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Mystery Jets
In Aufbruchsstimmung


Selbstfindung kann dauern. Auch, wenn man bereits als Achtjähriger mit einem Kumpel und dessen Vater(!) eine Band gründet. Doch jetzt, mit Mitte 20 und einem absolut versierten dritten Album, wollen die Briten endgültig ihren Platz in der Musikwelt markieren.


Einen entscheidenden Schritt in Richtung Weiterentwicklung haben die Mystery Jets bereits vor zwei Jahren gewagt: Mit dem zweiten Album ‘Twenty One‘ entschied sich die fünfköpfige Band, bestehend aus Blaine und Henry Harisson, William Rees, Kai Fish und Kapil Trivedi, in Zukunft nur noch zu viert zu touren – ohne Blaines Vater Henry. Eine radikale Verjüngungskur auf Kosten des ehemals wichtigsten Bandmitgliedes, der seinen Sohn und dessen Freund William seit frühester Kindheit zu fähigen Musikern formte. Doch was nach schwer gestörtem Familienfrieden klingt, lief laut William ganz friedlich ab: „Die Entscheidung hatte keine musikalischen Gründe und es gab auch keinen Streit. Aber Henry hat einfach viel mehr Erfahrungen als wir – und wenn man jung ist, möchte man seine eigenen Erfahrungen machen und auch seine eigenen Fehler. Besonders für Blaine war es wichtig, mal ohne seinen Vater auf Tour zu gehen.“ Die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt ist deswegen aber keineswegs beendet: „Henry bleibt als kreativer Guru im Hintergrund und wird immer Teil der Band sein.“

Trotz dieser beruhigenden Rückendeckung gilt ab diesem Zeitpunkt vor allem eines: Arschbacken zusammenkneifen und sich neu positionieren. Mit ‘Twenty One‘ lösen sich die Briten 2008 bereits weitestgehend vom psychedelisch-progressiven Retro-Rock ihres Debüts und widmen sich verstärkt euphorischen Pop-Klängen: sehr eingängig, sehr dynamisch, nett eben. Doch erst das aktuelle Album ‘Serotonin‘ setzt Maßstäbe, die eine Umsortierung von den netten zu den extrem spannenden Bands unumgänglich macht: Die vier Jungs haben sich nicht nur auf ihren hochkarätigen Produzenten Chris Thomas verlassen, den sie für das neue Werk gewinnen konnten, sondern sehr eifrig an ihrem Songwriting gefeilt und ausgefallene instrumentale Arrangements kreiert. Trotz einer wiederkehrenden Affinität zu Retro-Sounds ist ‘Serotonin‘ herrlich frisch und experimentierfreudig geraten. Mit erstaunlicher Leichtigkeit agieren die Mittzwanziger zwischen Indie-Pop und Collegerock, lassen hier ein bisschen Country einfließen und dort einen schmissigen Keyboard-Sound, geben mal den nachdenklich schwelgenden Männerchor und mal die verliebte Boyband. William zeigt sich zu Recht zufrieden: „Wir haben uns diesmal bewusst weniger auf die Musik anderer Bands bezogen und versucht, einen eigenen, zeitlosen Sound zu kreieren.“

Text: Isabel Ehrlich
Heimat: mysteryjets.com


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