- Text: Christine Stiller
- Fotograf: Sunny Khalsa
-
Was hört eigentlich...
Moby
Moby ist ein Punkrocker. Zumindest im Herzen. Der gebürtige New Yorker hat seine Seele nicht komplett an Ambient und Dance-Musik verkauft, sondern kann auf einen abwechslungsreichen Soundtrack seines bisherigen Lebens zurückblicken, in dem schnelle Gitarren und simple Akkorde bis heute nicht zu kurz kommen.
Welche Musik erinnert dich an deine Kindheit?
ANZEIGE
Moby: "Déjà Vu" von Crosby, Stills, Nash & Young war eine Lieblingsplatte meiner Mutter. Das ist eines dieser Alben, die so nah dran sind, perfekt zu sein. Ich höre es nach wie vor sehr oft.
Kannst du sagen, welche Platte du in deinem Leben am meisten gehört hast?
Moby: Mal überlegen… Es klingt seltsam, aber das dürfte „Heaven Up Here“, das zweite Album von Echo & The Bunnymen sein. Eine ganz besondere Platte. Es gibt sicher Alben, die ich mehr mag, aber aus irgendeinem Grund ist das die Platte, auf die ich immer wieder zurückgreife.
Welche Kassette hast du ständig mit deinem Walkman gehört?
Moby: Ich bin in recht armen Verhältnissen aufgewachsen und konnte es mir nicht leisten, viele Platten zu kaufen. Mein Kumpel Dave ließ mich „Closer“ von Joy Division auf Kassette aufnehmen. Mit 15, 16 habe ich mir dann „Closer“ in Dauerschleife angehört, beim Laufen, Fahrradfahren, Hausaufgaben machen... Ich brauchte einen Soundtrack für mein Leben und das ging mit dem Walkman.
Dann ist das wohl auch die Musik, die dich durch die Pubertät gebracht hat...
Moby: Ja, Joy Division und The Clash zu gleichen Anteilen.
Erinnerst du dich an die erste CD, die du gekauft hast?
Moby: Ich werde jetzt eine ehrliche Antwort geben und bin sicher, viele Menschen finden sie peinlich: Es waren die „Greatest Hits“ von Duran Duran. Da war ich etwa 20. Als das erste Album der Band rauskam, hatte ich mich gerade der New-Romantic-Szene verschrieben: Duran Duran, Japan, Ultravox...
Was ist der beste Punkrock-Song aller Zeiten?
Moby: Ich würde sagen „Banned In D.C.“ von den Bad Brains. Das ist auf ihrer ersten Kassette „Bad Brains“. Ich stehe immer noch total auf Punkrock. Erst kürzlich habe ich mich wieder mit meiner Highschool-Band Vatican Commandos zusammengeschlossen. Das macht so viel Spaß. Ich habe die Jungs seit 1983 nicht getroffen. Als ich den Sänger das letzte Mal sah, hatte er einen blauen Iro und war auf LSD, jetzt ist er Hirnchirurg. Wir treffen uns aber nur selten, weil alle über das Land verstreut sind.
Hast du eine neue Lieblings-Punkrock-Band?
Moby: Die kanadische Band Fucked Up ist toll. Sie haben mich mal bei einer Show in New York auf die Bühne geholt, um Gitarre mit ihnen zu spielen, unter anderem ein Ramones- und Minor Threat-Cover.
Könntest du eine New York-Hymne wählen?
Moby: Es gibt so viele... Ich sage mal meine Top-Drei. Nummer Eins wäre „Rhapsody In Blue“ von George Gershwin. Nummer Zwei: „Walk On The Wild Side“ von Lou Reed. Nummer Drei: "New York Groove" in der Version von Ace Frehley.
Gibt es einen Song, den du selbst gern geschrieben hättest?
Moby: Etwa eine Million. Aber die Nummer Eins auf meiner Liste ist „Heroes“ von David Bowie – meiner Meinung nach der beste Rock/Pop-Song, der je geschrieben wurde. Ich war mal mit David Bowie auf Tour. In diesem Rahmen kam es dazu, dass David Bowie und ich allein in meinem Wohnzimmer saßen, ich spielte Akustikgitarre und er sang „Heroes“. Das war fantastisch.
Heimat: moby.com
Auch gut: "Destroyed" - das aktuelle Album von Moby
