- Text: Nina Töllner
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Liars
Unter Lügnern
Ein Winterabend in Berlin. Die Liars haben bereits einen achtstündigen Interviewmarathon hinter sich. Kein Wunder, dass den Dreien nicht der Sinn danach steht, zum x-ten Mal ihr neues Werk „Sisterworld“ zu sezieren.
Gitarrist Aaron Hemphill, intellektuell und scharfzüngig, scheint lieber über Rosenzucht und Fassbinder-Filme plaudern zu wollen. Sänger Angus Andrew lässt seinen australischen Spaßvogel-Charme spielen. Und Drummer Julian Gross ist zu sehr damit beschäftigt, alles zu bemalen, was ihm in die Hände fällt, um längere Wortbeiträge zu liefern. Eine lustige Runde also. Unterstellt man den Herren allerdings, sie hätten wieder einmal ein Konzeptalbum abgeliefert, sollte man sich warm anziehen. Angus wird ernst: „Wir ziehen es definitiv vor, Platten zu machen, die als Ganzes einen Sinn ergeben. Aber wir fühlen uns unwohl mit dem Begriff ‘Konzeptalbum’. Es gibt der Sache diesen intellektuellen Anstrich. Dabei geht es darum, mit der Musik ganz ursprüngliche Gefühle auszulösen.“ Beklommenheit und Verstörung, möchte man meinen, sind die Emotionen, auf die der latent gruselige Art-Noise der Liars abzielt. Ob letztere – wie einst auf ‘They Were Wrong, So We Drowned‘ – den Hexenmythos vertonen oder – wie im Fall von ‘Sisterworld‘ – in den Subkulturen von Los Angeles herumstöbern, macht dabei wenig Unterschied.
Apropos L.A.: Nach Zwischenstationen in New York und Berlin sind inzwischen alle drei Liars wieder in der Geburtsstätte ihrer Band gelandet. Was reizt sie an dieser Stadt der Oberflächen, die so gar nicht zu ihnen zu passen scheint? „Es ist ein sehr spannender Ort, voller wenig bekannter Facetten. Was L.A. wirklich ist, lässt sich nicht festmachen“, findet Angus. Aaron ergänzt: „Im Vergleich zu New York ist L.A. offener, wilder.“ Durch den gemeinsamen Wohnort sei das Trio bei der letzten Albumproduktion auch wieder enger zusammengerückt. „Wir haben beieinander übernachtet…“ – „…uns gegenseitig Nägel und Haare gemacht…“ – „…füreinander gekocht, zusammen im Garten Unkraut gejätet…“ Na klar. Wie der Bandname schon andeutet: Nicht alles, was die Jungs einem so auf die Nase binden, ist für bare Münze zu nehmen. Aber es sei ihnen vergönnt. Der Tag war schließlich lang.
Text: Nina Töllner
Heimat: liarsliarsliars.com
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