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Bild: Fotos
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Fotos
Aus der Leere des Raumes


Die Gitarren dröhnen, der Bass wummert stumpf, der Gesang wühlt sich durch Soundschichten wie ein Löwenzahn durch den Asphalt. My Bloody Valentine haben aber gar kein neues Album aufgenommen – sondern Fotos ihr neues Werk ’Porzellan’.

„Wenn man als deutsche Band einen internationalen Trend trifft, heißt das noch lange nicht, dass das auch jemand versteht oder gut findet. Den meisten Leuten, die hauptsächlich britische Musik hören, ist eine Band wie Fotos doch prinzipiell egal.“ Fotos-Frontmann Tom Hessler haut zwischen Kippe und Tee gerne ein paar Wahrheiten raus. Über sich, über andere und über das neue Album seiner Band. Selbiges hört auf den irreführenden Namen ’Porzellan’ und klingt tatsächlich wie ein Dokument des brodelnden Indie-Zeitgeistes: Matschige Shoegaze-Drones treffen auf hallende Drums und werden von Hesslers Surf-Pop Melodien umgarnt. Da freut sich die Indie-Disko.

Was auf den ersten Blick kühl durchkalkuliert wirkt, ist allerdings das Ergebnis einer handfesten Krise mit dem Traumberuf Musiker. Leidende Künstler hin oder her – irgendwann haut es einen wohl um, wenn man in zwei Jahren zwei Alben aufnimmt und zweimal um die Welt fährt. „Zuletzt stand ich in Mexiko, wo uns das Goethe-Institut hingeschickt hatte, am Flughafen, hatte seit zwei Wochen kein festes Essen mehr bei mir behalten und mir ging es nur noch mies. Die Perspektive, nach Hause zu fahren, neue Songs zu schreiben und ins Studio zu hetzen, war da eher bedrohlich als schön“, berichtet Tom. Und dann tiltet eine Band halt – wie ein verklemmter Flipper.

In Tom Hesslers Fotoalbum ist diese Zeit sicher weniger intensiv dokumentiert: „Das war die amtliche Krise: Meine Beziehung war über die Musik zerbrochen, ich fand Musik aber gerade scheiße und komme völlig fertig von einer absurden Auslandsreise zurück in eine Stadt, in der ich niemanden mehr richtig kenne.“

Erst als Fotos die angestauten Emotionen in Musik kanalisieren können, lockert sich die Flipperkugel wieder. Manchmal ist draufhauen das beste Mittel. „In dieser Zeit sind die radikalsten Songs des Albums entstanden. Es hat einfach Spaß gemacht, ein Lied mit vier Minuten Gitarrengekreische vollzukleistern. Da war uns klar: ‘Wir machen jetzt einfach ein düsteres Album voll mit mieser Laune und Morbidität in den Texten und Leere in der Musik. Ab dem Punkt bin ich sehr aufgeblüht“, beschreibt Tom seinen musikalischen Heilungsprozess.

Stilecht schließt sich die Band Anfang des Jahres in einem Betonklotz in Hamburg ein, um ihre miese Laune aufzunehmen. Sie füllt damit einen riesigen Raum – und hat Spaß. ’Porzellan’ ist der Kampf gegen die Leere anzuhören, Tom Hessler der Spaß an der Musik: „Ich bin noch nie so zufrieden mit meiner Berufswahl gewesen wie im Moment – auch wenn mal wieder alle pleite sind.“

Text: Timo Richard Heimat: fotosmusik.de


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Goethe Institut

Das Goethe-Institut ist quasi die weltweite Krake der deutschen Kultur. Als Hauptziele des in München ansässigen Vereins gelten die Vermittlung der deutschen Sprache, Kultur und eines „umfassenden, aktuellen Deutschlandbildes“. Deshalb schickt man in Goethes Name gerne mal Bands wie Fotos durch die Welt.


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