- Text: Steffi Erhard
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Motorpsycho
Von wegen altersmüde
Es ist ein ironisches Zusammentreffen an diesem düsteren Wintertag: Im Berliner Ramones-Museum, das eine der berühmtesten Punkrock-Bands und ihre raue Direktheit feiert, stellen die Alternative-Prog-Rocker von Motorpsycho ihr neues Album „Heavy Metal Fruit“ vor – sechs alles andere als geradlinige Stücke mit einer Gesamtspielzeit von über einer Stunde.
Der Ort des Interviews ist zufällig gewählt, der sich ergebende Gegensatz jedoch programmatisch. Auch das neue Studiowerk der Norweger, die 2009 ihr 20jähriges Jubiläum feierten, lebt von Widersprüchen: Laut und leise, Harmonie und Dissonanz, fragile Pianoläufe und wehklagende Gitarren. Der Titel – ein Zitat aus einem Song der Hardrock-Institution Blue Öyster Cult – ist bewusst gewählt. „Zwischen ‚Heavy Metal‘ und ‚fruit‘ besteht ein guter Gegensatz. Es trifft den Sound des Albums. Zum Teil ist es Heavy Metal, und dann gibt es noch andere Stile, die eigentlich nicht dazu passen. Aber am Ende fügt sich doch alles zusammen“, erklärt Bassist und Sänger Bent Sæther. Die ursprüngliche Wortbedeutung, die „Heavy Metal fruit“ als die von Kriegsflugzeugen abgeworfene Bombe, spielt dagegen keine Rolle.
Im Frühsommer 2009 begannen Motorpsycho mit den Aufnahmen in Oslo. Wer die Band kennt, wird sich nicht wundern, dass sie schon wieder im Studio verschwand, bevor ihr letztes Werk, die Vinyl-LP „Child Of The Future“, überhaupt veröffentlicht war. Seit ihrer Gründung 1989 ist kaum ein Jahr ohne akustisches Lebenszeichen vergangen. Da stellt sich die Frage, ob es in den zwei Jahrzehnten tatsächlich nie eine kreative Krise gab? Bent, in dessen wallender Mähne zumindest das ein oder andere graue Haar vom Alterungsprozess zeugt, erklärt: „Natürlich hat man Phasen, in denen man nicht allzu viel komponiert. Aber sobald man im Schreib-Modus ist, bringt man fünf oder auch 15 Songs am Stück zustande.“ Ans Aufhören denken Motorpsycho jedenfalls keineswegs. Man habe sich jetzt erst so richtig warm gelaufen.
Vergessen sind mittlerweile auch die harten Anfangstage, in denen die jungen Musiker auf ihren Touren schon mal auf die Probe gestellt wurden – so wie in einem Hamburger Club Anfang der Neunziger. „Wir sollten im Keller in einem Bandapartment schlafen. Es lag zwischen einem Raum mit zwei Prostituierten und einem winzig kleinen Zimmer, in dem eine mehrköpfige Familie aus Vietnam hauste.“ Heute muss Bent bei dem Gedanken lachen. „Es gab schon einige Drecklöcher.“
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