualität, mehr Substanz.“
Für sie selbst ist der Mythos Manchester zur Inspiration geworden. Ihre Musik ist von The Fall beeinflusst - spartanisch, düster und direkt. Ihr Debütalbum ‘Nerve Up‘ bewegt sich zwischen Elektro und Gitarrenmusik, die Songs werden gleichermaßen aus dem Verstärker und dem Computer generiert. „Für die meisten Frauen ist gerade akustische Gitarrenmusik DER Einstig ins Musikgeschäft“, glaubt Lonelady, die sämtliche Rock’n’Roll-Manierismen genauso merkwürdig findet wie schüchterne Folk-Mädchen.
Sie als Alpha-Mädchen zu bezeichnen, wäre aber falsch. Erfolg findet sie befremdlich. Unausweichliche Bekanntheit wie im Falle der Arctic Monkeys? ein Alptraum! An Selbstbewusstsein mangelt es ihr jedoch nicht. Vorproduziert hat sie ihr Album in Eigenregie in einem Hochhaus im Herzen Manchesters und dabei den Kontakt zur Außenwelt streng gemieden. „Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, mich in ein schickes Studio in London einzumieten“, bekräftigt sie, denn der Rest von ‘Nerve Up‘ fand seine Vollendung in einem heruntergekommen Baurelikt aus den Achtzigerjahren - einem jener Flecken, an dem der unsanierte Charakter ihrer Heimatstadt noch hervorblitzt. „Diese Industriebunker sind Symbol dessen, was mich mit der Stadt verbindet. Leider werden sie immer mehr ausgelöscht.“ Für die Architektur mag das zwar gelten. Doch musikalisch hat Lonelady ihrer Stadt ein weiteres Denkmal gesetzt.
Text: Ina Göritz Foto: Rebecca Miller
Heimat: lonelady.co.uk
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