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Bild: Hurts

Hurts
Freude am Drama


Wenn Theo Hutchcraft und Adam Anderson auf der Bühne stehen und ihre Synthie-Pop-Hymnen in die Dunkelheit hinein klingen lassen, machen sie dabei sehr ernste Gesichter. Es ist, als hätten sie vorher eine Wette abgeschlossen, wer es länger schafft, keine Miene zu verziehen. „Scheinbar denkt alle Welt, wir wären melancholisch oder gar depressiv“, wundert sich Hutchcraft. Aber warum überrascht ihn das? Seine Band nennt sich Hurts, viele seiner Songs handeln von den Qualen der Liebe, und sein Debütalbum wurde in einem Kellerraum ohne Fenster in Manchester aufgenommen. Neun Monate lang. Mehr Düsterkeit geht kaum.

Ganz davon abgesehen, dass die beiden jungen Männer kleidungstechnisch nicht gerade den Eindruck erwecken, als würden sie nebenbei als Club-Animateure arbeiten. Vielmehr sehen sie aus, als hätten sie sich aus einem Arthouse-Film der Dreißigerjahre versehentlich in die Zukunft verlaufen. Doch von Melancholie ist im Gespräch mit Hutchcraft und Anderson nichts zu spüren. Im Gegenteil: Hutchcraft zieht auf der Suche nach einem neuen Hobby sogar in Erwägung, die fröhliche Kunst des Jonglierens zu erlernen. „Wer weiß, vielleicht lasse ich mir dazu noch Dreadlocks wachsen“, schäkert der blasse Typ mit der traurigen Gesangsstimme.

Zufälligerweise heißt die erste Platte von Hurts ‘Happiness‘. Die Grundidee zum Album lieferte ein Urlaub im Italo-Disco-Land Italien, in dem auch der „Disco Lento“ wohnt. „Disco Lento“ heißt auf Englisch „Slow Disco“, und den fanden Hutchcraft und Anderson so gut, dass sie ihn als Souvenir mit ins graue Manchester nahmen und in ihren Songs verarbeiteten. Ein weiterer Gast beim Songwriting: der ‘Twin Peaks‘-Soundtrack, den sie mehrere hundert Male angehört haben. „Es ist inspirierend, wie David Lynch ganz normale Dinge in höchst seltsamen Umgebungen passieren lässt“, sagt Hutchcraft.

So gesehen sind bei Hurts die normalen Dinge Andersons Synthesizer, die kühle Achtzigerjahre-Oberfläche der Songs und deutlich hörbare Referenzen an Tears For Fears oder die Pet Shop Boys. Die seltsame Umgebung: zwei Typen, die ihre Hemden in einem Laden „für Priester und alte Männer“ kaufen, wie Hutchcraft erzählt, und deren Stücke unter ihrer glatt gebügelten Fassade eine schamlos zelebrierte melodramatische Tiefe besitzen, die Textzeilen wie „Never give up, it’s such a wonderful life“ erlaubt, ohne dabei affig zu wirken.

So sehr Hurts wie ein von vorn bis hinten durchgeplantes Gesamtkunstwerk wirken mögen, so zufällig ist manches davon eigentlich passiert. Es fängt schon damit an, wie Hutchcraft und Anderson sich vor einem Nachtclub in Manchester kennengelernt haben: „Adams und meine Freunde fingen eine Schlägerei miteinander an“, erzählt Hutchcraft. „Während wir daneben standen, haben wir uns unterhalten, auch über Musik.“ Der einzige gemeinsame Nenner an jenem Abend war Prince – komischerweise war die erste Konsequenz daraus, eine Post-Punk-Band zu gründen. Dann kam Hurts.

Eng sitzende Anzüge, akkurat geschnittene Schwarz-Weiß-Film-Frisuren: Man kann Hutchraft und Anderson ein ästhetisches Konzept unterstellen. Sie selbst erzählen dazu aber eine andere Geschichte. Jene handelt von zwei Typen aus der Arbeiterklasse, die sich den letzten Funken Würde bewahren wollten: „Wir mussten zum Arbeitsamt und dort erklären, warum wir keine Jobs haben“, erzählt Hutchcraft. „Sehr erniedrigend. Also haben wir uns wenigstens schicke Klamotten angezogen.“ Drama und Spaß liegen manchmal eben doch ziemlich nah beieinander.

Text: Silvia Weber Foto: Sebastian Gabsch
Heimat: informationhurts.com


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Info OMD/Hurts
Alles neu machen die Achtziger
In Zeiten, wo jeder das Neunziger-Revival herbeisehnt und es nur noch eine Frage der Zeit scheint, bis wir alle wieder Pash-Hosen tragen, bedienen sich die Hurts beim diskreten Charme der Achtziger. Als neulich mit OMD einer der Protagonisten des Synthie-Pop sein Comeback-Album 'History Of Modern' vorstellte, lag nichts näher, als die netten Onkel des New-Wave nach ihrer Meinung zu Hurts zu befragen. Frontmann Andy McCluskey antwortete prompt: „Als ich die Band das erste Mal in der Zeitung sah, dachte ich: Die sehen aus wie wir vor 30 Jahren. dieselben Klamotten, identische Frisuren. Zudem gefällt mir ihr unterkühlter, aber sehr flächiger Sound. Es beruhigt, dass so junge Musiker keine Angst vor großem Pop haben. Die Hurts sind talentiert und sollten sich von irgendwelchen Vergleichen nicht beirren. Das läuft ja immer so, und ein Newcomer muss sich schnell davon freimachen –wie wir damals in den Achtzigern.“


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