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Bild: Auf der Couch mit...
  • Text: Tim Kegler
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Auf der Couch mit...
Roger Miret


"Never trust a hardcore kid that has not listened to punk" - schlaue Zitate fürs Rock'n'Roll-Poesiealbum müssen nicht zwingend von toten Nobelpreisträgern stammen, auch als Sänger einer Hardcore-Band kann man da einiges beitragen. Roger Miret ist als vielbeschäftigter Sänger von Agnostic Front und seiner Zweitband, den Disasters, nicht nur der Silberrücken der gesamten NYHC-Szene, sondern erweist sich im Interview als reflektierter und sympathischer Gesprächspartner, besonders, wenn es um persönliche Themen geht.

Dieses Jahr jähren sich zum 10. Mal die Anschläge auf das World Trade Center in New York. Du hast lange dort gelebt, ist dieser Tag etwas Besonderes für dich?
In Hinsicht auf 9/11 eigentlich nicht. Natürlich ist es gut, vielen Menschen, die damals Angehörige verloren haben, eine Möglichkeit zum Gedenken zu geben. Der 11. September ist für mich aber in anderer Hinsicht ein wichtiger Tag. An diesem Tag ist vier Jahre vor den Anschlägen mein bester Freund Ray-Beez, der Sänger von Warzone, gestorben, und es ist wichtiger für mich, an diesem Tag an ihn zu denken.

Wenn du nicht Sänger in einer HC-Band wärst, was würdest du stattdessen tun?
Wahrscheinlich genau das, was ich jetzt auch tue. Ich bin Elektriker, ich liebe es, an Autos rumzuschrauben, am liebsten an meinem alten Chevy. Ich mag es einfach, mit meinen Händen zu arbeiten, damit kreativ zu sein. Das ist eigentlich das, was ich mache, wenn ich nicht bei Agnostic Front oder den Disasters singe.

Warst du schon als Kind eine Bühnenpersönlichkeit?
Ich war nie ein sehr lautes Kind, eher das Gegenteil. Ich war eigentlich sehr schüchtern und auch nicht sehr gesellig und habe mich nie so sehr in dem Mittelpunkt gestellt. Damit habe ich auch heute noch ein bisschen ein Problem. Dieses Rock-Star-Ding war nie wirklich meine Sache.

Wie sehr unterscheidet sich denn dein Auftreten auf der Bühne von deinem normalen Leben?
Ich weiß, dass ich ein sehr stiller Mensch bin. Ich denke, ich bin einfach eine ganz normale Person, wenn auch sehr zurückhaltend. Also gar nicht so verrückt und wild wie bei einem Konzert. Aber wenn ich da oben stehe, bin ich sehr aufgeregt. Ich mag das wirklich sehr gern. Da fühle ich dann sehr viel Energie und Spannung in mir, weil ich dort ganz viel Druck auf eine gute Art und Weise ablassen kann.

Du hast drei Kinder. Was ist für dich das Wichtigste, was du ihnen in ihrer Erziehung vermitteln willst?
Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, ihnen zu erklären, was du für richtig und falsch hältst. Und ihnen zu verstehen geben, dass sie ihr Leben auf ihre Weise leben können und dabei auch Fehler machen und Niederlagen einstecken dürfen, aber danach auch wieder aufstehen werden. Der letzte Song auf der neuen Disasters-Platte ist für meinen jüngsten Sohn und erklärt ziemlich genau, was ich meine.

Gab es einen Zeitpunkt, an dem du dich innerhalb der Hardcore-Szene alt gefühlt hast?
Ich fühle mich gar nicht so richtig alt. Natürlich kann ich mein Alter nicht verstecken, aber genau wie viele Leute bin ich mit dieser Art von Musik aufgewachsen und das ist nun mal meine Passion. Wenn du das, was du tust, wirklich liebst, dann fühlst du dich dabei nicht alt. Nur weil einige Leute sagen, dass Hardcore eine Sache der Jugend ist, stimmt das ja nicht. Und es ist ja nicht so, dass es einfach wäre, 20 oder 30 Jahre lang in einer Band Musik zu machen. Ich liebe es, Musik zu machen und damit will ich auch alt werden.

Du lebst jetzt in Arizona, hast aber lange in New York gelebt. Was ist jetzt für dich der größte Unterschied zu deinem neuen Wohnort?
New York ist nun mal New York, eine aufregende, interessante Großstadt. Ich vermisse ein bisschen das Essen dort und die Möglichkeit, dass alles rund um die Uhr erhältlich ist. Aber das New York, aus dem ich weggezogen bin, ist nicht mehr das, in dem ich groß geworden bin. Mein New York ist das, was man aus Filmen wie "Taxi Driver" kennt. Das New York von heute ist voll mit schicken Boutiquen und Modegeschäften. Das war für mich ein Grund, wegzuziehen. In Arizona ist es einfacher, meine Kinder großzuziehen. Miete und Lebenshaltungskosten sind einfach billiger. Ich habe ein eigenes Haus, meine Kids haben im Garten einen Pool. In New York wäre das gar nicht möglich, da würden wir in einem winzigen Appartement wohnen.


Heimat: thedisasters.com
Auch gut: “Gotta Get Up Now” – das neue Album von Roger Miret & The Disasters


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