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Bild: The Books
  • Text: Michael Haacken
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The Books
Die Klangparasiten


Ein internationales Duo mit Hang zur Absonderlichkeit macht schon seit zehn Jahren Musik aus Fundstücken. Nach liebevoller Überarbeitung klingt diese dann allerdings wie neu.

Paul de Jong fühlt sich heimisch auf den Flohmärkten dieser Welt. Der Experimentalmusiker mit der Mathelehrer-Aura ist permanent auf der Suche nach Artefakten untergegangener Kulturen: Achtzigerjahre-Krimskrams zum Beispiel, den der technische Laufschritt der letzten Jahrzehnte in den Mülleimer der Geschichte befördert hat. Neulich hat er sogar einen Talkboy entdeckt, jenen praktischen Taschenrekorder, mit dessen Hilfe Macaulay Culkin in ‘Kevin allein zu Haus‘ einst das bräsige Einbrecherpärchen verarschte.

Ein paar aufgezeichnete Sätze waren auch noch drauf, und die finden sich nun auf ‘The Way Out‘ wieder, dem neuen Patchwork-Sammelsurium der beiden Ton-Archäologen. „Wobei ich nie die Geduld hätte, mich durch all den Trödel zu wühlen“, sagt Nick Zammuto. „Paul ist derjenige mit den staubigen Fingerspitzen.“ Im Zeichen effizienter Arbeitsteilung kompiliert Nick lieber zusammengesuchte Amateurfilmausschnitte, die anschließend begleitend gezeigt werden - „bei unseren Auftritten gibt es ja schließlich sonst nicht viel zu sehen.“

Auf Platte dagegen wirkt der erstaunlich organische Mix aus zurückhaltender Gitarre/Bass-Begleitung und Found-Sound so entspannend wie der Sekundenschlaf im Hörsaal oder ein Nickerchen in der Fruchtblase, bei dem die Zeitwahrnehmung langsam durcheinander gerät. „Wir interessieren uns für Distanzen“, sagt Nick. „Für Dinge, die ihre Zeit hinter sich haben und nicht länger in einen kommerziellen Verwertungsprozess eingebunden sind. So wie Werbefilme aus den Achtzigern, bei denen es die dazugehörigen Produkte längst nicht mehr zu kaufen gibt und die deshalb eine ganz neue Bedeutung annehmen.“ So wie auch die Hypnoseanleitungen auf dem neuen Album, die einen Hauch von New-Age-Nostalgie ins neue Jahrtausend hinüberretten.

Der Books-Effekt lässt sich ein bisschen mit Anthropologie vergleichen, bei der die beiden Höhlenforscher in die Ohrmuschel der Vergangenheit hinabsteigen und mit merkwürdigen Collagen wieder ans Licht kommen. Dass sein Partner und er für ihre Expeditionen immer wieder neues Ausgangsmaterial brauchen, ist Nick dabei durchaus bewusst: „In gewisser Weise hat das schon etwas Parasitäres.“

Text: Michael Haacken
Heimat: thebooksmusic.com


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