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Bild: Kasabian
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  • Fotograf: Dean Chalkley
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Kasabian
„Wir haben unsere Unschuld verloren“


Die ersten Töne von ’Velociraptor!’ klingen wie der Trailer zum neuesten ’Godzilla’-Blockbuster. Raunend und stöhnend kämpft sich das hungrige Monster durchs Dickicht, schleppt sich weiter, bis es endlich draußen ist: ’Let’s Roll Like We Used To’.

Mit großer Geste kehren Kasabian nach ihrem gefeierten Werk ’West Ryder Pauper Lunatic Asylum’ zurück. Im Gepäck: ein Album, dessen Titel nicht nur den jahrelangen Zusammenhalt der Band, sondern auch ihr Durchhaltevermögen auf dem Weg nach oben symbolisiert.

„Der Velociraptor war der einzige Dinosaurier, der den T-Rex besiegen konnte. Und zwar deshalb, weil er immer in Vierergruppen unterwegs war“, erklärt Sergio Pizzorno im Interview. „Die haben zusammengehalten. Wie eine Band.“ Der Chef-Songschreiber macht ein ernstes Gesicht, während er das sagt. Ironie ist fehl am Platz, wenn es um die Suche nach dem verloren gegangenen Traum vom echten Rock’n’Roll geht, wo exzentrische Pelzmäntel und nackte Oberkörper wie selbstverständlich zur Bühnendeko gehörten und Künstler noch nicht „so cool und unterwürfig“ waren wie heute. „Mick Jagger und David Bowie, das sind die letzten großen Rockstars.“

Nächtelang saß Pizzorno, der frisurtechnisch aussieht wie eine Kreuzung aus Jim Morrison und ’Mighty Boosh’-Schauspieler Noel Fielding, also da, hörte Elvis, Daft Punk und Nirvana - mit dem Ziel, einen bleibenden Klassiker hinzubekommen. Mit Babygeschrei im Hintergrund (seit einem Jahr ist er Vater) und während er den Soundtrack zum Kinofilm ’London Boulevard’ mit Keira Knightley und Colin Farrell schrieb, entstand, was Kasabian-Fans brauchen: das Unterwartete, von HipHop (’Days Are Forgotten’) bis Techno (’Switchblade Smiles’) im Kasabian-Style - von der Medienkritik bis zum Phil-Spector-artigen Liebessong. In ’La Fee Verte’ besingt Tom Meighan ein Thema, das der Band am Herzen zu liegen scheint: Stars früher und heute. „Heute ist jeder ein Celebrity - wir haben unsere Unschuld verloren“, klagt Pizzorno, der mit traurigen Augen, Siebzigerjahre-Hemd und Lederhalsband auf dem Sofa sitzt. „Früher wollten die Leute große Songschreiber und Künstler sein, nicht berühmt. Das war nur eine Begleiterscheinung. Heutzutage geht es nur noch um den Ruhm, egal, ob Talent im Spiel ist oder nicht.“

Eben deshalb muss sie wieder her, die gute alte Rock-Geste. Die Grundlage dürfte mit ’Velociraptor!’ nun auch außerhalb Großbritanniens geschaffen sein: „Beim Hurricane- und Southside-Festival haben wir es zum ersten Mal gespürt“, schwärmt Pizzorno. „Es hat sich was verändert.“ Was er und seine Jungs seit zehn Jahren mit überbordendem Selbstbewusstsein propagieren, scheint nun tatsächlich eingetreten zu sein. Kasabian sind zur Stadionband gereift. Fans campieren in England vor Konzerthallen, Festivalbesucher in Deutschland und Spanien feiern Auftritte wie kleine Gottesdienste.

Wenn Tom Meighan wie beim Hurricane-Festival einen Song mit den Worten „Das wird euch alle wegpusten,“ ankündigt, glaubt man ihm. Die gesteigerte Popularität scheint für Pizzorno jedoch nur eine logische Konsequenz zu sein - mit viel Luft nach oben: „Wir müssen unbedingt noch in der Hollywood Bowl auftreten. Dann haben wir es geschafft.“ Denn was den Rockstar und den Velociraptor außerdem eint: beide kennen keine Bescheidenheit.


Text: Silvia Weber


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