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Bild: Fettes Brot

Fettes Brot
Ihr könnt euch entscheiden


Fettes oder Brot? Blau oder Orange? Wer dieser Tage mal auf der Internetseite der Brote vorbeigesurft ist, wird festgestellt haben, dass nicht nur sie von diesen Farben dominiert wird, nein, die ganze Fangemeinde teilt sich in zwei farbige Lager.

Der Grund? Zu den besten aller Feste gehört schon lange und nicht nur für eingefleischte Fans ein Fettes Brot-Konzert – und das gibt es ab sofort auch auf Platte(n). Fettes Brot veröffentlichen zum ersten Mal in der fast 20-jährigen Bandgeschichte und wohl auch deshalb gleich zwei Live-Alben. Eins ist blau und heißt „Fettes“, das andere ist orange und heißt, logisch: „Brot“. Beide sind, wie sollte es anders sein, voll mit insgesamt 31 Top-Hits aus der 18-jährigen Karriere der drei aus Hamburg.


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Zum Interview bei Plätzchen und Tee kommen die drei geschafft aber gutgelaunt aus der Westernstadt Templin nach Berlin. Dort fand der Videodreh zur blauen Single „Jein“ (natürlich gibt es mit „Kontrolle“ auch eine orangene Single) statt. „Wir waren gerade schlappe 26 Stunden unterwegs, bis morgens um sechs haben wir gedreht. Es war kalt, nass und schön“, berichtet Björn und Martin ergänzt: „Die Idee war, dem Video, das es vor 14 Jahren zu ‘Jein‘ gab, ein Update zu verpassen und wieder einen Western zu drehen. Man mag es nicht für möglich halten, aber es geht tatsächlich noch skurriler.“ Das dominierende Wort an diesem Nachmittag ist auf jeden Fall „Spaß“ – aber lest selbst:

Wie kam es zu der Idee ein beziehungsweise gleich zwei Live-Alben zu machen?
Boris: Wir sind ja seit 2006 mit einer Band unterwegs und haben jetzt ein Level erreicht, das den Kern von dem trifft, was Fettes Brot ausmacht und unsere Musik von der anderer unterscheidet. Früher, als wir noch mit Turntables unterwegs waren, hätte das keinen Sinn gemacht, weil es ziemlich genau wie auf der regulären Platte geklungen hätte – nur nicht so gut. Das wäre wie Onanie.

Warum mögt ihr den Begriff „Live-Album“ nicht?
Boris: Das Genre ist echt versaut worden. Es gab eine Menge Bands, die mit mittelmäßigen bis uninspirierten Nachzüglern der Studioalben um die Ecke kamen, um mit den Verkäufen noch mal schnell Gold-Status* zu erreichen. Wir wollten vermeiden, dass so etwas auch von uns erwartet wird und nennen es deshalb lieber „Band-Platte“.
Björn: Für uns ist es gleichzeitig auch eine Art Best Of-Album, denn es sind ja Lieder von 1995 bis 2008 drauf. Aber viel wichtiger ist, dass durch die elfköpfige Band zu den jeweiligen Songs ganz andere Soundbilder entstanden sind. Damit ist es eigentlich ein ganz neues Projekt und das hört man den Songs auch an. Nicht nur, wenn wir sie in einer neuen Version spielen, sondern auch, wenn wir uns ganz nah am Original bewegen, klingen sie trotzdem ganz anders als das, was einst auf der Platte zu hören war. Und genau das wollten wir gerne mal auf ein Album bannen. Darüber hinaus haben wir dann noch versucht, die Stimmung und die Dynamik eines Fettes Brot-Konzertes festzuhalten, die Spielfreude und den Spaß, den wir auf und die Leute vor der Bühne haben. Deshalb sind die beiden Platten tatsächlich auch so wie ein Konzert aufgebaut: mit Anfang und Ende und dazwischen Gesabbel.

Wann entstand denn die Idee?
Boris: Das war ein eher fließender Prozess. 2008 haben wir von 80 Konzerten rund 20 sowie ein paar Festivalauftritte mitgeschnitten - immer schon mit dem konkreten Hintergedanken, irgendwann ein Album daraus werden zu lassen.
Martin: Der Gedanke, wie schade es wäre, das nicht für die Nachwelt festgehalten zu haben, hat auch eine Rolle gespielt. So wie manche Frauen, die sich schnell noch mal für den Playboy fotografieren lassen, damit sie ihren Enkeln später zeigen können, wie toll die Oma mal ausgehen hat. (alle lachen)
Boris: Das ist aber doch totaler Unsinn! Wir werden ja auch die nächsten Jahre mit dieser Band unterwegs sein und noch besser werden.

Das waren ja Tonnen an Material, wie wählt man da aus?
Boris: Es standen über 500 Songs zur Auswahl. Aber wir haben das Glück, coole Leute wie André Luth (Red: Produzent von FB) in unseren Reihen zu haben, die das für uns sortieren. in unserem Umfeld zu haben, die das für uns machen. Wir haben das auch deshalb nicht selbst gemacht, weil wir viel zu nah dran sind. Man ist ja auch immer ein bisschen eitel und hört am ehesten darauf, ob man selbst gut abgeliefert hat.

1992 war euer Gründungsjahr – da sind wir ja fast bei 20 Jahren – erschreckt euch das manchmal?
Boris: Wenn man es nachrechnet, stimmt es erstaunlicher Weise, aber es fühlt sich nicht so an. Es ist immer noch erstaunlich neu und frisch, nicht abgenutzt, immer noch aufregend und macht unwahrscheinlich viel Spaß.

