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- Fotograf: Tim Klöcker
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The Subways
Von Dreien, die auszogen...
Im achten Jahr ihrer Karriere widmen sich die Subways dem Leben der Reichen und Schönen – formuliert aus der ungeschminkten Perspektive des Underdogs. Zwischen Kapitalismuskritik und Promi-Diss bleibt auf dem neuen Album ’Money & Celebrity’ aber noch ausreichend Platz für echte Emotionen und Leidenschaft, wie sie nur eine Band empfinden kann, die mehr verbindet als die Liebe zu lauter Musik.
Billy Lunn ist ein selbst erklärter „Hoarder“, einer, der Zeitschriften und Zeitungen selbst dann noch in seiner Einzimmerwohnung stapelt, wenn „auch nur ein einziger Artikel“ darin ungelesen ist. So langsam wird es eng in seiner Bude, denn Billy ist nicht nur Büchernerd und ein DVDs sammelnder Filmfreund, sondern sitzt auch mit Vorliebe am Computer und schraubt an Sounds und Songs. Für das neue Subways-Album ’Money & Celebrity’ schüttelte der 26-Jährige rund 60 Kompositionen aus dem Ärmel, die er seiner Bassistin und Ex-Freundin Charlotte Cooper und seinem Bruder Josh Morgan (Schlagzeug) jeden Dienstag präsentierte. Dienstags ist Proberaumtag für die drei Subways-Mitglieder, die sich einst an der Schule der Kleinstadt Welwyn Garden City kennen lernten und nach Gründung ihrer Band schnell zu Ruhm und Ehren gelangten, als ihre Single ’Rock’n’Roll Queen’ quer durch sämtliche Radiostationen rollte. Das war vor sechs Jahren. Heute hat sich der Status der Band als sehenswerte Live-Combo mit leicht auf Herz, Hirn und Bein übergreifenden Refrains auch über Szene-Grenzen hinaus herumgesprochen und die Subways sind nach zwei Alben und hunderten Konzerten im Vorprogramm von Publikumsmagneten wie Billy Talent oder den Beatsteaks nicht mehr aus den Charts wegzudenken. Privat hat sich im Bandgefüge allerdings einiges getan. Waren Billy und Charlotte noch zu Zeiten des Debütalbums ’Young For Eternity’ (2005) ein verliebt flirtendes Pärchen, sind heute beste Freunde und Teilzeit-DJs aus ihnen geworden, die sich am Pult „ein nettes Taschengeld“ dazu verdienen.
Josh hingegen hat neben der Band noch ganz andere Verpflichtungen. Gemeinsam mit seiner französischen Freundin Sandra wurde er vor zwei Jahren stolzer Vater einer jungen Dame namens Angèle und pendelt seitdem zwischen seinem Zimmer im Haus der Eltern und Frankreich hin und her.
Eine logistische Meisterleistung, wie sie auch Charlotte Cooper absolvieren muss. Die blonde Rampensau ist nach ihrer Hochzeit mit dem Schlagzeuger der Indie-Rock-Fraktion Skeletons nach Sheffield übergesiedelt und muss zwecks Bandangelegenheiten stets ins knapp drei Stunden entfernte Ware, Hertfordshire, anreisen, um sich den neuesten Song-Output ihres Sängers anzuhören und gegebenenfalls zu zerpflücken. Im Gegensatz zum Vorgängeralbum ’All Or Nothing’ aus dem Jahr 2008 ist ihre Stimme auf ’Money & Celebrity’ allerdings kaum zu hören. Lediglich im Song ’Like I Love You’ übernimmt sie den weiblichen Part in Lunns Auseinandersetzung zwischen Freund und Freundin, „ansonsten wurde meine Stimme nicht gebraucht“, lacht sie. Lustig. Überhaupt sind die Subways derzeit bester Stimmung, schließlich scheint für alle drei nicht nur privat die Sonne, auch ’Money & Celebrity’ und vor allem die Single ’It’s A Party’ erfreuen sich bereits großer Beliebtheit. Besonders gut finden die hiesigen Fans natürlich, dass sich die furiosen Drei auch für die deutschen Anhänger etwas ganz Spezielles haben einfallen lassen. So wie einst auch bei ’Rock’n’Roll Queen’ intonieren die Verbalakrobaten eine komplette Strophe auf Deutsch, was insbesondere bei Charlotte Cooper in der lezten Zeit die gierige Nachfrage nach weiteren Deutschkenntnissen schürte. Wir verschonen aber sowohl sie als auch die anderen beiden davor und schauen mal lieber rein in die Wundertüte aus Geld und Ruhm, die die Subways kürzlich platzen ließen.
