- Text: Torsten Hempelt
- Fotograf: Mary Rozzi
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Feist
Look at what the Feist did now, oder: Metalle, Muppets und Molke
Es wuselt nur so im frisch eröffneten Berliner Park am Gleisdreieck. Kinder auf Spielgeräten unterschiedlichster Machart, Eltern mit schnurlosen Telefonen und Heißgetränken zum Mitnehmen, Jogger, Senioren – und dazwischen, auf einem zur Schaukel umfunktionierten Treckerreifen: Leslie Feist, die gerade den Interview-Marathon zu ihrem neuen Album ’Metals’ bestreitet.
„Hello. What is your name?“ Angelockt vom Trubel um die Frau mit der Sonnenbrille, die seit geraumer Zeit unermüdlich Antworten auf ihr gestellte Fragen in Kameras und Mikrofone spricht, wagt sich ein etwa achtjähriges Mädchen vor, um der Sache auf den Grund zu gehen. „My name is Leslie“, kommt es freundlich zurück. In den USA wäre die Kanadierin Mitgliedern der Altersklasse „Grundschule“ vermutlich eher bekannt, zumindest vom Sehen – trat die 35-Jährige doch dort vor einiger Zeit in der „Sesamstraße“ auf, wo sie mit einigen von deren bunten Bewohnern eine kindgerechte Version ihres Hits „1234“ sang. Obwohl: „Meistens sind es die Erwachsenen, die im Supermarkt auf mich zukommen und sagen: ’Oh Gott, meine Kinder LIEBEN deinen Song! Wir haben ihn hundert Mal geguckt. Er ist das beste Mittel gegen Tränen.’ Und die Kleinen stehen daneben, man kann ihnen ansehen, dass sie mit mir überhaupt nichts anfangen können – was vermutlich anders wäre, wenn sie zum Beispiel Elmo träfen. Die Puppen sind eben die Rockstars der Kinder.“
Und ein bisschen auch die Rockstars der Feist, was besonders deutlich wird, wenn sie mit leuchtenden Augen von ihrem Besuch am Set des kommenden neuen ’Muppet’-Films erzählt: „Das toppt für mich die ’Sesamstraßen’-Erfahrung sogar noch, auch wenn mein Auftritt nur einen Sekundenbruchteil dauert und ich lediglich eine Zeile singe, in einer Szene, in der gar keine Muppets zu sehen sind. Aber ich durfte am nächsten Tag noch einmal ins Studio kommen, als sie eine Einstellung mit ALLEN Muppets drehten. Das war wie Weihnachten für mich! Ich stehe da herum, bin ganz aufgeregt und auf einmal tippt mir jemand auf die Schulter, ich drehe mich um – und Fozzie Bär sagt: ’Heeeey!’. Ich habe natürlich sofort ein Foto von mir und ihm machen lassen, und auch eines mit Gonzo, denn das musste ich Gonzales selbstverständlich unter die Nase reiben.“
Besagter Gonzales ist ein langjähriger Freund und musikalischer Begleiter von Feist, und wie schon bei ’Let It Die’ (2004) und ’The Reminder’ (2007) auch an den Arbeiten zu ’Metals’ maßgeblich beteiligt. Die nehmen ihren Anfang zunächst in einer kleinen Hütte in Kanada, wo Feist nach einer zweijährigen Auszeit alleine an den Grundlagen der Lieder werkelt. Es folgen weitere Songschreibe-Sessions in Paris, Berlin und Toronto, Musiker wie Mocky oder Brian LeBarton aus dem Dunstkreis von Beck kommen hinzu und schließlich geht es nach Big Sur in Kalifornien, wo die zwölf ’Metals’-Songs dann im denkbar entspanntesten Umfeld eingespielt werden. „Wir mieteten ein Haus, wo wir wohnten und in dessen Scheune wir aufnahmen“, erinnert sich Feist und erzählt grinsend weiter: „Es ist eigentlich ein Ziegenbauernhof, und die Frau, die dort lebt, stellt Ziegenkäse und -milch her – es war schon etwas komisch: Ich saß dort im Studio-Kontrollraum, der im Grunde einfach ihre Küche war, und sie war am anderen Ende des Zimmers mit diesen riesigen Kesseln zugange, in denen sie den Käse machte. Und ab und zu lächelte sie herüber und rief: ’Hey, wollt ihr einen Schluck Molke?’ Also saßen wir abends da, tranken dieses ’Elixir des Lebens’ – oder mit anderen Worten das, was beim Käsemachen übrig bleibt. Etwas eklig, aber sehr aufputschend. Wir machten unsere Witze, stellten uns vor, dass wir dort an der kalifornischen Küste psychedelische Drogen nähmen – mit unseren Schnapsgläsern voll ’Käsewasser’ in der Hand.“
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