- Text: Ben Foitzik
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Disturbed
Entdecke den Motherfucker in dir
Raus aus der Höhle, einem Weibchen den Knüppel über die Rübe ziehen, rein in die Höhle, begatten, raus aus der Höhle, Biest jagen und töten, rein in die Höhle, Biest verzehren. Und dabei den perfekten Soundtrack zum Höhlendasein auf dem iPod hören: ‘Asylum‘, das neue Album von Disturbed.
Irgendwie kann man das Chicagoer Tetra-Pack um Fronter David Draiman und sein immer gleiches Dicke-Eier-Brunftgekeife ja schon länger nicht mehr wirklich ernst nehmen – zu monoton, simpel und abgeschmackt hat sich ihr Sound auf den letzten Alben erwiesen und zu sehr haben sie stets dem Klischee der hohlen Ami-Metal-Combo entsprochen.
Umso erstaunlicher, dass die musizierende Maurerkolonne nun mit ‘Asylum‘ ein Album vorlegt, das trotz des bewährten Staccato-Riffings und Draimans „uargh-uargh“-Salven mächtig Laune macht. „Für uns ist das unser bislang stärkstes Album“, haut der Shouter mal ein Statement raus, das man vorher noch nie gehört hat. „Unsere Musik soll dir ein Gefühl von Macht verleihen, wir wollen den Menschen damit einen Soundtrack geben, mit dem sie die harten Zeiten in ihrem Leben überstehen können. Dieses Album ist ein Motherfucker – von vorne bis hinten.“ Erstaunlicherweise ist das Teil nicht nur klanglich, sondern auch inhaltlich ein kleiner Motherfucker: Neben klassischen Testosteron-Hymnen wie ‘Warrior‘ oder ‘The Animal‘ singt Draiman auch über korrupte Anwälte, Depressionen, globale Erwärmung oder den Holocaust. Und wenn er dann die Geschichte erzählt, wie seine Großeltern durch Glück die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen überlebten, und sich dabei ein kleines Tränchen im Augenwinkel bildet, dann hat man irgendwie das Gefühl, dieser Band Unrecht getan zu haben. „Dieser Song ist an Leute wie Ahmadinedschad gerichtet, die tatsächlich behaupten, der Holocaust wäre nie passiert. Meine Großmutter hat immer noch die KZ-Tätowierung am Arm! Und es ist ja auch nicht so, dass es seither keine anderen Völkermorde gegeben hätte: Ob Armenien, Serbien, Darfur oder Uganda – wir haben unsere Lektion einfach nicht gelernt“, zetert er.
Hier nun also gleich der interne Widerruf: Disturbed sind keine hohlen Höhlenmenschen, die rohes Fleisch essen und grunzend um ein Lagerfeuer tanzen. Auch wenn sich ihr stilisierter Macho-Sound natürlich noch immer perfekt dafür eignen würde. Stattdessen beweisen sie auf ihrem fünften Klopper ‘Asylum‘, dass sie nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich gereift sind – wer hätte denn schon erwartet, dass sich die Jungs aktiv für den Umweltschutz engagieren und beispielsweise ihre Konzertproduktionen klimatechnisch optimieren? Macht doch gleich viel sympathischer, so was.
Text: Ben Foitzik Heimat: disturbed1.com
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