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Bild: Wolf Parade
  • Text: Marcus Willfroth
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Wolf Parade
Gemischtes Doppel


Wolf Parade waren mit ihrem Überalbum ‘At Mount Zoomer‘ der Indie-Hype des Sommers 2008. Nun kehren sie zurück und betreiben mit ‘Expo 86‘ Vergangenheitsbewältigung in eigener Sache.

Es ist neun Uhr abends in New York City. Spencer Krug wundert sich, wie die Zeit vergeht und gönnt sich einen großen Schluck Kamillentee. „Die letzten Monate waren sehr stressig“, rechtfertigt der Wolf Parade-Sänger das gar nicht so Rock’n’Roll-mäßige Getränk. „Ich will nicht sagen, dass uns der Hype vor zwei Jahren egal gewesen wäre, aber in Europa wurde die zweite Wolf Parade-Platte mehr gefeiert als hierzulande.“ Ein Dankeschön verteilt er nicht, schließlich habe sich die Band den Erfolg „selbst verdient“.

Nach unzähligen Konzertreisen und ein wenig Starthilfe aus dem World Wide Web, avancierten Wolf Parade im Sommer 2008 zur meist beachteten Band im Independent-Sektor. Und weil Spencer Krug und sein singender Sidekick Dan Boeckner nimmermüde Songwriter sind, kamen sie nicht auf die Idee, ihre Füße hochzulegen, sondern machten unbeirrt weiter. „Es ist ein Geschenk, von der eigenen Musik leben zu können. Dadurch ergibt sich viel Spielraum, und den nutze ich meist für neue Songs“, gesteht der gebürtige Kanadier während er die Qualmwolken vom Becherrand pustet.

Ganz im Gegensatz zur inneren Ausgeglichenheit Spencer Krugs will das neue Wolf Parade-Album ‘Expo 86‘ ein Brecher sondergleichen sein, ein Stück Rock-Musik, das nicht zurücksteckt, sondern austeilt. „Dan war die treibende Kraft: Er kam mit acht Songs ins Studio und alle hatten einen rauen Charakter. Die Lyrics verstand niemand von uns, als er sie in Begleitung der E-Gitarre vorsang und ich musste ihn erst mal fragen, worum es denn überhaupt ginge. Seine Antwort: Wir machen das, worauf wir Bock haben, okay?!“ Gesagt, getan: Nach den schwierigen Aufnahmen zu ‘At Mount Zoomer‘ gingen die Sessions für ‘Expo 86‘ erstaunlich schnell von der Hand und sorgten für gute Laune soweit das Auge reicht.

Nach einem Schnellschuss klingen die Songs jedoch nicht: Während sich einmal mehr die Keyboards permanent vor die Gitarren drängeln, ist ‘Expo 86‘ verglichen mit dem Vorgänger weniger detailverliebt und gewinnt genau dadurch an Größe: „Ich bin ein anderer Songwriter als Dan es ist. Für ihn zählt der Klang, für mich mehr das, womit dieser erzeugt wird. Elektronische Spielereien sind aus meiner Sicht schön und gut, aber am Ende geht es nicht ums Experiment allein.“

Ein ungleiches Paar, das nach einigen Diskussionen einen Longplayer aus dem Ärmel zaubert, der problemlos die vielen Vorschusslorbeeren rechtfertig. Die Indie-Welt, sie hat ihre kanadischen Lieblinge zurück: Gereift und trotzdem zu allem fähig.

Text: Marcus Willfroth Foto: Meqo Sam Cecil
Heimat: myspace.com/wolfparade


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