-
Text:
-
Sick Of It All
Jung bis in den Tod
Als ob das Alter ein Kriterium für eine „Jugendkultur“ sein könnte! Immerhin sind die wohl prominentesten Vertreter der Rubrik Hardcore längst jenseits der 40. Sick Of It All haben bis heute nichts von ihrem ungestümen Wesen verloren, was das kommende Album ’Based On A True Story’ noch einmal deutlich macht.
In Kopenhagen hat das New York-Hardcore-Urgestein zum ersten Mal außerhalb des heimischen Big Apple aufgenommen, um direkt mit Produzent Tue Madsen zusammenarbeiten zu können. Neben einem vielversprechenden Ausblick auf klassischen Hardcore mit mitreißenden Chören, präsentierte sich eine überaus freundliche und reflektierte Band, die auch nach über 20 Jahren nicht in blanke Plattitüden verfallen ist, sondern weiß, wovon sie redet.
Es ist erfreulich zu hören, wie der gegenkulturelle Aspekt des Spektrums Hardcore, der unter George W. Bush eine Renaissance erlebte, wie es sie wohl seit der legendären Reagan-Ära in den Achtzigern nicht mehr gegeben hat, auch in der Zeit eines „weltoffenen Publikumslieblings“ fortgeführt wird: „Es ist einfach nicht richtig, Obama als heiligen Weltretter darzustellen, solange der Krieg im Irak weitergeht, noch immer überall Menschen für Öl sterben, Kriege aus wirtschaftlichen Interessen geführt werden und die Regierungen von Lobbyisten gelenkt werden. Natürlich hat er einige positive Bestrebungen, wenn es um das Gesundheitssystem oder den Umweltschutz geht, aber das macht ihn nicht zum Messias“, sagt Lou Koller, der dies im Song ’Bad Cop’ explizit beleuchtet.
Bei der Frage danach, wie es denn überhaupt dazu kommt, dass sich in einer anscheinend mittlerweile entpolitiserten Musikszene überhaupt noch jemand für diese Themen einsetzt, wären wir wieder bei der bereits erwähnten jungendkulturimmanenten Altersfrage. Für Sick Of It All ist es einfach normal, dass Hardcore mit einem Blick auf die Gesellschaft und über den eigenen Tellerrand hinaus verbunden ist, wobei dies nicht immer nur mit lyrischer Thematisierung, sondern auch mit handfesten Ergebnissen verbunden sein kann. So berichtet Lou, wie er vor kurzem erfuhr, welchen Effekt ein Benefizkonzert von Sick Of It All zugunsten politisch inhaftierter Frauen in Südafrika hatte. Mit den Geldern, die vor fünf Jahren erspielt wurden, konnte deren Freilassung bewerkstelligt werden. „Das war fantastisch.“
Sick Of It All scheinen also jene kleine Bastion im großen Geschäft zu sein, die sich ihre subkulturellen Ideale bewahrt und diese noch ebenso stürmisch in ein musikalisches Gewand verpacken kann, wie sie es seit zwei Dekaden erfolgreich getan hat. Ist das der Sieg der Erfahrung über den jugendlichen Übermut?
Text: Aiko Kempen
Heimat: sickofitall.com
ANZEIGE
City Light Thief, Love A
18.02.2012
FLUX Klub - LIVE: City Light Thief, Love A @ Magnet Club - Berlin
