- Text: Marcus Willfroth
- Fotograf: Paul Heartfield
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Justice
Weitermachen als wäre nichts gewesen
Gaspard Augé und Xavier de Rosnay hatten 2007 die Coolness für sich gepachtet und wollen mit dem neuen Album ’Audio, Video, Disco’ nun beweisen, dass ihr gemeinsames Projekt Justice keine Eintagsfliege ist und dauerangesagt bleiben wird.
Sie seien heute in Plauderlaune, erfährt man bei der Ankunft zum Justice-Interview im Herzen Berlins, nicht unweit vom Stadtteil Kreuzberg entfernt. Ihre einst so berühmt-berüchtigte Anti-Haltung Journalisten gegenüber habe sich angeblich in Wohlgefallen aufgelöst – und tatsächlich, zur Begrüßung reichen Justice nicht nur die Hand, sie fragen sogar, ob man einen Kaffee vertragen könne: „Hast du gut hergefunden?“, vergewissert sich Gaspard Augé postwendend und erntet ein wohlwollendes Nicken seines Kollegen Xavier de Rosnay.
Diese offen zur Schau gestellte Nettigkeit hat natürlich damit zu tun, dass die beiden Franzosen vor einer harten Bewährungsprobe stehen, und es sich jetzt noch unnötig mit jemand zu verscherzen, wäre nicht besonders hilfreich. Immerhin ist ihr Elektro-Rock-Konsensdebüt ‚†’ bald vier Jahre alt und auf der Welle der Coolness reiten aktuell ganz andere Künstler. Kein Problem für die Jungs selbst, denn während Augé sein Glas hebt, erläutert de Rosnay verständnisvoll: „Damals waren alle an unserem Sound interessiert und wir als Personen verschwanden dahinter komplett. Jetzt werden die Leute Zweierlei wissen wollen: Halten Justice durch und wenn ja, wie sind die beiden eigentlich drauf.“
Kurz ist man geneigt sich zu bedanken, denn natürlich sind das die Kernfragen, die angesichts des zweiten Albums ’Audio, Video, Disco’ im Mittelpunkt stehen und die Antworten dürften die vielen Fürsprecher von einst aufatmen lassen: Weder präsentieren sich Justice als unnahbare Egomanen, noch hinkt ihr neues Werk den Ansprüchen hinterher. „Wir haben konstant an den Sachen gearbeitet und lieber am Sound des Vorgängers angedockt, als etwas komplett Neues auf die Beine zu stellen.“ Und so lässt das Prinzip „Sicherheit“ die neuen Tracks einmal mehr im Beatgeballer aufgehen, referenziert diverse Popansätze und sorgt für Tanzflächen-tauglichen Tunes.
„Niemand von uns ist blind: Justice standen 2007 für einen gewissen Exzess und irgendwie war das Tolle daran, dass uns diese Einschätzung nun per Definition den Druck von den Schulter nahm.“ Klingt verwirrend! „Ist es aber nicht, denn immer wenn wir im Studio zusammensaßen und das Gefühl bekamen, eine gute Zeit zu verbringen, dachten wir uns: Auch ihr da draußen werdet mit der neuen Platte euren Spaß haben“, erinnert sich Augé an die Devise während der einjährigen Aufnahmesessions.
Freilich wird ’Audio, Video, Disco’ nicht allein deswegen den ehemaligen Hype aufrechterhalten können - muss es aber gar nicht, denn Justice wollen jetzt einfach weitermachen, sich von ihrer besten Seite präsentieren und da ihnen dies so gut gelingt, schmeckt der Kaffee an diesem Tag gleich doppelt gut.
Heimat: myspace.com/etjusticepourtous
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