- Text: Christine Stiller
- Fotograf: Hayley Weir
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Klaxons
Mehr Drama/nur kein Drama
Ein falsches Wort, und schon sitzt man in der Gossipfalle. Laut Internet-Gerüchten im Vorfeld der neuen Veröffentlichung habe das Plattenlabel einen ersten Albumentwurf der Kapelle abgelehnt und auf mehr Pop im Klaxons-Sound bestanden. Alles Quatsch mit diesem negativen Klatsch, sagen die vier, obwohl sie an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig waren. Doch ab heute ist da nur noch Licht an ihrem Dance-Prog-Himmel...
Im Zuge ihrer zweiten Veröffentlichung ‘Surfing The Void‘ wollen sich Sänger Jamie Reynolds und Keyboarder James Righton nur auf die hellen und positiven Seiten ihres Musikerlebens konzentrieren. Mit Dunkelheit hatte das Erfolgsdebüt ‘Myths Of The Near Future‘ aus dem Jahr 2007 jedoch auch nicht viel zu tun. Im Gegenteil. Als Aushängeschild des New-Rave, ein vornehmlich vom britischen Musikmagazin NME geprägter Begriff, wurden bei Klaxons-Konzerten sogar Leuchtstäbe und Neon-Tracht kurzzeitig salonfähig – zumindest bei dem Teil des Publikums, dessen abendlicher Pillenkonsum den Jahresbedarf eines ganzen Altenheims überstiegen haben muss. Damit ist jetzt aber Schluss. Normale Farben, normale Frisuren und ein Album, das im Vorfeld der Veröffentlichung für irreführende Meldungen sorgte.
Angeblich sei der Sound, den die vier ursprünglich mit dem neuen Material zusamengefrickelt hatten, der Plattenfirma „zu experimentell“ gewesen und musste daraufhin mit ordentlich Pop-Politur überarbeitet werden. Doch traut man den Worten und der plötzlichen Strenge im Tonfall von James und Jamie, ist ihnen dieser künstlerische Alptraum erspart geblieben. Es habe keinen Kompromiss gegeben. Und auch keinen ersten Albumentwurf, der vom Label abgelehnt wurde. Ein Jahr lang hätten die Freunde klanglich ein wenig herum experimentiert, um dann aber zurückzukehren und gezielt eine zweite Pop-Platte aufzunehmen. Doch bei genauerem Nachdenken bemerkt Sänger Jamie plötzlich, wo SEIN Fehler und der Anfang aller Negativschlagzeilen gelegen haben muss. “Okay, okay, ich habe das Wort ’abgelehnt’ gegenüber einem Journalisten vom NME verwendet. Aber ich dachte, der übertrieben weinerliche Tonfall, den ich beim Satz ’Unser Album wurde abgelehnt!’ angeschlagen hatte, hätte den Sarkasmus deutlich gemacht.”
Tja, beim englischen Musik-Boulevardmagazin bleiben genau in der Sarkasmus-Sekunde eben gerne mal die Ohren verschlossen. Doch tatsächlich hätte das Label beim Hören der neuen Songs wirklich noch weit strenger sein müssen, hätten sie auf ein Pop-Hit-Album ähnlich des Debüts bestanden. Bis auf die recht eingängigen Singles ‘Echoes‘ und ‘Twin Flames‘ ist der Rest der Platte deutlich experimenteller und, ja, anstrengender als das ziemlich massenkompatible ‘Myths Of The Near Future‘ geworden. Und das war bei dieser Kapelle irgendwie zu erwarten. Mehr Aggressivität, mehr Drama, mehr Bewusstseinsspaltung durch allerlei surreale Sounds als zugänglicher Elektro-Pop, der sich auch für die (noch) nüchternen Abendstunden in der Indie-Disko geeignet hatte.
Für die Band bedeutet die neue Platte einen Schritt voran. Wer geschmacklich nicht mehr in einer Clubecke des Jahres 2008 festhängt, ist herzlich eingeladen, mitzugehen – auch wenn’s am Anfang wahrscheinlich noch weh tut.
Text: Christine Stiller Foto: Hayley Weir
Heimat: klaxons.net
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