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Bild: Grinderman
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  • Fotograf: Deidre O’Callaghan
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Grinderman
Schrecken und Ehrfurcht


Grinderman, der kleine wilde Bruder der Bad Seeds, meldet sich mit seinem zweiten Album zurück. Roh, spontan, böse… Den beiden Botschaftern des Quartetts, Nick Cave und Warren Ellis, fallen dazu in Berlin noch wesentlich mehr Adjektive ein.

Nick, du hast in den Achtzigern einige Jahre in Berlin gelebt. Hast du noch Freunde hier?
Nick Cave: Sicher. Wenn wir hier ein Konzert geben, sehe ich sie auch alle, aber bei solchen Presse-Terminen komme ich einfach nicht dazu. Nicht bei diesen Rein- und Raus-Missionen - oder wie sagt man noch gleich dazu?
Warren Ellis: Reconnaissance-Mission? Nein, das sind ja eher diese Aufklärungsmissionen, wenn du losgeschickt wirst, um die Lage zu peilen und danach Bericht zu erstatten (beide lachen). Hit and run! Das ist es! Wie ein überfallartiger Besuch. Oder vielleicht „Smash and Grab“? Nein. Wie heißt noch diese Militärtaktik, die die USA im Irakkrieg angewendet haben?
Nick Cave: „Shock and Awe“?
Warren Ellis: Genau, das ist es: „Schrecken und Ehrfurcht“. Shock and Awe – Berlin!

Trifft dieses Gefühl auch auf die Erfahrungen zu, die ihr bei der Arbeit am neuen Grinderman-Album gemacht habt?
Nick Cave: Das darfst du beantworten, Warren.
Warren Ellis: Nun… ähm…
Nick Cave: Und hier noch eine kleine Anregung: Fasse dich kurz! (beide lachen) Versuche es unter 30 Sekunden zu halten. Hier, siehst du, wie unsere Beziehung funktioniert? Ich schicke jemanden los und fange ihn zugleich auch schon wieder ein. Nach diesem ganzen Hin und Her ist er jetzt nur noch ein plapperndes Nervenbündel (beide lachen). Aber egal: Gib dein Bestes!
Warren Ellis: Nun, ich würde sagen, die Erfahrung war ebenso aufregend wie beim ersten Mal. Es war gewiss keine Enttäuschung für uns.
Nick Cave: Na ja, es war schon etwas mehr als das.
Warren Ellis: Moment mal! Du warst doch derjenige, der meinte, dass ich mich zurücknehmen soll.
Nick Cave: Warren und ich sind wirklich von diesem Album begeistert. Ich denke, dass es uns gelungen ist, Grinderman auf eine neue Ebene zu bringen. Das neue Album ist noch böser als das erste.
Warren Ellis: Es ist wilder und in vielerlei Hinsicht extremer. Klanglich anders, ungewöhnlich.
Nick Cave: Danke Warren, zehn Adjektive genügen vermutlich. Es gibt bestimmt ein Adjektiv, dass das alles gut zusammenfasst. Wie wäre es mit „cool“?

Oder surreal? Die Geschichten deiner neuen Songs sind teilweise ziemlich konfus…
Nick Cave: Ich habe sehr viel Text um einige dieser Songs herum geschrieben und dieses Material stetig überarbeitet und gekürzt. Das ist wie bei einem Film, bei dem du immer wieder die Schere ansetzt. Am Ende nimmst du dir ein paar Schnipsel, die du zusammenfügst und als Song präsentierst. Dadurch entsteht eine ausgesprochen traumhafte, abstrakte Atmosphäre. Das hält den Hörer davon ab, permanent der Geschichte des Songs folgen zu wollen, weil es gar keinen linearen Erzählstrang gibt. Du beginnst die Worte, die eng mit der Musik verbunden sind, auf eine andere Art und Weise wahrzunehmen. Und das ist bei den Bad Seeds meistens anders. Da folgst du häufig der Erzählung, die von der Stimme vorgetragen wird. Bei Grinderman ist der Gesang dagegen wesentlich stärker in der Musik verankert, weil der Erzählstrang viel zerhackter ist. Insgesamt hat das Album eine sehr starke, wuchtige Atmosphäre mit all diesen unterschiedlichen Bildern, die auftauchen und wieder verschwinden. Es geht um die Spannung, die zwischen Dingen wie Gut und Böse liegt, um die Gegenwart und Abwesenheit von Gott oder der Liebe. Das gefällt mir.

Text: Michael Tschernek
Foto: Deidre O’Callaghan
Heimat: grinderman.com


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