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Text:
- Fotograf: Erik Weiss
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Was hört eigentlich ...
William Fitzsimmons
William Fitzsimmons wuchs als Kind blinder Eltern auf, arbeitete mit Schwerstbehinderten und durchlebte vor einiger Zeit eine harte Scheidung. Doch eines muss man ihm lassen: Egal wie viel Geröll ihm das Schicksal in den Weg schob, der amerikanische Singer/Songwriter verarbeitet all die Stolpersteine des Lebens in seinen wunderbaren Folk-Songs. Was läge nun also näher, als den ausgebildeten Psychotherapeuten mit dem latenten Hang zur Schwermut über dessen All-Time-Melancholie-Favoriten auszufragen? Eben drum.
Angenommen du bist deprimiert: Welchen Song dürfte man nicht spielen, da es dir sonst noch schlechter gehen würde?
Kennst du Patty Griffin? Den letzten Song auf ihrer ersten Platte – er heißt „Not Alone“. Es geht darum, etwas Persönliches oder gar einen Teil von sich selbst zu verlieren und die Art, wie sie es singt, ist einfach unbeschreiblich. Ich meine, auch wenn ich gute Laune hätte, würde ich weinen.
Und wenn Patty Griffin dich zum Weinen gebracht hat, welches Lied sollte man auflegen, damit es dir sofort besser geht?
Einer meiner Lieblingssongs im letzten Jahr war “Little Secrets” von Passion Pit. Man muss verdammt nochmal tanzen, wenn man diesen Song hört – das ist einfach unglaublich. Das ganze Album ist wunderbar.
Da wir gerade von Alben sprechen: Mit welcher Platte kann man Melancholie am authentischsten zelebrieren?
Ich denke, die wahrscheinlich beste Folk-Platte, die je aufgenommen wurde ist „Pink Moon“ von Nick Drake. Manche sagen er sei zu melancholisch, aber das Album verändert dein Leben. Es ist unglaublich. Und die ganze Platte ist nur 28 Minuten lang. 28 Minuten! Aber es fühlt sich an… du hörst die Platte bis zum Ende und diese Erfahrung ist dann einfach unbeschreiblich.
Mal abgesehen von Nick Drake, Wer schreibt deiner Meinung nach die traurigen, aber gleichzeitig schönsten Songs der Welt?
José González. Die meisten seiner Sachen sind sehr melancholisch – aber gleichzeitig wunderschön. Genauso ist es mit Aimee Mann und ihrem „Lost In Space“-Album. Es ist ein Meisterwerk, es ist brillant. Der beste melancholische Song ist doch der, mit dem man die Gefühlswelt des Sängers verbinden kann – man versteht zwar den Schmerz und das Leiden, doch man fühlt sich danach keineswegs beschissen. Fast so wie eine Therapie: Man kann über Dinge sprechen, die einen belasten, doch man kommt mit einem guten Gefühl aus der Sitzung.
Gibt es einen Song, der dich an deine Kindheit erinnert?
Als ich ein Kind war, legte meine Mutter ständig James Taylor-Platten auf. Ich habe den Song „Something In The Way She Moves“ geliebt. Ich kann mich daran erinnern, wie ich als kleiner Junge auf dem Fußboden spielte, meine Mutter das Album auflegte und mitsang. Es war wunderbar. Mit jeder James Taylor-Platte bin ich wieder zurück in dem kleinen Haus von damals.
Was hörst du am liebsten, wenn du dich vom Tourstress erholen möchtest?
Ich höre sehr viel von A Fine Frenzy, dem Mädchen mit den feuerroten Haaren. Sie ist gut – irgendwie sehr poppig, aber trotzdem gut. Sie ist eine hervorragende Songschreiberin und außerdem eine wunderbare Sängerin. Ihre letzte Platte „Bomb In A Birdcage“ ist phänomenal. Ich weiß, dass manche Menschen nur männliche Singer/Songwriter oder weibliche Pop-Sängerinnen bevorzugen. Ich denke, dass weibliche Sängerinnen sehr beruhigend wirken können.
Wenn du es dir aussuchen könntest: Welcher wäre der letzte Song, den du hören wollen würdest, bevor du stirbst?
Das ist eine sehr melancholische Frage. Ich denke, es wäre wahrscheinlich „Pink Moon“. Oder etwas total Gegenteiliges. So wie Händels „Joy To The World“ oder etwas in die Richtung. Entweder etwas wirklich Trauriges oder etwas wirklich Fröhliches. Ich denke, das würde davon abhängen, wie ich sterbe.
Text: Franziska Schuh
Heimat: williamfitzsimmons.com
Auch gut: "Gold In The Shadow" - das neue Album von William Fitzsimmons
Das Mixtape
Patty Griffin – Not Alone
Passion Pit – Little Secrets
Nick Drake – Pink Moon
Aimee Mann – Pavlov’s Bell
José González – Heartbeats
James Taylor – Something In The Way She Moves
A Fine Frenzy – Bird Of The Summer
Händel – Joy To The World
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