- Text: Ben Dominik
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Skunk Anansie
Ein kleines Mädchen aus Brixton
Skin ist gut gelaunt. Mit einem rosa Trucker-Cap und einem breiten Grinsen im Gesicht lümmelt sie im Hotelsessel und sinniert über Gründe der Wiederbelebung von Skunk Anansie, dämliche Klischees der schreibenden Zunft und natürlich das neue Album ’Wonderlustre’.
Die Nachricht einer Skunk Anansie-Reunion kam überraschend. Schürte doch die letztjährige Veröffentlichung des Greatest Hits-Albums ‘Smashes And Trashes‘ das Gefühl, hier würde nun der endgültige Schlusspunkt hinter eine große Band gesetzt. Auch die drei darauf enthaltenen neuen Songs konnten getrost als bloßer Kaufanreiz für Die-Hard-Fans interpretiert werden. Umso erstaunlicher ist es nun, dass sich mit ’Wonderlustre’ nicht nur ein neues Album ankündigt, sondern es die Band anscheinend auch noch mal so richtig wissen will: „Wir sind wieder da. Größer, schneller, besser und stärker als je zuvor. Ich selbst war nie in meinem Leben fitter als ich es jetzt bin. Bei den anderen ist es genauso. Wir sind also bereit, für alles, was kommt. Wir haben die Kondition und die Leidenschaft, um wieder loszulegen.“
Ein Vorhaben, das auch durch die erste Single ‘My Ugly Boy’ Nachdruck bekommt. Zwar haben sich Skunk Anansie mit dieser Platte entwickelt, aber sie haben auch dankbar wenig Salti geschlagen, um sich einen Platz in den Speicherplätzen der Generation iPhone zu erspielen. ’Wonderlustre’ fügt sich nahtlos in die Band-Diskografie ein und lässt nicht im Entferntesten erahnen, dass seit ’Post Orgasmic Chill’ stattliche elf Jahre ins Land gezogen sind. Wie gewohnt thront Skins dominante Stimme über den Songs und sorgt gerade in Verbindung mit weitläufigen Melodien und kantigen Riffs für den bitter-süßen Nachgeschmack, der dieser Band schon in den Neunzigern einen Platz auf den ganz großen Bühnen sicherte. Eigentlich also nichts Besonderes, würde es das Quartett nicht schaffen, zu keinem Zeitpunkt den Eindruck von Nostalgie aufkommen zu lassen. Ein Effekt, der wiederum nicht ganz ungewollt zu sein scheint: „Es hat uns schon immer gerettet, nie Teil eines Trends oder einer Mode gewesen zu sein. Moden kommen und gehen, zeitlose Musik aber bleibt für immer. Wir haben nie Elemente integriert, die zwar gerade angesagt waren, uns aber partout nicht gefallen haben. Wir wissen, wie schnell sich die Leute langweilen, heutzutage noch schneller als früher, da das Angebot einfach auch größer geworden ist. Ein Black Eyed Peas-Fan kann mit Skunk Anansie vielleicht nichts anfangen, sondern steht mehr auf Instant-Musik. Wir verstehen billigen Pop einfach nicht, könnten uns daher auch nie in diese Richtung bewegen.“
Man mag sich über so viel Selbstsicherheit wundern, versteht sie aber vielleicht etwas mehr, wenn man sich vor Augen führt, wie groß diese Band in der Vergangenheit war. Unabhängig von goldenen Schallplatten, ausverkauften Hallen und diversen Awards stand gerade Skin für einen Typ Frau, der durch die verschiedenen Aspekte ihrer Persönlichkeit sowohl vom Publikum als auch den Medien schnell als Role Model gehandelt wurde. So musste Skin sehr schnell lernen, was sie will und vor allem was sie nicht will: „Das Nervigste war eine Situation, in der ich ein Interview gegeben habe. Ein nettes Gespräch wie das unsere hier. Im Artikel stand dann etwas von der Angst des Reporters, als diese große, schwarze, bisexuelle Amazone auf ihn zulief. Fuck, der hatte keine Angst. Das wurde nur geschrieben, um ein gewisses Image von mir zu transportieren. Ich weiß nicht, wie viele Interviews mit diesem Bild von mir in der Einleitung abgedruckt wurden. Das ist so beschränkt, nur so dargestellt zu werden. Ein Klischee, sonst nichts. Und außerdem nicht wahr. Ich bin gar nicht so groß. Ich bin auch keine Amazone, sondern nur ein kleines Mädchen aus Brixton. Vor mir muss man sich nicht fürchten.“
Text: Ben Dominik Foto: Jeon Seung Hwan
Heimat: skunkanansie.net
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