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Korn
Rastlos in Oildale (lasst mich alleine)


Ob das alles denn überhaupt noch unbedingt sein müsse, das mit dem fast peinlich persönlichen Selbsttherapie-Gepose, der längst zur Rockstar-Routine verkommenen Suburbia-Koketterie samt ihrer unterschwelligen Motivationstrainer-Morbidität. Und nicht zuletzt die unentschuldbar weite XXXL-Wohlfühl-Freizeit-Couture. All-In-One-Grundsatzfrage, die nicht erst seit der unangeschnallten Geisterfahrer-Coverversion von ‘Another Brick In The Wall‘ zumindest teilweiser Klärung bedarf.

Seit gut 16 Jahren polarisiert die multisellende Nu-Metal-Institution Korn als vermeintlich letzte Instanz die ideologisch gespaltene Collegeradio-Empfängerschaft. Und lässt auch mit ihrem neuen Album ‘Korn III - Remember Who You Are‘ weder auf irgendwelche versöhnlichen Get-Together-Konsenslösungen, noch auf das bisher nur wenig beschworene Wunder von Bakersfield hoffen.

Yo, motherfucker. Beziehungsweise auch Brother oder kurz Bro, wie Korn-Frontman Jonathan Davis, den echte Freunde nur JD nennen, fast reflexartig die meisten seiner hundertprozentig eloquenten, nahezu Schlagzeilen tauglichen Interviewantworten einleitet oder zumindest beendet. Zugegeben: Tauschen möchte man, wenn überhaupt, nur im künstlersteuerbefreiten Gegengeschäft mit Aussicht auf siebenstellige Royalty-Beteiligung mit dem kalifornischen dead man walking: Seit 1994 lässt man nun schon vor begeistert mitleidendem Publikum regelmäßig die Heim-Analytiker-Pants herunter; seziert, exorziert sich vor laufenden Harddiscrekordern und Kameras bis ins Patientenmark und sogar in die Top 40 hinein. Und bleibt doch zu jedem Zeitpunkt irgendwie souverän und über jeden Pop-Zweifel erhaben. Korn sind, wie sie sind. Und zwar weder gut, noch wirklich schlecht, sondern einfach nur sie selbst. Exaltierte Lieferanten von funktionsbestimmter Zweckmusik für den Teenie-Soundtrack, den man ohne seinen eigenen Jugendfilm noir im Hinterkopf kaum wirklich verstehen kann. So wie beispielsweise auch Papa Roach oder The Offspring.

‘Oildale (Leave Me Alone)‘, ‘Let The Guilt Go‘, ‘Fear Is A Place To Live‘ - Einladung zur kathartischen Selbstidentifikation, der auch auf ‘Korn III - Remember Who You Are‘ wieder Millionen geknechteter Kiddy-Seelen folgen werden. Und wenn Jonathan Davis so da sitzt, einen durch seinen schwarze Designerbrille mit feuchten Augen anschaut, dann hat der 39-jährige Streetworker tatsächlich viel mehr mit einem Robert Smith oder auch Ian Curtis gemein, als man vielleicht zugeben möchte. Unsicherheit, die verunsichert.

„Dieses Album war ein Kampf. Der Titel ist selbstklärend: Für mich spiegelt er perfekt wider, worum es diesmal geht - nämlich sich daran zu erinnern, wer man ist und was man für eine Aufgabe im Leben hat. Irgendwie haben wir an einem gewissen Punkt unsere eigentliche Richtung und unsere Ziele aus den Augen verloren. Wir gehen mit ‘Korn III‘ definitiv zurück zu den Wurzeln, in jeder Beziehung! Es ist für mich wie der Anfang einer ganz neuen Therapie, bei der ich die Dinge in meinem Leben verarbeite, die mich geprägt und zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Ich habe zu der Person zurückgefunden, die ich einmal war - vor Ewigkeiten. Ich habe durch diese Aufnahmen erkannt, wieso ich mich so negativ verändert und mich selbst so verrückt gemacht habe. Es hat viel mit Schuldgefühlen zu tun und damit, ständig und auf Biegen und Brechen den Leuten gefallen zu wollen. Ich hatte niemals die Stärke, Entscheidungen zu treffen, die ich für mich selbst für richtig hielt, sondern immer nur, was die Leute von mir erwarten würden. Und das hat mir nicht allzu gut getan...“

Text: Matthias Schneider
Heimat: korn.tv


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