Charlotte, wie war die Hochzeit?
Charlotte: Toll! Eine großartige Party war das, mit Freunden und Familie. Billy hat aufgelegt und alle Hits von Michael Jackson und den Jackson Five gespielt. Mein Mann liebt Michael Jackson!
Billy: Stimmt, es haben alle getanzt, vom Opa bis zum Enkel.
Wird es da nicht auch bald Zeit für Kinder? Immerhin bekommt Josh Familien- und Bandleben auch gut unter einen Hut.
Charlotte: Das fragt jeder! So nach dem Motto: Jetzt bist du verheiratet, wann kommt denn der Nachwuchs? Ich sage dann: Jedenfalls nicht so schnell! Ich muss erst noch ein paar Jahre abrocken.
Wie habt ihr denn die Pause zwischen dem letzten Album „All Or Nothing“ und „Money & Celebrity“ außer mit Hochzeiten und dem Züchten von Nachwuchs noch verbracht?
Charlotte: Billy und ich legen gerne auf, wir werden öfter als Rock-DJs gebucht, das macht Spaß. Man trifft immer neue Leute, spielt seine Lieblingslieder, trinkt ein paar Bier. Es ist toll.
Billy: Außerdem knüpfen wir dadurch interessante Seilschaften. Charlotte hatte neulich ein Engagement in Spanien, einem Land, in dem die Subways bisher noch nicht aufgetreten sind. Dank der neuen Kontakte werden wir aber bald auch dort Konzerte spielen. Gleiches gilt für Dubai. Dort haben wir neulich aufgelegt und anschließend einen Gig gespielt. Wir wussten gar nicht, dass wir dort so viele Fans haben! Der DJ-Job ist ein gutes Mittel, um trotz tourfreier Monate unbekanntes Terrain zu erobern.
Charlotte: Außerdem verstecken wir im Set auch manchmal ein Demo eines neuen Subways-Songs, um zu checken, ob er die Leute zum Tanzen anregt! (lacht)
Charlotte, du hast neulich außerdem den London Marathon bestritten. Wie lief’s?
Charlotte: Gut, ich bin völlig besessen vom Laufen. Ich kann quasi keinen Tag ohne. Ich habe drei Stunden und 46 Minuten gebraucht, das empfinde ich durchaus als Erfolg. Ich habe mir auch gerade ein neues Fahrrad gekauft, denn mein nächstes Ziel ist der Triathlon.
Billy: Charlotte ist ein Fitness-Freak. Wenn Josh und ich morgens aus der Buskoje klettern, hat sie schon ein paar Meilen gefressen.
Und wovon seid ihr besessen, Josh und Billy?
Josh: Von Videospielen! Ich bin ein totaler Sesselpupser, deshalb wächst mir so langsam auch eine riesige Plauze.
Billy: Ich liebe Bücher. Ich würde mir wünschen, in zehn bis 15 Jahren einmal eine Professur an der Universität zu haben, um Literatur zu lehren.
Billy, du bist bekanntlich jemand, der sich nur ungern von liebgewonnenen Dingen trennt. Seien es Zeitungen, Bücher oder Songs. Wie schwer fiel es dir, dich von einigen neuen Stücken zu trennen?
Billy: Sehr schwer. Ich habe alle jemals aufgenommen Subways-Songs auf Festplatten gespeichert, und für „Money & Celebrity“ kamen noch mal mehrere Dutzend dazu. Auf dem Album sind zwölf Lieder plus die deutsche Version vom Song „We Don’t Need Money“, weitere 17 Demos konnte ich retten. Diese werden in einer Special Edition dem Album als Bonus-CD beigelegt. Ich habe sie alle selbst gemixt, seid also gewarnt!
Bist du zwecks Inspiration für „Money & Celebrity“ auch mal in dein Archiv abgetaucht, hast dich von frühen Subways-Songs inspirieren lassen?
