- Text: Nina Töllner
- Fotograf: John Clark
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Auf der Couch mit
Wild Flag
Was heißt hier, Damen in der Rockmusik gehören ans Mikro, ans Keyboard oder allerhöchstens noch an den Bass? Janet Weiss zeigt derartigen Geschlechterklischees seit fast 25 Jahren den Mittelfinger. Damals setzte sie sich erstmals an ein Schlagzeug und hat es seitdem nur verlassen, um zum Klo zu gehen. Zumindest macht ihr üppiger Bandkatalog den Anschein. Ihren prominentesten Einsatz hatte Weiss bis 2006 bei den feministischen Indie-Ikonen Sleater-Kinney. Seit kurzem musiziert sie mit Ex-Sleater-Kinney-Kollegin Carrie Brownstein wieder in einer furiosen All-Girl-Band, diesmal unter dem Namen Wild Flag. Anlässlich deren Debütalbum stellten wir Janet ein paar Fragen zu ihrem weiblichen Selbstverständnis.
Wer war in deiner Jugend dein wichtigstes weibliches Vorbild?
Mich haben die Frauen beeinflusst, die im Punk- oder Post-Punk-Kontext aktiv waren: Exene Cervenka von X etwa, Patti Smith oder Leute aus meiner eigenen Szene, die vor mir auf der Bühne standen. Als ich während meiner College-Zeit anfing, zu Club-Konzerten zu gehen und Frauen sah, die Instrumente spielten, Equipment schleppten und Lieder schrieben, hat mich das inspiriert, selber so etwas zu tun.
Gab es ein bestimmtes Ereignis in deinem Leben, das aus dir eine aktive Feministin gemacht hat?
Ich bin kein Teil einer Bewegung, ich schwinge keine Fahnen oder so. Aber von klein auf stand für mich die Gleichheit von Männern und Frauen außer Frage. Mir scheint, als ginge es mein ganzes Leben darum, mit Stereotypen zu brechen, eine Alternative zu bieten und zu beweisen, dass es keine Trennung gibt, dass Frauen genauso fähig sind. Eine Frau muss heldenhaft sein, furchteinflössend, aggressiv - all diese Eigenschaften, die Männern vorbehalten sind.
Was war das schlimmste Beispiel von Sexismus, das du je miterlebt hast?
Da gibt es kein spezielles Ereignis. Ich finde generell die Gewalt gegen Frauen in Serien und Filmen ziemlich abstoßend und schockierend. Auch heutzutage noch sind es in den Medien mehrheitlich Frauen, die geschlagen, missbraucht, gefesselt werden und so weiter. Ich sage nicht, dass so etwas gar nicht gezeigt werden darf, aber ich habe nicht grade Spaß daran, es mir anzuschauen.
Hast du dir jemals gewünscht, ein Mann zu sein?
Nein, nie. Ich liebe es, eine Frau zu sein! Es ist eine Herausforderung. So wie Männer ihre eigenen Herausforderungen haben. Für sie ist es auch nicht einfach.
Wenn du einen Tag lang ein Mann sein könntest, wer wäre es?
Ich würde mich definitiv für einen Leistungssportler entscheiden. Jemand, der etwas unglaublich gut beherrscht, wozu ich selbst in keiner Weise fähig wäre, etwa ein Tennisspieler wie Rafael Nadal. Es könnte auch spaßig sein, einen Tag lang der junge Paul Newman zu sein. Der sah ziemlich gut aus.
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