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Bild: Emil Bulls
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  • Fotograf: Severin Schweiger
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Emil Bulls
Kopf aus – Druck raus


Die Emil Bulls standen nach ’Phoenix’ am Scheideweg: Der Erfolgsdruck wuchs, die Batterien waren leer. Doch anstatt aufzugeben, starten die Bayern mit dem neuen Album ’Oceanic’ von Null auf Hundert in 14 Songs.

Ein Leben ohne Emil Bulls ist möglich, aber sinnlos. Nun, zumindest ungewohnt: Wer seine Endzwanziger noch vor sich hat, wird sich an eine Zeit vor den Emil Bulls kaum erinnern können. Der Band selbst geht das nicht viel anders, wie Sänger und Gitarrist Christoph von Freydorf eingesteht: „Die Zeit verging so schnell, wir können selbst kaum glauben, schon acht Alben gemacht zu haben. Trotzdem erscheint es uns so, als würden wir erst jetzt die Früchte aus den vergangenen 16 Jahren ernten und gerade den Höhepunkt der Reise erleben.“

Eine tolle Sache einerseits, andererseits aber auch Grund für Plattenfirma und Management, den Druck zu erhöhen, um dieses Level zu halten. Druck, der dem Entstehungsprozess von ’Oceanic’ zunächst nicht unbedingt förderlich war. „Wir hatten gerade die letzte Tour zu ’Phoeneix’ beendet, wollten unsere Batterien aufladen. Von uns wurde aber erwartet, direkt mit dem nächsten Album nachzukommen. Wir waren jedoch einfach nur leer.“ Die Songwriting-Phase wurde zu einer nervenaufreibenden Zeit. Doch die tapferen Bayern machten aus der Not eine Tugend: „Wir waren irgendwann so geladen, dass wir nicht anders konnten, als den Kopf auszuschalten und einfach alles raus zu lassen.“

So entstanden richtig harte Brecher wie ’We Don’t Believe In Ifs’, denen man die Wut förmlich anfühlt. Dann aber stellt sich wieder die süße Melancholie ein (’I Bow To You’), die den Emil Bulls seit jeher ebenso anhaftet wie der allgegenwärtige Pop-Appeal. Eine Mischung musikalischer Extreme, die in dieser Ausprägung ziemlich einzigartig ist. „Wir haben schon auf dem Vorgänger ’Phoenix’ mit diesen Extremen gespielt und festgestellt, dass es funktioniert. Auf ’Oceanic’ haben wir das weiter ausgebaut und alles gemacht, was wir wollten.“ Unberechenbarkeit als Alleinstellungsmerkmal – vielleicht der Faktor, der den Emil Bulls auf ’Oceanic’ auch nach 16 Jahren noch die Frische und das Feuer von unverbrauchten Newcomern verleiht.


Text: Sebastian Kessler


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