Billy: Absolut. Ich muss gestehen, dass ich anfangs große Probleme hatte, dieses Album zu schreiben. Wir kamen nach zwei Jahren auf Tour zurück nach Hause, und jedes Mal, wenn ich zur Gitarre griff, fiel mir nichts ein. Es war fast so, als hätte ich vergessen, wie man Songs schreibt. Um mir vor Augen zu halten, wie das funktioniert, habe ich all die Harddrives mit unseren frühen Songs durchgehört; Lieder, die teilweise zehn bis zwölf Jahre alt sind. Damit verbrachte ich meine Wochenenden. Ich glaube, das Abtauchen ins Subways-Archiv hat dazu geführt, dass „Money & Celebrity“ eine ähnliche Energie hat wie unser Debütalbum: laut und ungestüm, getrieben von dem Drang, auf die Bühne zu wollen. So wie damals, als wir uns nichts Großartigeres vorstellen konnten, als einmal im „Hope & Anchor“ in London auftreten zu dürfen. Erinnerst du dich, Charlotte?
Charlotte: Klar! Kein Song war länger als zwei Minuten und wir haben kein Wort zum Publikum gesprochen. Einfach nur rauf auf die Bühne, 20 Minuten Vollgas und wieder runter.
Billy, trotz der kompakten Songlänge bezeichnest du „Money & Celebrity“ als das „lyrischste“ euer drei Alben. Worauf fußt diese Aussage?
Billy: Ich habe mich vor der Musik zunächst auf die Lyrics konzentriert. Ich wollte mit diesem Album etwas mehr abliefern als nur Lovesongs. Allerdings war ich textlich anfangs ähnlich planlos wie in puncto Musik. Ich habe mich mit ein paar Musikerkollegen unterhalten und sie sagten: Nur die Ruhe, Billy, die Inspiration kommt von ganz alleine. So war es dann auch. Eines Abends saß ich mit ein paar Freunden in unserer Stammkneipe, wir tanzten ein bisschen und hatten ein paar Drinks. Einige meiner Kumpels waren gerade gefeuert worden, sie hatten Jobs im öffentlichen Dienst und waren vom Sparprogramm der Regierung betroffen. Als der Laden gegen Mitternacht zumachte, wollten wir noch weiterziehen, aber wir hatten alle keinen Cent mehr in der Tasche. Da sagte einer meiner Freunde: Was soll’s, Billy. Wir brauchen kein Geld, um eine gute Zeit zu haben. Ich bin sofort nach Hause gelaufen und habe „We Don’t Need Money“ geschrieben. Danach flutschte es nur so.
Hast du denn an den Protesten gegen die Sparpläne der Regierung im letzten Winter teilgenommen?
Billy: Habe ich, als Teil der Musikergewerkschaft. Es gab unter den jungen Leuten eine große Unzufriedenheit, denn sowohl die Bildung als auch die Kulturförderung war von den Sparmaßnahmen direkt betroffen. Damals war ich auch der Meinung, dass Protest durchaus den zivilen Gehorsam überschreiten darf. Nicht so wie bei den jüngsten Krawallen, aber dass die Regierung spürt, dass auch der kollektive Willen Druck ausüben kann. In Frankreich funktioniert das recht gut, die Menschen dort machen ihrem Ärger in schöner Regelmäßigkeit Luft und geben der Regierung so keine Zeit zum Durchatmen.
Es gibt darüber hinaus noch ein paar weitere Songs, die politisch konnotiert sind. „Money“ wäre in diesem Zusammenhang zu nennen.
Billy: Absolut. Lustigerweise hat mich meine Mutter zu diesem Lied inspiriert. Sie wusste, dass ich mit den Lyrics hadere und schickte mir eine Textnachricht mit den Worten: „You got to play harder, you got to charm the charmer.“ Ich habe den Satz in einem kapitalismuskritischen Zusammenhang interpretiert, dass die Banken den großen Reibach machen, Millionenboni einsacken und meine Freunde ihre Jobs verlieren, egal, ob nun als Polizist oder als Beamter, der Arbeitslosenwohnungen vermittelt.
Darüber hinaus knöpfst du dir mit dem Titel „Money & Celebrity“ auch die so genannte Prominenz vor.
