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Bild: Auf der Couch mit
  • Text: Frank Thießies
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Auf der Couch mit
Lemmy (MOTÖRHEAD)


Auch wenn er mit Baujahr 1945 immer noch ein Jahr von der durch Udo Jürgens magisch definierten Altersgrenze entfernt ist, kann Lemmy Kilmister sich in Sachen Sex, Drogen und Rock’n’Roll bislang nicht beklagen.

Dass der Motörhead-Kopf jedoch nicht nur Wein, Weib und Gesang im selbigen hat, sondern sich als belesener Bücherwurm auch mit den weniger essenziellen Dingen des Lebens auseinandersetzt, zeigt unser kleines Couch-Gespräch über Geschichte(n), Global Warming und Glaubensfragen.

Lemmy, welche Bücher haben dich bislang am meisten beeindruckt?
Jeder weiß ja, dass mein Hobby der Zweite Weltkrieg ist. Es gibt da ein paar Bücher von einem britischen Autor namens Len Deighton, die ich großartig finde. Eines seiner Bücher, „Winter“ („In Treu und Glauben“), ist wirklich hervorragend. Es geht um eine Berliner Familie von Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Es ist die Chronik zweier Brüder, der eine landet bei der SS und der andere in Amerika und kämpft auf Seite der Alliierten. Ich bin auch ein großer Fan von „Herr Der Ringe“, sowohl vom Buch als auch dem Film. Eine super Geschichte. Es gibt ja viele Theorien darüber, dass Mordor allegorisch für Deutschland oder Russland in den Dreißigern steht. Vielleicht sogar für beides.

Was fasziniert dich an Bildung durch Bücher?
Alles, was man dazulernt, ist hilfreich. Es gibt kein unnützes Wissen, alles Wissen ist tatsächlich Macht. Ich bin dabei aber nicht auf der Suche nach einem höheren Bewusstseinszustand, sondern es interessiert mich einfach. Ich versuche durch mein Leben zu kommen, ohne dass mir ein Piano auf den Kopf fällt, das reicht mir. Das heißt aber nicht, dass man sich nicht stetig und täglich weiterbilden kann und versuchen sollte, ein besserer Mensch dadurch zu werden.

Das klingt ja fast nach einer esoterischen Einstellung...
Wenn ich mir mein Leben angucke, dann bin ich wahrscheinlich sogar ein guter Christ - aber den Aufkleber des Vereins würde ich mir nicht ans Auto pappen. Die meisten denken den Religionsansatz einfach nicht konsequent bis zum Ende durch. Sie stürzen sich auf die Sachen, die sie ansprechen, und leben dann danach. Überhaupt, was ich nicht kapiere ist folgendes: Jede Religion behauptet, dass du in die Hölle kommst, wenn du nicht an sie glaubst. Wie groß ist bei so vielen Religionen, die wir haben, dann bitte die Hölle? Das ist verdammt viel Platz, den man dann für die ganzen Leute braucht.

In manchen deiner Songs beschreibst du schon die Welt als die Hölle auf Erden...
Die Menschheit ist die wahre Krankheit dieses Planeten. Und irgendwann wird er sich von ihr befreien. „Rettet den Planeten“ - das ist totaler Schwachsinn! Der Planet Erde würde super ohne uns klar kommen. Global Warming richtet nicht die Erde zugrunde, sondern nur uns Menschen. Vor 200 Jahren gab es in London auf der Themse noch Jahrmärkte im Winter. Der Fluss war derart eingefroren, dass du dort Riesenräder, Zirkuszelte und hunderte von Leuten drauf setzen konntest. Das heißt doch wohl, dass die Erderwärmung schon mindestens seit 200 Jahren im Gange ist. Die Klimaveränderung ist Teil der Erdgeschichte von Anbeginn - nur wir Menschen schenken dem erst seit kurzem Beachtung.

Wie würdest du deine Lebenseinstellung in ein paar Sätzen zusammenfassen?
Wir müssen alle unsere eigenen Fehler machen und aus unseren eigenen Fehlern lernen. Man lernt nie etwas von den früheren Generationen. Würden wir das machen, dann gäbe es schon lange keine Kriege mehr. Und die einzige Lebenseinstellung, die ich empfehlen kann, ist: Behandele andere Menschen stets, wie du gerne selbst behandelt werden möchtest. So einfach ist das.


Auch gut: “The Wörld Is Yours” – das neue Album von Motörhead


Heimat: imotorhead.com




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