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Text:
- Fotograf: Christiane Wöhler
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Heaven Shall Burn
Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte
Der große Kunstgriff zwischen Tradition und Moderne besteht in dem Talent, Klassiker aus Musik, Film und Literatur in ein zeitgemäßes Gewand zu kleiden. Heaven Shall Burn schaffen den Spagat zwischen alt und neu bereits im Titel ihres neuesten Outputs: ‘Invictus‘.
Dieser Titel ist nicht nur auf Grund des gleichnamigen Films über Nelson Mandela, den die fünf Thüringer in seiner Rolle als friedvoller und beständiger Kämpfer für Menschenrechte schon immer als einen ihrer geistigen Einflüsse gesehen haben, legendär, sondern auch an Aktualität kaum zu überbieten. ‘Invictus‘ ist aber auch der Titel eines Gedichts von William Ernest Henley aus dem Jahre 1875, das auch seinen Platz im Booklet erhalten hat. So parken Heaven Shall Burn rund 135 Jahre Kultur in einem einzigen Wort. Dass die finale Passage aus Henleys Werk “I am the master of my fate. I am the master of my soul“ nahezu nahtlos an die wohlbekannte Praxis der Band anschließen, zu mehr Eigenverantwortlichkeit in Handeln und Denken aufzufordern, wirkt beinahe bedrohlich passend. Man könnte fast meinen, man habe einen klassischen Heaven Shall Burn-Text vor sich. Doch auch in ihren eigenen Worten finden sich die gewohnt klaren Aussagen zu Themen, die zeigen, dass sich Heaven Shall Burn ihr eigenes Motto zu Herzen nehmen und in höchstem Maße auf die kleinen und großen Geschichten des Alltags Bezug nehmen.
Besonderes im Mittelpunkt steht, dass diese Welt eben nur so funktioniert, weil die breite Masse es zulässt und sich perfekt auf ein System abgestimmt hat, das sie sich nicht zu hinterfragen traut. Dazu gehört neben dem unreflektierten Umgang mit Medien, aus denen einfach alles blind übernommen wird und dessen sich bereits in äußerst amüsanter Weise in Form der gefälschten Band-Dokumentation ‘Leitmotiv‘ angenommen wurde, vor allem die alltägliche Konformität und die Angst um den Verlust des Status Quo. Solange es Menschen gibt, die sich durch ihre Angst vor gesellschaftlichem und sozialem Abstieg bis in den Burnout kaputtschuften, ist der eben jener bereits systemimmanent vorprogrammiert. Bei der Schilderung dieser ganz normalen und doch erschreckenden Verhältnisse kann es mitunter auch vorkommen, dass sich Gitarrist Maik in Rage redet, wenn er konkret benennt, womit sich Heaven Shall Burn nicht einverstanden erklären: „Angst als Motor, der die Maschine am Laufen erhält.“ Bei Heaven Shall Burn vielleicht die Angst, dass es ewig so weiter geht. Für uns bleibt dabei immerhin die Hoffnung, dass es auch in Zukunft noch Bands geben wird, die sich noch in einer solchen Weise äußern. Solange die Maschine am Laufen gehalten wird.
Text: Aiko Kempen Foto: Christiane Wöhler
Heimat: heavenshallburn.com
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