Billy: Was mich bei meinem täglichen Zappen durch die Fernsehkanäle am meisten verwundert hat, ist diese allseits grassierende Sucht nach Ruhm und Anerkennung, und dass den Leuten suggeriert wird, sie könnten ein Leben im Rampenlicht an jeder Straßenecke finden. Das empfinde ich als bemitleidenswert und alarmierend zugleich. All diese Menschen, die nichts kreieren und nichts können – weder sind sie Schauspieler, noch Künstler, noch Musiker. Leute, die sich ob des Berühmtseinwollens der Lächerlichkeit preisgeben und sich wundern, wenn der Ruhm so schnell wieder vergeht, wie er gekommen ist. Das ist doch trist!
Blieb denn bei so viel Gesellschafts- und Konsumkritik noch Platz für Persönliches?
Billy: Der Song „Leave My Side“ handelt offensichtlich davon, dass man nicht gerne alleine durchs Leben geht. „Like I Love You“ ist ein Song für meine Freundin und beschäftigt sich damit, wie bewusst ich mir darüber bin, sie manchmal schlecht zu behandeln. Ich bin eben ein ungeduldiger, dauergestresster Typ, vor allem wenn ich nicht toure. Indem ich singe, wie sehr ich ihren Standpunkt verstehe, versuche ich mich bei ihr zu entschuldigen. Aber eigentlich ist der Song recht fröhlich.
Ihr seid so nette Leute, gibt es da überhaupt jemanden, der behaupten würde, die Subways sind totale Arschlöcher?
Billy: Absolut! Mir ist schon oft gesagt worden, ich wäre eins. Aber Charlotte und Josh sind wirklich so nett, dass das niemand von ihnen behaupten könnte.
Charlotte: Wir haben keinen Grund, schlecht drauf zu sein. Wir wachen jeden Morgen in einer anderen Stadt auf, treffen neue Leute, sehen neue Orte, Länder und Kontinente. Besser könnte es gar nicht sein.
Knallt es denn auch untereinander nie? Schließlich seid ihr seit acht Jahren quasi nonstop unterwegs und habt mit der Kombination aus zwei Brüdern und einem Ex-Pärchen weit mehr als rein freundschaftliche Beziehungen.
Billy: Wir haben das Glück, dass wir trotz allem auch und immer noch beste Freunde sind. Natürlich gab es auch bei uns Momente, in denen jemand seine Sachen packen und abhauen wollte. Aber immer, wenn Josh und ich hinter der Bühne die Fäuste schwingen, geht Charlotte dazwischen und sagt: Jungs, könnt ihr damit bitte bis nach dem Konzert warten? Bis dahin ist das aber meist sowieso vergessen.
Der Familienaspekt spielt in eurer Band eine große Rolle. Vater Morgan ist immer mit dabei, oder?
Billy: Sicher, seit dem ersten Tag eigentlich. Er war es auch, der Josh und mich zu unserem ersten Konzert geschleppt hat: AC/DC in der Wembley Arena. Wegen Angus Young spiele ich auch eine Gibson SG-Gitarre. Außerdem ist er unser Tourmanager und Schlagzeug-Roadie, der sich auf allen Festivals mit den größten Rockstars anfreundet. Überall, wo er auftaucht, winken ihm die Promis zu sagen: Hey John, wie geht’s?
Gibt es trotz aller Bodenständigkeit auch in eurem Leben Aspekte, wo es ruhig mal ein bisschen Luxus sein darf?
Charlotte: Klar. Klamotten, Make-Up, Schuhe...
Billy: Die einzige Verbindung zwischen mir und der Welt von Glitter und Glamour ist meine Vorliebe für prominente Damen wie Emma Watson oder Alexa Chung.
Apropos Vorliebe für Damen: Hasst ihr es mittlerweile eigentlich, „Rock’n’Roll Queen“ live zu spielen?
Charlotte: Nein, niemals! Der Song artet mittlerweile doch in eine einzige Party aus, warum sollten wir ihn also hassen? Außerdem hat er uns geholfen, dahin zu kommen, wo wir heute sind.
Billy. Ich glaube, an dem Tag, an dem wir einen unserer Songs hassen, sollten wir aufhören. Ich gehe aber davon aus, dass wir „Rock’n’Roll Queen“ in zehn Jahren immer noch genauso gerne spielen wie heute.
Text: Fiete Hollerbach
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