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Bild: Manic Street Preachers
  • Text: Marcus Willfroth
  • Fotograf: Erik Weiss
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Manic Street Preachers
Das Imperium schlägt zurück


Wenn schon alle Welt die Musik einer Band in Schubladen packen muss, dann denken wir uns selbst eine aus – sagten sich die Manic Street Preachers und bezeichnen ihr neues Album ‘Postcards From A Young Man’ als Heavy-Metal-Motown-Werk.

Es hat sich einiges getan und ’Zeiten ändern dich’, wie Rüpel-Rapper Bushido jüngst feststellte. Im Falle der Manic Street Preachers stimmt dieser Satz: Zum Interview bitten die beiden Urväter der Band, Gitarrist Nicky Wire und Frontmann James Dean Bradfield, inzwischen wieder gemeinsam. Alles andere als selbstverständlich, denn noch vor wenigen Jahren gaben sie lieber getrennt voneinander befreit Auskünfte über sich und ihre Musik. „Wir hatten uns auseinander gelebt, das Bandgefüge stimmte nicht mehr. Wenn du über 25 Jahre mit ein und denselben Menschen zusammen Musik machst, gibt es immer wieder Ups and Downs. Das ist ganz natürlich“, erklärt Wire, während er zielsicher die Pralinenschale in seinem luxuriösen Hotelzimmer ansteuert und ein wohlwollendes Nicken seines Kollegen Bradfield erntet.

Dieser genießt derweil seinen mitgebrachten Kaffee, schüttelt den Pappbecher ein wenig hin und her und schon ist der Schaum verschwunden, das schwarze Glück bereit zum Verzehr: „Die Aufnahmen zur neuen Platte waren ruckzuck erledigt. Als habe uns jemand eine Batterie in den Rücken gesteckt und einfach auf ‘Play’ gedrückt“, sagt einer der sympathischsten Sänger des Brit-Rock und meint damit natürlich die neue Manics-Scheibe ‘Postcards From A Young Man’ – die (fast) als Appendix zu ihrem ’96er Meisterwerk ‘Everything Must Go’ zu werten ist, so fulminant klingen die wuchtigen E-Gitarren und so himmlisch schön sind die vielen Streicher geraten. „Als würden Van Halen mit den Supremes im Studio Unfug treiben, oder?“

Gute Frage, Nicky Wire. Und sowieso Zeit für Klartext. Es gibt schließlich „immer noch Dinge, die mir gegen den Strich gehen. Ihr Presseleute wollt alles in Kategorien packen und möglichst pauschale Urteile fällen. Sich als Musiker dagegen zu wehren ist sinnlos, also bitte: Die neuen Songs fühlen sich für mich an, als würde Heavy Metal auf Motown treffen – zufrieden?“ Das anschließende Lachen der beiden beruhigt und zeigt, dass die Manic Street Preachers anno 2010 wieder ganz sie selbst sind. Vergessen die unnötigen Eitelkeiten Anfang des letzten Jahrzehnts und die miesen Kritiken, die einige ihrer damals veröffentlichten Alben einheimsten. All das interessiert die Band nicht mehr - was jetzt zählt, sind allein die Songs.

Fast beneidenswert bleibt indes, wie harmonisch Bradfield und Wire miteinander umgehen und auch ihr neues Studiowerk ‘Postcards From A Young Man’ steht dem in nichts nach: Als Heavy-Metal-Motown-Act haben sich die Manics neu erfunden - und das allein auf Grundlage alter Tugenden.

Text: Marcus Willfroth Foto: Erik Weiss
Heimat: manicstreetpreachers.com


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