- Text: Ina Göritz
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Florence And The Machine
Ein kleines bisschen Horrorshow
Sie war das „odd girl“ der englischen Mädchenmannschaft, die ab 2005 die Charts stürmte. Mit ’Ceremonials’ manifestiert sich Florence And The Machine als Meisterin der Inszenierung - und ganz normales Mädchen.
’Lungs’, dem Debütalbum der Londonerin, haftete eine gehörige Portion skurriler Charme an. Songs wie ’My Boy Builds Coffins’, ’Girl With One Eye’ oder ’Kiss With A Fist’ tummelten sich in den UK-Charts neben den niedlichen Singles von Kate Nash, den Herzensbrechern von Adele und dem Hochglanz-Pop von Marina And The Diamonds.
Dem Erfolg von Florence And The Machine und dem Album hat das nicht geschadet. Im Gegenteil. Ihre Mischung aus Pomp und Pop plus Flohmarkt-Charme hat die inzwischen 25-jährige Florence Welch zu einem begehrten Gast auf Grammy-Verleihungen, MTV Awards und Modenschauen gemacht. Dass einige Medien dennoch versuchen, sie als Freak abzustempeln, kann sie nicht verstehen: „Das einzige, worin ich echt ein Freak bin, ist in Sachen Kontrolle. Vor allem, wenn es um meine Musik geht. Ansonsten neige ich dazu, mich in Tagträumen zu verlieren, was wiederum dazu führt, dass ich im Alltag eine absolute Chaotin mit null Talent für Organisation bin“, sagt Florence. Und nimmt es mit Humor.
Dabei dürfte ihr zweites Album ’Ceremonials’, das sie zusammen mit Produzent Paul Epworth in den Abbey Road-Studios aufgenommen hat, gerade jenen in die Karten spielen, die sie nur als den Freak im Club wahrnehmen. Mehr Drama, mehr Glanz, mehr Finsternis und mehr Kate-Bush-Einflüsse machen ’Ceremonials’ zu einer Geisterbahn voller Hits. So basiert der Songtext von ’What The Water Gave Me’ beispielsweise auf dem Selbstmord von Virginia Woolf, ’Seven Devils’, ohne Zweifel einer der Höhepunkte, klingt „wie eine Art Schlachtgesang oder Fluch, um jemanden in den Wahnsinn zu treiben. Ein sehr beängstigendes Stück“, gibt Florence zu. Für sie, die als Kind nicht besonders gut einschlafen konnte und von Alpträumen geplagt wurde, wie Vater Welch erzählt, ist die Musik die perfekte Kombination aus Verarbeitung der eigenen Träume und der Faszination für alles Zwielichtige. Der Hang, alles ein wenig größer abzubilden als es tatsächlich ist, kommt ihr dabei nur zu Gute. Als Gegenentwurf zum faden Popsternchen taugt Florence damit ebenso wie als echte Alternative zur überinszenierten Lady Gaga.
Heimat: florenceandthemachine.net
WHAT THE WATER GAVE ME
Virginia Woolf war eine englische Literaturkritikerin und Schriftstellerin, die sich im März 1941 das Leben nahm. Woolf litt an Depressionen und hatte Angst, bereits überwundene psychotische Probleme wieder durchleben zu müssen. Mit Steinen in den Manteltaschen ertränkte sie sich im Fluss Ouse bei Lewes/Sussex. Ihre Leiche wurde drei Wochen später gefunden.
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