Gibt es da so etwas wie ein Geheimrezept?
Martin: Wenn man es auf ein Wort reduzieren müsste, dann wäre das so was wie Offenheit.
Die beiden anderen: wooohhhwww (dann Lachen)
Boris: Keine Ahnung, wir haben einfach Spaß an dem, was wir machen. Uns gehen die Ideen nicht aus und wir haben immer noch das Bedürfnis, den Leuten etwas zu erzählen und uns selbst zu zeigen, was alles so möglich ist.

Apropos – vor nicht allzu langer Zeit lief ein Film namens „Der Deichking“ im Fernsehen mit einer Fettes Brot-Coverband – gespielt von euch. Mit „Forellentee“ hattet ihr eine eigene Radiosendung und einen Gastauftritt bei den Drei ??? gab es auch. Wenn ihr euch entscheiden müsstet, was ihr davon gerne noch mal machen würdet, was wäre das?
Martin: Die Radiosendung war das, was am meisten wir waren.
Boris: Und was wir auch am ernsthaftesten betrieben haben.
Martin: Die haben wir auch über anderthalb Jahre gemacht, sind alle vier Wochen nach Potsdam zu Radio Fritz gefahren, um eine Live-Sendung zu machen und drei aufzuzeichnen. Da waren wir mit Leib und Seele Radiomoderatoren und haben versucht, das Genre zu revolutionieren, was uns übrigens nicht gelungen ist. (lachen)
Björn: Wobei ich auch sagen muss, dass ich die anderen Bereiche für uns und die Zukunft genauso spannend finde. Ich möchte also an dieser Stelle dazu aufrufen, uns weiterhin Hör- und Drehbücher zu schicken.
Boris: Mit Quatsch Geld verdienen! Wenn man ein bekannter Musiker ist, kommen die Leute gerne auf die Idee, dass man ja auch mal was anderes tun könnte, ohne dass sie wissen, ob man das wirklich kann. Da sagen wir dann gerne mal ja.

Bushido hat ja gerade mit Herrn Eichinger einen Blockbuster abgeliefert – wenn es einen Fettes Brot-Film geben würde, wer sollte den drehen und wer sollte euch spielen?
Boris: Roland Emmerich.
Björn: Ja! Ein Katastrophenfilm!
Martin: In Zusammenarbeit mit Otto Walkes.
Björn: Nein, Hape Kerkeling soll den drehen und wir werden von den Chipmunks gespielt.
Boris: Nee, von Tick, Trick und Track...
Martin: ...oder David Kross spielt einen von uns.

Wen denn? Jeder darf sich einen aussuchen.
Boris: Dann nehm ich Kate Winslet – nein, ich möchte, dass Claude-Oliver Rudolf mich spielt, den jungen König Boris – das muss doch wohl möglich sein. Ich glaube allerdings, wir hätten große Probleme damit, die Regie abzugeben.
Martin: Wobei Detlef Buck natürlich auf der Hand läge, dessen Werk wir sehr mögen. Wir haben ihn bei einem Videodreh in Südafrika getroffen. Er hat uns kritisch angeguckt und meinte, na, noch könnte man mit euch einen Film drehen – dann hat er leider David Kross erfunden.
Boris: Aber den Gedanken an einen Fettes Brot-Film finde ich spannend. Ich stelle mir da eher so ein geiles Roadmovie vor – so was wie „Almost Famous“...
Martin: „Little Miss Sunshine“!

Ihr kommt ja ursprünglich aus dem HipHop, hat man da nicht manchmal auch Lust, ganz kompromisslos mal wieder ein klassisches Rap-Album zu machen?
Boris: Ja, darüber haben wir sogar schon mal nachgedacht.
Björn: Also ein ganzes Album weiß ich nicht, aber ich hätte schon große Lust dazu, mit der Rap-Musik mal ganz handwerklich umzugehen und einen klassischen Song zu machen – solche hatten wir ja auch immer auf unseren Studioalben. Aber ich würde mal wagen zu behaupten, dass dieser Schwung nicht für ein ganzes Album reichen würde. Ich glaube, da würden wir uns nach ein paar Songs einfach zu eingeschränkt fühlen.
Boris: Das ist ja auch kein Plan, den wir uns vorher machen oder worüber wir nachdenken. Diese Offenheit ist ja kein Konzept, die kommt einfach aus uns raus und unsere Songs passieren uns einfach.

Das heißt, ihr arbeitet auch schon an Ideen für ein neues Album?
Martin: Ja. Das passiert alles schon parallel.
Boris: Wir werden weiter machen und es wird noch viel Musik von uns geben.

Jetzt geht es allerdings live weiter durch die schon fast überall ausverkauften Konzerthallen der Republik, und so großartig diese Platten auch geworden sind (und das sind sie wirklich), sollte man sich ein ganz echtes, schweißtreibendes, Spaß machendes Fettes Brot-Konzert einfach nicht entgehen lassen. Wer also noch ein Ticket ergattern kann, dem sei dies wärmstens empfohlen – zumal es noch das folgende Versprechen gab: „Wir werden jetzt auf der Tour sicher noch den ein oder anderen Hit ausgraben, der es nicht auf die Platten geschafft hat.“

Text: Caroline Frey Foto linke Seite: Birte Filmer
Foto rechte Seite: Jens Herrndorff Heimat: fettesbrot.de


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