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Bild: Chuck Ragan
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  • Fotograf: Shawn Brackbill
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Chuck Ragan
Ehrlich und direkt


Ist unsere Gegenwart geprägt von der Reduktion auf das Wesentlichste? Sind die Tage der pompösen Inszenierung vorbei? Ebenso wie der urbane Neuzeitler sein Fahrrad längst von einst unverzichtbarem Schnickschnack wie Schaltung oder Bremsen befreite, hat auch Chuck Ragan sich freigestrampelt von den einst engen Fesseln des Punkrock-Korsetts.

Ein Mann, allein mit seiner Gitarre und der Kraft seiner Stimme. Für den Hot Water Music-Sänger ist dieses Prinzip eine Rückbesinnung in zweierlei Hinsicht. „All diese großen Folkmusiker, die ’Protest Singer’ hatten viel mehr mit Punkrock zu tun als die meisten Bands heutzutage. Es war simpel, roh, pur und unverfälscht und es ging darum, ein Statement abzugeben: Ehrlich und direkt.“ Mit seinem nunmehr dritten Soloalbum ’Covering Ground’ führt Chuck Ragan also den Pfad seiner Jugendhelden fort, denen er einst auf dem Küchenboden lauschte, während seine Mutter den Haushalt um ihn herum erledigte. Doch es ist auch in anderer Weise eine persönliche Reise zu den Wurzeln. „Als wir mit Hot Water Music anfingen, gab es für uns keine andere Möglichkeit, als mit unseren Akustikgitarren auf irgendeiner Terrasse zu proben. Und das war mindestens genauso kraftvoll wie mit einer riesigen Verstärkerwand.“ Somit landet Chuck in der Gegenwart als Kulmination des Vergangenen, wobei die Prioritäten klar gesetzt sind. Auch wenn sich Hot Water Music mittlerweile wiedervereinigt haben, liegt sein Fokus aktuell auf seiner Solokarriere, so dass fast jede Hot Water Music-Show gleichzeitig noch für einen Auftritt im Alleingang in der jeweiligen Stadt genutzt wird. So kommt keiner zu kurz – weder „die Typen, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich liebe“, noch die Musik, die Ragan außerhalb des Bandgefüges antreibt, und für die gleiches gilt.

Wobei „solo“ im Falle von Chuck Ragan gar nicht unbedingt „allein“ bedeuten muss – auf ’Covering Ground’ kommen nämlich zahlreiche Gastmusiker zu Wort, was Chuck Ragan mit seiner Auffassung von Blues und der damit verbundenen Mentalität begründet. Ob man es an dieser Stelle kritisch bewerten muss, dass mit der Referenz auf Gospel und der damit einhergehenden Verwendung christlich geprägter Metaphorik ein dem Punk und Protest-Gedanken ursprünglich konträres Element seinen Eingang findet und mit Brian Fallon von The Gaslight Anthem auch ein bekennender Kreationist seinen Gastbeitrag leistet, sei dahingestellt. Denn das, was offensichtlich bleibt, ist noch immer ein Mann, seine Gitarre und seine Stimme.

Text: Aiko Kempen


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