- Text: Florian Hayler
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Dukes Of Windsor
Vorerst geflüchtet
Man könnte es auch als schlechtes Timing bezeichnen: Die Dukes Of Windsor kehrten dem heimischen Melbourne ausgerechnet zur denkbar ungünstigsten Zeit den Rücken: im Frühling. Als sie zwei Dutzend Flugstunden später in der eisigen Dezemberluft des Berliner Flughafens ein Taxi heran winkten, war es allerdings schon zu spät: Die Mission „Neuerfindung einer Band“ war bereits in vollem Gange…
Das, was man uns derzeit als das mit ‘It‘s A War‘ betitelte „Debütalbum“ der Australier verkaufen will, ist im Grunde nicht mehr als ein – bis dato - repräsentativer Querschnitt aus den vergangenen fünf Jahren Bandgeschichte. Nach einer EP, zwei Alben, Hits wie der aktuellen Single ‘It’s A War‘, diversen Fernsehauftritten, Preisen und Konzerten vor stattlicher Kulisse zogen die Dukes Of Windsor die Reißleine und verordneten sich einen allumfassenden Neuanfang: Sound, Look, Bandstruktur, Umfeld, die gemeinsame Zukunft – das Quartett stellte alles auf den Prüfstand, was sich zu prüfen lohnte. Nun, nach zweieinhalb gewöhnungsbedürftigen Monaten in der Fremde, haben die Dukes Of Windsor ihre innere Mitte aber gefunden und in ihrer neuen Heimat Berlin-Kreuzberg Fuß gefasst. Zum Proben muss die Band zwar per Straßenbahn ins weit entfernte ehemalige Rundfunkhaus der DDR nach Köpenick, freut sich aber schon auf den Sommer, denn dann „fahren wir per Rad“. So muss das sein.
Mit ihrem Umzug nach Berlin reihen sich die Dukes ein in ein buntes und aus aller Herren Länder zusammengewürfeltes Kreativ-Potpourri aus Musikern und anderen Freaks, für die die Stadt zum neuen, kostengünstigen Lebensmittelpunkt wurde. Da kann es schon mal passieren, dass man zufällig alte Bekannte trifft: „Neulich begegnete mir Sänger der Band Expatriate auf einem Konzert“, erinnert sich Sänger Jack Weaving. „Ich kenne den Kollegen noch aus Melbourne, wir sind bei den MTV-Awards mal ein wenig aneinander geraten. Er lebt mittlerweile auch in Berlin, wir haben Nummern ausgetauscht und treffen uns hoffentlich mal auf ein Bier. Im Grunde wollen wir es aber möglichst vermeiden, mit ‘Unseresgleichen‘ abzuhängen. Viel lieber tauchen wir in die fremde Kultur ein und lassen sie auf uns wirken.“
Einer der wesentlichen Gründe für den Umzug der Dukes nach Deutschland war neben der geographisch vorteilhaften Lage („von hier aus kommt man verhältnismäßig schnell in jedes andere Land der Welt“) auch die Überlegung, dass die eigene Musik „doch sehr europäisch“ klingt, jedenfalls im Vergleich zu dem, was sonst aus Australien oder Amerika kommt: „Ich denke, die Leute hier sind einfach offener für Musik auch abseits des Mainstreams“, glaubt Gitarrist Oscar Dawson. „In unserer Heimat sind meist nur die Bands populär, die reimportiert wurden, sprich: die zunächst in England oder Amerika, und als Reaktion darauf auch in Australien den Durchbruch schafften. Die Kids bei uns sind scheinbar zu träge, Bands zu entdecken. Wenn man ihnen aber einen erfolgreichen Act vorsetzt, schlagen sie zu. Hier in Europa ist das anders. Da hat man ein Herz für die Underdogs.“
So stricken die Dukes Of Windsor bis in den Sommer an ihrem neuen Sound, der den synthetischen und tanzflächentauglichen Indie-Rock mit dem Punch der Live-Konzerte verheiraten soll – und das könnte sogar klappen. Schließlich haben sich in Berlin schon ganz andere gefunden.
Heimat: myspace.com/dukesofwindsor
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