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Bild: Auf der Couch mit
  • Text: Timo Richard
  • Fotograf: Erik Weiss
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Auf der Couch mit
Kele Okereke


Der einst so stille Grübler Kele Okereke wagt sich mit jedem medialen Schritt ein Stück mehr aus der Deckung. Drei Alben und ein halbes Outing lang war der Bloc Party-Sänger das große Enigma des britischen Indie-Rock. Jetzt, mit seinem clubtauglichen Solodebüt ’The Boxer’ stellt er sich allein ins Rampenlicht und verlässt nicht nur den sicheren Hafen seiner erfolgreichen Band, sondern gleich einen ganzen Referenzrahmen.

Denn während Kele als schwarzer, homosexueller Frontmann im Rock-Kontext stets für Verwirrung sorgt, wirkt er zwischen all den aktuellen Elektro-Pop-Irrlichtern fast schon bodenständig. Ein Sänger auf dem Weg zu sich selbst.

Kele, ist ein Soloalbum eine größere Herausforderung als eine Bandplatte?
Zu Beginn war die Idee eines Soloalbums sehr einschüchternd. Ich hatte Angst vor der alleinigen Verantwortung. Aber ich habe sehr schnell gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, der Herr im Haus zu sein. Ich liebe das!

Du hast dich auch textlich sehr aus der Deckung gewagt. Ist das auch ein Effekt des Alleingangs?
Nein. Das hat etwas damit zu tun, dass ich älter bin. Ich kann Dinge, gegen die ich früher angekämpft habe, besser an mir akzeptieren. Ich verstehe mich besser als früher.

„The Boxer“ hast du am Computer produziert. War es für dich eine Befreiung, eine andere Rolle als bei Bloc Party einzunehmen?
Auf jeden Fall, weil mir Musik machen wieder aufregend und neu erschienen ist. Plötzlich gab es keine Regeln mehr, an die ich mich zu halten hatte. Das Angenehme daran, elektronische Musik zu machen, ist, dass man auch als totaler Amateur wirklich aufregende Ergebnisse erzielen kann. Es geht nicht darum, ein genialer Gitarrist zu sein. Wenn du auf einer Gitarre komponierst, beziehst du dich immer auf nahezu 60 Jahre Pop-Musik. Elektronische Musik befreit dich von diesem rigiden Regelwerk des Rock.

War das Regelwerk des Rock für dich schon vor „The Boxer“ ein Problem?
Ich verstehe dieses ganze Cock-Rock-Ding nicht. Die Aufregung um Gitarren als Garanten einer emotionalen Botschaft in der Musik kann ich nicht nachvollziehen. Viele der emotionalsten Songs kommen aus einem Synthesizer.

FAZIT

Wurde auch Zeit, dass Kele Okereke sein Ego mal bedient, sonst wäre er wahrscheinlich bald geplatzt. Nach fünf Jahren Dauerrotation mit Bloc Party ist ihm die Freude über den gelungenen Alleingang ins Gesicht geschrieben. Eine narzisstische Störung pathologischen Ausmaßes konnte der permanent kreative Kele durch eine ausgefeilte Selbsttherapie erfolgreich bekämpfen.

Text: Timo Richard Foto: Erik Weiss
Heimat: iamkele.com
Auch gut: „The Boxer“ das erste Soloalbum von Kele Okereke


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