- Text: Flo Hayler
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Auf der Couch mit
The Thermals
So ist das, wenn der Erfolg erst einmal da ist: Einstige Freunde werden zu Neidern, flüchtige Bekanntschaften ernennen sich selbst zu engsten Vertrauten und twittern ihr „Insiderwissen“ quer durch sämtliche Blogs.
Fans campen vor der per Street View leicht zu identifizierenden Haustür und statt der einstigen Aftershow-Party geht’s nach dem Konzert mit einer Paparazzi- und Polizei-Eskorte in den abgeriegelten Hotelbunker. Da hängt man doch lieber tot überm Zaun, als das isolierte Leben eines Rockstars zu führen! Bei den Thermals aus Portland bewegt sich alles noch in überschaubaren Bahnen, wie Bassistin Kathy Foster glaubt. Inspiriert vom Titel des neuen The Thermals-Albums „Personal Life“ plauderten wir mit der 35-jährigen Frohnatur über die Vor- und die Nachteile ihres Lebens als „öffentliche Person“.
Kathy, gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen „Kathy, der Thermals-Bassistin“ und der „Kathy, die morgens noch halb verpennt ihre Milch einkauft“.
Eigentlich nicht. Wir drei sind in der Band im Grunde die gleichen Personen wie zu Hause auch. Wir verkleiden uns auch nicht, wenn wir im Laden an der Ecke Milch holen gehen - weil wir es gar nicht müssen. Portland ist so klein, da kennt jeder jeden, und auch wenn man manchmal um ein Autogramm gebeten wird, hält sich der Rummel um uns weitestgehend in Grenzen.
Umgibt man sich in einer Tourpause lieber mit anderen Leuten als mit den Bandkollegen? Braucht man da anderen sozialen Input als immer die gleichen Visagen?
Natürlich ist es schön, nach langen Wochen der Abwesenheit wieder mit der Familie und Freunden abzuhängen, aber wir drei in der Band stehen uns wirklich sehr nahe. Unser Sänger Hutch und ich waren vor der Bandgründung drei Jahre lang ein Paar, und selbst nach der Trennung hat es noch manchmal gefunkt zwischen uns. Ich glaube, uns verbindet eine wirklich einzigartige Freundschaft, die natürlich auch manchmal anstrengend ist, uns beiden aber eine Menge bedeutet.
Wie ist das, wenn du heute neue Leute triffst? Bist du manchmal skeptisch, ob die wirkliches Interesse an dir haben oder nur für einen Moment in dein Rampenlicht rücken wollen?
Nicht wirklich. Ich meine, wenn man sich mit einer Person gut versteht, dann sollte man sämtliche Hintergedanken ausblenden und sich einfach treiben lassen. Ich glaube, ich habe in den letzten fünf Monaten mehr Freunde gefunden als in den letzten zehn Jahren. Unser Erfolg und die damit einher gehenden Kontakte sind ja auch eine Chance, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und über das Geschäftliche hinaus ein Verhältnis zu entwickeln. Das kann auch gerne in einer Freundschaft enden.
Aber hast du manchmal das Gefühl, dass von allen Ecken und Enden an deinen Ärmeln gezupft wird? Dass jeder etwas von dir verlangt, erwartet, einfordert?
Das einzige, was sich spürbar verändert hat, ist die Größe der Clubs, die wir spielen. Und natürlich steigt mit der Anzahl der Fans auch die Erwartungshaltung an dich, an die Performance, an die nächste Platte. Und ich muss zugeben, dass es mir manchmal schwer fällt, mich nach einem Konzert um alle so zu kümmern, wie das früher möglich war. Damals waren die Bühnen ebenerdig und das Publikum bestand fast ausschließlich aus Bekannten, heute haben wir Fans; Leute, die Geld dafür bezahlen, uns zu sehen. Da kann man nicht so ohne weiteres durchs Publikum latschen und jedem die Hand schütteln. Dennoch hoffe ich, dass sich die Leute in meiner Gegenwart wohl und gut aufgehoben fühlen, und nicht den Eindruck bekommen, ich sei diese scheue, unzugängliche Person.
Text: Flo Hayler,
Heimat: thethermals.com
Auch gut: „Personal Life“ - das neue Album der Thermals
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