- Text: Robert Goldbach
- Fotograf: Jennifer Eberhardt
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Ken
Einmal alles, bitte
Es gibt ein Leben nach Blackmail – und in dem möchte Frontmann Aydo Abay nicht nur Kompromisse aushandeln, sondern vor allem eines: sich in alle Richtungen austoben.
Ken – auf diesen Namen taufte der 36-jährige Kölner seine persönliche Spielwiese, auf der er seit 2001 als Strippenzieher und Koordinator dieses überaus talentierten Haufens agiert: „Ich sehe mich als Dirigent“, erklärt Aydo. „Ich kann kein Instrument spielen, aber ich habe eine gewisse Vision von Songs, die ich einbringen will. Und ich habe die perfekten Leute gefunden, die das auch umsetzen können“.
Mit diesen Leuten meint er den aktuellen Kern der Band: Gitarrist Georg Brenner (sonst bei der Band Urlaub In Polen), Oliver Fries an der anderen Gitarre, Keyboarder Marcel von der Weiden, den neuen Drummer Michael Borwitzky und am Bass Blu-Noise Chef Guido Lucas. „Ich habe die Jungs einfach machen lassen und später das ausgewählt, was am besten zu meiner Stimme passt.“
Insgesamt waren sogar über 20 Musiker an der Entstehung vom neuen Album ‘Yes We Ken‘ beteiligt. Ideen gab es also im Übermaß – schwieriger war es hingegen, aus dem seit 2006 angesammelten Material eine Auswahl zu treffen: „Da waren ein paar Country-Nummern, ein paar Elektro-Nummern, ein paar Rock-Nummern... Ich habe erst beim Mix eine ungefähre Vorstellung bekommen, welchen Charakter das Album haben könnte.“ Beschreiben kann er den allerdings nicht so richtig: „Es klingt, finde ich, nach einer ewigen Suche. Das war es ja auch letztlich.“
Das ist im Grunde auch in Ordnung, solange man an der Suche noch Spaß hat. Und es wäre ohnehin keine andere Herangehensweise denkbar, wenn man einen so weit gefächerten Musikgeschmack hat wie Aydo Abay - schafft er es doch, im Gespräch innerhalb von fünf Minuten von ABBA über die Fuck Buttons zurück zu Spoon und zum Dillinger Escape Plan zu kommen.
Dass die Trennung von Blackmail lange an ihm nagte, gibt er unumwunden zu: „Monatelang war das wie eine Last, die ich mit mir rumgeschleppt habe. Während der Arbeit an der Platte wurde die dann zunehmend leichter.“ Und der grenzwertige Titel des Albums musste genau deswegen so sein: „Als der mir eingefallen ist, markierte das für mich den Punkt, an dem ich mich davon befreit gesehen habe. Seitdem konnte das Album gar nicht mehr anders heißen!“
Text: Robert Goldbach Foto: Jennifer Eberhardt
Heimat: myspace.com/yesweken
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