- Text: Frank Thiessies
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Boots Electric
Durch die Hintertür
Jesse Hughes trägt Schnäuzer und viele Spitznamen. Den meisten ist der Sänger und Gitarrist sicherlich als Eagles Of Death Metal-Partner von Josh Homme und unter „The Devil“ bekannt. Mit seinem ersten Soloprojekt ´Honkey Kong´ tritt Jesse als „Boots Electric“ nun der Tanzfläche in den Arsch.
Wer hier primär Garage Rock mit Porno-Glamour erwartet, wird zumindest in Bezug auf Ersteres enttäuscht. War Queens Of The Stone Age-Vorsteher Josh Homme sonst immer dafür zuständig, den Rock-Trimmer auszupacken, lässt Jesse seiner kindlichen Musik-Sozialisation nun freien Lauf: Von Classic Rock über Motown, Country, Soul-Funk, Doo Wop bis Gospel reicht die Platten-Palette, Gastauftritte von Distillers-Dame Brody Dalle und Juliette Lewis inbegriffen.
Dritte Frau an der Seite des Südstaatencharmeurs alter Schule und ewigen Womanizers ist dann auch seine aktuelle Flamme, Erwachsenenfilm-Starlett Tuesday Cross. „Dieses Album ist ein offener Liebesbrief an alle Frauen: Meine Mutter, alle heißen Schnitten, die mich je angeturnt haben und meine Freundin, die Liebe meines Lebens. Ich brauchte also auch eine Frau in der Band. Deshalb ist Tuesday Cross, diese wunderbare 21-jährige Latino-Rock’n’Rollerin am Keyboard.“
Jesses persönliche Neuauslegung des Gospelbuchs hat wie zu erwarten mit der üblichen Brause und Keks-Verkostung im Kirchentag-Stil nichts gemein. Dafür lebt der gläubig-bekennende Sünder lieber nach einem ganz einfachen Credo: „Gott hat Männer und Frauen geschaffen, Knarren machen sie gleich und wenn jemand wie ein Indianer riecht und aussieht, dann ist es verdammt noch mal nicht John Wayne.“
Klare Worte. Die hat Jesse auch für all diejenigen, die sich von Beastie Boys-Kollaborateur Money Mark effektvoll und elektronisch trocken in Szene gesetzter, moderner Produktion des Albums überrascht fühlen könnten. „Was die elektronischen Einflüsse angeht, hab ich mich an Sachen orientiert, die für mich Sinn machen. Gary Numan zum Beispiel, oder die Cars. Ich mag viele Synthesizer nicht, weil sie so unecht nach Plastik klingen. Aber bei den Cars sind die Keyboards total cool und futuristisch. Hör dir Kraftwerk an - sie haben organische Strukturen benutzt, um synthetische Töne zu erzeugen. Außerdem gibt es echte Gitarren und ein echtes Schlagzeug“, erklärt Jesse, „Im Grunde genommen wollte ich auf diesem Album George Clinton sein und habe ihn via Gary Numan in den Hintern gefickt, indem ich Linda Ronstadt als Schwanz benutzt habe.“
Hallelujah, Herr Hughes.
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