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Bild: The Futureheads
  • Text: Michael Haacken
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The Futureheads
Demnächst schon fast Punk


Je länger die Futureheads im Geschäft sind, desto mehr ziehen sie sich daraus zurück. Wenn die neue Platte so frisch klingt, dann wegen genau deswegen.

„Unser letztes Album war wie ein Test, um zu sehen, ob wir es wirklich schaffen ohne Label. Wir haben eine Menge über Plattenfirmen und Selbstbestimmung gelernt. Zum Beispiel was funktioniert und was nicht.“ Ross Millard redet über den neu gewonnen Status als Indie-Band mit angeschlossenem Eigenverlag, die nach Jahren als Charts-verwöhnte Dressmen plötzlich den inneren Querdenker entdeckt hat. „Ich glaube, wir haben sehr davon profitiert, niemandem mehr Rechenschaft ablegen zu müssen. Die Zeiten sind ohnehin anders geworden, seit wir angefangen haben. Deswegen eine eigene Plattenfirma zu gründen, ist vielleicht eine ziemlich punkrockmäßige Entscheidung gewesen, aber ich denke, sie steht uns. Ich glaube, wir merken erst jetzt, dass wir das wahrscheinlich schon immer genauso wollten. Wir sind in letzter Zeit auch schon viel punkiger geworden.“

Möglicherweise meint Millard das nicht alles todernst. Ziemlich punkrockmäßig ist aber in jedem Fall die Beharrlichkeit, mit der die Futureheads auf ‘The Chaos‘ weiterhin ihre Stakkato-Pop-Songs anreißen, die vor lauter Ellenbogen nicht bequem sitzen können, aber Ross sieht darin natürlich nur „Kompromisslosigkeit“ - als erstrebenswerte Eigenschaft im Rock-Kontext eigentlich schon immer ein Klassiker. „Bands wie Beat Happening hatten ja auch eher überschaubare musikalische Fähigkeiten, haben mich - was das Songwriting angeht - aber sehr beeindruckt. Das waren Typen, die sich in ihrer Musik selbst verwirklichten. Auch Fugazi erledigen neben der Musik immer noch jeden Aspekt ihrer Karriere selbst, obwohl sie das eigentlich nicht nötig hätten. Einerseits muss man schon eine bestimmte Persönlichkeit haben, um so etwas genießen zu können. Man gründet Bands in erster Linie schließlich nicht, um Transporter zu fahren oder am Merch-Stand zu stehen. Andererseits hat man dann natürlich die komplette Kontrolle. Und je mehr Kontrolle wir über unsere Belange haben, desto besser.“

Nur weil man Millard demnächst die T-Shirts ohne Zwischenhändler abkaufen kann, heißt das jedoch nicht, dass seine Futureheads in Zukunft zum musikalischen Ökomarkt mutieren. ‘The Chaos‘ schlängelt sich wieder elegant durch den Toilettenflur der Indie-Disco und steht nur ganz selten direkt unter der Disco-Kugel. Dann aber so richtig. Die Classic-Rock-Etüde ‘Jupiter‘ ist nach ‘Hounds Of Love‘ eine weitere Verbeugung vor den Siebzigerjahre-Exzessen, die Millard wohl noch durch die Nabelschnur miterlebt hat. „Keinen Schimmer, warum die Leute immer so gerne auf dieser Epoche herumhacken“, sagt er. „Bands wie Queen haben unglaubliche Rock-Songs geschrieben, und es gibt keinen Grund, warum das jemals aus der Mode kommen sollte.“ Gesprochen wie ein echter Punkrocker.

Text: Michael Haacken
Heimat: futureheads.co.uk


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