- Text: Michael Haacken
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Was hören eigentlich...
Gang Of Four?
In den Nullerjahren war es für aufstrebende Indie-Bands mächtig cool, sich auf Gang Of Four zu berufen. Jetzt haben die Post-Punk-Heroen nach ewiger Abstinenz höchstpersönlich wieder ein Album gemacht, um ihr Revier zu markieren und die Rente aufzubessern. Andy Gill lässt vorher noch schnell die persönliche Palette Revue passieren.
Weißt du noch, was der erste Song war, der dich dazu brachte, selbst eine Band zu gründen?
Es fällt mir schwer, mich da auf einen einzelnen festzulegen. Ich nehme aber „Riot In Cell Block No. 9“ von Dr. Feelgood. Von allen Bands, die ich live gesehen habe, hatten gerade Dr. Feelgood einen maßgeblichen Einfluss auf mich. Sie waren anders als alles andere damals; sie waren so minimalistisch und mechanistisch. Das genaue Gegenteil dieses ganzen Hippie/Grateful Dead-Krams von vorher. Sie waren viel angriffslustiger und stilistisch auch wesentlich weiter vorne.
Wenn es schon Hippie-Kram sein muss, welchen Song legt man da am ehesten auf?
Oh, da gibt es einiges. „Dark Star“ von Grateful Dead ist ein fantastischer Song. Oder auch „Astral Weeks“ von Van Morrison. An Van Morrison muss man sich natürlich auch erst einmal gewöhnen, aber alle guten Dinge im Leben sind eben Geschmackssache. „Astral Weeks“ ist eine Platte, die diesen ganzen typischen R’n’B-Themen entfleucht und dich an einen seltsamen Ort irgendwo in der Vergangenheit mitnimmt. Könnte Belfast sein, könnte auch der Wilde Westen sein. Zu dieser Musik könnte man gut eine lange Straße durch einen Wald entlangfahren. Bei Grateful Dead ginge das nicht. Da würde man die Kurven verpassen.
Zu welchem Song lernt man am besten tanzen?
Es gibt einen Reggae-Musiker namens I-Roy, und der hat mal eine Coverversion von Cat Stevens’ „The First Cut Is The Deepest“ aufgenommen. Der Song an sich ist schon klasse, aber I-Roys Version ist auch noch sexy und cool obendrein.
Mit welchem Song bringt man Leuten mit Musikgeschmack Reggae nah?
Als Teenager habe ich mal Bob Marley im Londoner Lyceum gesehen, pünktlich zur Aufnahme seines Livealbums. Das war wohl 1975 und „Soul Rebel“ hat mich umgehauen. Eine Wahnsinnsmelodie, ein Wahnsinnsgroove. Groove und Rhythmus sind seitdem das Wichtigste für mich.
Was wäre die beste Punkrock-Platte für den aktuellen Nachwuchs?
Ich habe letztes Jahr mit einer australischen Band gearbeitet, die mich da sehr inspiriert hat: I Heart Hiroshima. Sie haben eine Sängerin, die gleichzeitig Schlagzeug spielt. Die Songs sind richtig schön und ein bisschen punkig, aber am meisten Spaß macht es, eine Sängerin zu sehen, die nebenbei das Schlagzeug zusammenbolzt.
Zu welchem Song könnte man eine Revolution starten?
Oh, so was passiert nicht mit einem einzelnen Song. Aber wenn ich jetzt nicht gerade zu hochtrabend bin, würde ich sagen, dass ein Song wie „Ether“ schon deine Art zu denken beeinflussen könnte. Unser gesamtes Gang Of Four-Ouevre hat angeblich diese Eigenschaft. Unsere Musik kann einem zumindest dabei helfen, auf bestimmte Ideen zu kommen.
Welcher Song sollte in der letzten Radiosendung auf der Welt gespielt werden?
Das ist einfach: „These Boots Are Made For Walking“. Haha!
Heimat: gangoffour.co.uk
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