unclesally*s, dein Musik-Magazin für Punk, Rock, Indie, Alternative, Indierock mit vielen Interviews und Rezensionen

Bild: Blood Red Shoes
  • Text: Marcus Willfroth
  • Fotograf: Birte Filmer
  • Kommentar schreiben

Blood Red Shoes
Meine Band, das Wasser und ich


Die Blood Red Shoes sind verunsichert. „Ich hoffe, dass den Leuten ’Fire Like This’ gefällt“, sagt Sängerin Laura-Mary Carter und betont, dass das neue, zweite Album das inoffizielle Debüt ihrer Band sei. „Unsere erste Platte zählt nicht“ - und das aus gutem Grund.

Die Frage nach dem ’Warum?’ ist berechtigt, schließlich öffnete ’Box Of Secrets’, der erste Blood Red Shoes-Silberling, dem Duo im Jahr 2008 alle Türen, verschaffte den lang ersehnten Plattenvertrag und hievte sie ganz nebenbei auf sämtliche Titelblätter der großen Musik-Gazetten. Und all das soll plötzlich nichts mehr miteinander zu tun haben, ein Debüt darf kein Debüt mehr sein?

„Nein, es ist weiterhin die erste Platte“, korrigiert sich Laura und wirft einen Blick ins Nebenzimmer, wo Bandkollege Steven Ansell mit dem Verschluss einer Wasserflasche kämpft. „Ich kann gerade nicht“, ruft er leicht genervt und so muss die schüchterne Frontfrau alleine weitermachen. „Bevor ’Box Of Secrets’ erschien, hatten wir bereits mehrere Singles und EPs veröffentlicht und die mussten nur noch zu einem Album zusammengefügt werden. Das war’s.“

Die Aufnahmen zur zweiten Platte ’Fire Like This’ seien ganz anders gewesen, weil man zwischen Herbst 2008 und Sommer 2009 mehrere Monate im Studio an allen Songs zugleich arbeitete und ein unerwartetes Mammutprojekt daraus entstand - womit Laura immer noch Probleme hat, denn „diesmal gab es keine Vorab-Singles, alle Stücke entstanden zeitgleich, und das war verdammt ungewohnt.“

Nach all den positiven Kritiken für das Debüt der Blood Red Shoes baute sich in den Köpfen der beiden Macher ein massiver Druck auf, den sie nur schwer ignorieren konnten. „Man darf die Kritiken einfach nicht lesen, denn sonst stehst du plötzlich da und denkst: Okay, das mochten die Leute beim ersten Werk besonders, also keine Experimente. Doch andererseits will man Neues ausprobieren, sonst klingt ja alles gleich.“ Und so verzichtet ’Fire Like This’ auf unnötigen Schnickschnack und versucht vielmehr die Homogenität zu schaffen, die mit dem Erstling nicht möglich war. Der Indie-Rock ist geblieben, wurde aber mit Prog-Elementen angereichert. „Am Ende bin ich sehr zufrieden mit der Mischung“, sagt Laura und lacht befreit, während Kollege Steven mit nassem T-Shirt im Flur umher läuft und trockene Handtücher sucht.

Ein Bild, wie es symbolischer kaum sein könnte: So hektisch und nervös der eine Part der Blood Red Shoes, so ruhig und gelassen sein Gegenüber. Wie gut, dass sich hier niemand vom Hype komplett verunsichern ließ und ’Fire Like This’ genau da ansetzt, wo das Debüt aufhörte. Sorgenfalten überflüssig, beim zweiten Anlauf der Blood Red Shoes mit ihrem ersten richtigen Album.

Text: Marcus Willfroth
Foto: Birte Filmer
Heimat: bloodredshoes.co.uk


ANZEIGE







...zurück



Kontakt -  Impressum -  Mediadaten -  Abo ·  nach oben