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Bild: Kool Savas
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  • Fotograf: Erik Weiss
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Kool Savas
'Es könnte das letzte Album sein, das ich mache.'


Vor dem Sofitel Hotel auf dem Berliner Gendarmenmarkt versammelt sich an einem Dienstagabend statt vornehmer Herrschaften in Abendgarderobe eine Horde HipHop-affiner Menschen. Ein etwas seltsames Bild. Doch der Anlass will es nicht anders: das dritte Soloalbum von Kool Savas ist fertig produziert, das Release-Date fest.

Nun stehen sie da, Medienvertreter, Freunde und Familie von Savas Yurderi, Seite an Seite mit Künstlern und Supportern der deutschen HipHop-Szene und warten auf den Beginn des angekündigten Großereignisses im Deutsch-Rap von 2011.

Heute werden sie die ersten sein, die einige Tracks des neuen Albums ’Aura’ hören dürfen. Zu Zeiten des ’Royal Bunkers’ hätte wahrscheinlich niemand mit einer derartigen Marketing-Strategie gerechnet. Doch Hoes und Moneytoes sind Geschichte, aus „Lutsch mein’ Schwanz“ wird „Last Man Standing“ nur Savas’ Flows sind weiter zukunftsweisend. Es wird Zeit für ’Aura’.

Doch bei aller Revolution: Es wäre zu kurz gegriffen, wenn man Savas immerzu als die unpersönliche Battlerap-Maschine abtäte. Als er vor zehn Jahren sein Debütalbum ’Der beste Tag meines Lebens’ veröffentlichte, hieß es „Verdammt, der kann ja auch anders!“ The MC formerly known as Juks, der seine ersten Erfolge mit der kompromisslosen Battle-Crew Berlin Maskulin eingefahren hatte, zeigte als Kool Savas plötzlich eine vollkommen andere Seite seines musikalischen Ichs. Das Album war überraschend tiefgründig, persönlich und eben trotzdem auf technisch höchstem Niveau.

Mitte November erscheint das dritte Album des King of Rap. Er selbst bezeichnet es als sein persönlichstes. „Es könnte auch das letzte Album sein, das ich rausbringe. Es hat so einen gewissen Vibe.“ Der angesprochene Vibe entsteht aus der ungeheuer persönlichen Note, die jeden Track durchdringt. „Früher habe ich Persönliches ja eher zwischen den Zeilen präsentiert. Heute ist das deutlicher zu hören und zu spüren.“

Fühlen und spüren, das sind grundsätzlich Schlagworte für dieses Album. Egal ob beim Schreiben, beim Aufnehmen oder Producing und Mastering, „für mich ist ein Track erst dann perfekt, wenn ich etwas dabei fühle.“ Und das hat Essah auf ’Aura’ wohl expliziter durchgespielt, als auf bisherigen Releases. Der titelgebende Track lässt diese Einstellung erahnen, das bombastische Hans Zimmer-Sample aus dem Film „Inception“ wurde samt seiner melancholischen Grundtendenz von Sir Jay neu produziert und re-samplet. Den Mammut-Teil der neuen Produktionen liefert übrigens nicht, wie angenommen, MelBeatz, sondern neben Sir Jay aus dem direkten ’Optik’-Umfeld und Sinch aus Hamburg besonders DJ Smoove aus Bamberg.

Auf seinem letzten Soloalbum ’Tot Oder Lebendig’ hat Kool Savas in ’Technopilot’ klar zum Ausdruck gebracht, was er von neuartigen Soundkollagen in Richtung Elektro- und Synthie-Geböller hält. Auf ’Aura’ präsentiert er seinen Gegenentwurf dazu.

So dominiert vor allem ein eigener Rap-Sound, irgendwo zwischen Goldener Ära und ’Futurama’. Da verwundert eine Zusammenarbeit mit Oliver Otubanjo nicht, der sich ebenfalls gern diesem Sound verschreibt und mehr und mehr die Rolle des kongenialen Partners von SAV einnimmt. Nicht umsonst ist Banjo das einzige Rap-Feature, das auf dem Album vertreten ist. „Ich arbeite gern mit Olli zusammen. Wir treffen uns auf einer Stufe, da muss keiner dem anderen hinterher rennen.“ Was er damit meint, hört man an der technischen und stilistischen Versiertheit des Tracks ’Echo’.

Eher überrascht die Zusammenarbeit mit dem King Of Soul, Xavier Naidoo. Was bei jedem Rap-Fan der alten Tage auf ein kurzes Kopfschütteln stoßen wird, ist der Titel der Kollabo: ’LMS 2012’. Doch was früher eine augenzwinkernde Ode an den Oralverkehr war, wird zu einem Statement - ’Lutsch mein’ Schwanz’ wird zu ’Last Man Standing’.

Spätestens hier wird dem letzten Fan der ’Pimp-Legionär’-Zeiten klar: Der King of Rap ist erwachsen geworden - aber nicht müde. Denn die Krone abzugeben, hat er noch lange nicht vor. Das wird beim Hören der Neu-Auflage von „King of Rap“ ganz deutlich. Stillstand ist der Tod und Savas weiß das.

Text: Julia Haase
Foto: Erik Weiss
Heimat: koolsavas.de


Empfohlen von:
splash-mag.com


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