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Bild: Auf der Couch mit
  • Text: Flo Hayler
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Auf der Couch mit
Carl Barat


Carl Barât feierte zwar kürzlich die finanziell stattlich gepolsterte Live-Reunion seiner Band The Libertines, mit seinen Gedanken ist der 32-Jährige aber definitiv ganz bei sich: Nach erfolgreich absolvierter Pflicht – der Veröffentlichung seines ersten Soloalbums – erwartet den sprachlich nur schwer dechiffrierbaren likely Lad im Dezember die Kür: die Geburt seines Sohnes. Wir trafen den entspannten Barât auf einen Kaffee und hakten mal nach, wie das so ist, als frisch gebackener Solokünstler.

Carl, in wie weit hat das Musikerleben deinen Charakter geprägt?
Schwer zu sagen, ich habe ja nur dieses eine Leben und deshalb keine Möglichkeit, mich mit einem bandlosen Carl Barât zu vergleichen. Aber ich denke schon, dass die Erfahrungen als Bandmitglied meinen Charakter geformt haben. Ich glaube, einige soziale und zwischenmenschliche Extremsituationen wären mir im „normalen“ Leben zwar erspart geblieben, aber missen möchte ich sie trotzdem nicht. Schließlich konnte ich daraus lernen.
Was wären denn deine berufliche Alternativen zum Musikerdasein gewesen?
Ich wollte eigentlich immer Schauspieler werden, aber dazu fehlte mir das Selbstvertrauen. Ich habe einige Zeit als Buchhalter bei der BBC gearbeitet, und das war schlimmer als meine härteste Zeit in den Libertines. Professioneller Drogendealer wäre auch eine Option gewesen. Meine Mutter war ein Hippie und hatte entsprechend viel Gras im Haus. Das machte mich mit 14 zum King auf dem Schulhof.
Was sind die Vor- und die Nachteile als Solokünstler?
Ein Nachteil und Vorteil zugleich ist, dass man sich nicht mehr hinter den anderen verstecken kann, sondern sich alleine der Verantwortung stellen muss. Freiheit bedeutet also auch immer alleinige Verantwortung. Ein definitiver Vorteil des Sololebens besteht darin, dass man sich nicht mehr mit den Egos und Charakterschwächen der anderen auseinandersetzen muss. Man kann sein Ding so durchziehen, wie man möchte – ohne Kompromisse.

Was für Kompromisse sind das?
Wenn du vier Songwriter in der Band hast, dann ist das Konzept der Demokratie komplett ausgehebelt. Es geht dann nur noch um die eigenen Egos. Schlimmer als aus der Kontrolle geratene Egoisten ist nur noch die Debatte um Tantiemen oder Songwriting-Credits. Gefeilsche ums Geld zerstört jede Freundschaft, auch die von Bandmitgliedern.

Was für ein Typ bist du dabei: Einer, der sein Ego und seinen Anspruch durchsetzt oder jemand, der auch mal zurücksteckt?
Ich glaube, ich habe ein gesundes Ego entwickelt, das mich davor beschützt, abgezogen zu werden. Aber ich bin generell auch ein ziemlich fauler Typ, der gerne den anderen die Arbeit und das Schlachtfeld überlässt - dafür aber auch mal den Kürzeren zieht.

Welche deiner Charaktereigenschaften wünschst du deinem Sohn?
Ich habe ein ambivalentes Gefühl in Bezug auf die Geburt meines Sohnes. Einerseits möchte ich ihn nicht von meinem Berufs-, also Musikerleben abkoppeln, auf der anderen Seite hoffe ich, vermeiden zu können, dass er mit einem Haufen Leute konfrontiert wird, die ihren Kopf in einem Eimer Koks vergraben. Ich denke, ich werde versuchen, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen und ihn zu einer eigenständigen, denkenden und seine Meinung äußernden Person zu erziehen. Mit ein bisschen Glück wird er so nicht zu dem Acid klinkenden Freak, wie sein Vater einer war.

Text: Flo Hayler, Foto: Erik Weiss
Heimat: myspace.com/carlbarat
Auch gut: “Carl Barât” – das neue Album von Carl Barât


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