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Mediengruppe Telekommander
Schrei beim Abschied leise Servus


Sie zählten zu den wegweisenden Neu-Entdeckern des Electro-Clash, hatten Laptops auf der Bühne, als diese noch keinen angebissenen Apfel drauf hatten. Die Mediengruppe Telekommander verabschiedet sich nach zehn Jahren. 'Die Elite der Nächstenliebe' ist ihr letztes „Servus“, es ist alles andere als leise.

Florian Zwietnig und Gerald Mandl saß der Schalk stets im Nacken. Die Glitzeranzüge, die verrückten Auftritte, mal mit, mal ohne Band, Konfetti, Bierspritzen. Das, was Elektro-Punk eben ausmacht. Trotzdem war hinter der scheinbaren Party-Fassade stets ein ernster Überbau verortet. Gesellschaftskritisch nennt man das wohl, klingt aber unsexy. Einfach so 'Panzer' zu schreien macht da schon mehr Spaß.

'Die Elite der Nächstenliebe' greift die Leute an, die durch Charity zunächst „für sich den maximalen Promo-Effekt erzielen wollen“, beschreibt Zwietning die Geschmacklosigkeit, Hilfe als Marketingkampagne zu inszenieren. Als Sinnbild dafür zieren der Dalai Lama, Papst Benedikt, Bono Vox und Angelina Jolie das Innere des Artworks, neben Mandl und Zwietnig selbst. „Es geht nicht darum, Bono, oder irgendeinen der anderen explizit anzugreifen, aber wir fanden sie eben exemplarisch für unsere Idee.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzt Mandl: „Unsere Zukunft, das wird auch: Geld sammeln für andere, und am Ende für sich selber einstecken.“

Das hat freilich wenig mit ihren tatsächlichen Plänen zu tun. In Wahrheit widmen sich die beiden nun ihren eigenen Musik-Projekten, für die neben der Mediengruppe einfach nicht genügend Platz war. Die immergleiche Routine aus zweimal im Jahr Touren, danach Songwriting für die nächste Platte, ließ dafür keine Zeit und keinen Freiraum.

Vorher geht’s nochmal auf große Abschieds-Tour. „Ohne Glitzeranzüge“, wie Bassist Gerald Mandl betont, „das war eine ganz andere Phase“. Die letzte Phase, das ist Abschied-Nehmen, es noch mal wissen wollen, den Fans Danke sagen – und am Ende singen alle: „Ich Kommanda/ Du Kommanda/ Er Kommanda/ Sie Kommanda/ Wer Kommanda? / Telekommanda!“. Servus.

Text: Frédéric Schwilden


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