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Bild: Egotronic

Egotronic
Jenseits des Lustprinzips


Schrien Egotronic auf der ersten Platte noch nach der ’Richtigen Einstellung’ und ordneten kurz darauf alles dem ’Lustprinzip’ unter, heißt es dieser Tage nun ’Macht Keinen Lärm’. Da Selbstironie schon immer zu den Stärken der Band zählte, dürfte jedem klar sein, dass sie auch nach 10-jähriger Band-Existenz weder leiser noch gesitteter auftreten.

„Zum Titel muss ich noch kurz anmerken, dass das Cover wieder eine Anlehnung an ein Punkrock-Album ist: An die Single ’Angst Macht Keinen Lärm’ von Angeschissen“, erklärt Mastermind Torsun, bevor er zu Zigarette und tiefschwarzem Kaffee greift. Diesen Kniff kennt der Egotronic-Fan bereits vom Cover ihrer selbstbetitelten Platte, einer Hommage an The Clash. Der Wahlberliner wirkt entspannt und will erzählen: Von seinem jüngst erschienenen Doku-Roman ’Raven Wegen Deutschland’ und dem neuen Album. Letzteres folgt überraschend der Maxime: weniger Elektro, mehr Punk. „Die einschneidendste Veränderung sind die Gitarren. Ich habe früher Punkrock gemacht und hatte richtig Bock wieder Handmade-Instrumente zu benutzen. Vor allem, weil ich Lust habe, das alles irgendwann mal mit einer kompletten Band zu spielen“, erklärt Torsun. Ungewohnt klingen ebenfalls die einzelnen Kommentare zwischen den Songs, die vom Booker, der Fahrerin und andern Mitgliedern aus dem Egotronic-Kosmos eingesprochen wurden. „Das war eigentlich die Idee von unserem Keyboarder Endi, dass jeder, der mit oder für uns arbeitet, etwas sagen könnte. Wir wollten dann natürlich, dass sie uns beschimpfen“. Augenzwinkern inklusive versteht sich.

Der Sänger selbst und sein langjähriger Freund Daniel Kulla schildern mit ’Raven Wegen Deutschland’ den Werdegang der stilprägenden ’Audiolith’-Band. Im Roman-Teil erzählt Torsun die Geschichte Egotronics, ausgehend vom Durchbruchsjahr 2007, in dem ’Lustprinzip’ erschien. Während Kulla die Ausführungen im Reportage-Teil anhand von Interviews bestätigt oder widerlegt. „Denn auf diese Zeit trifft zu: Wer sich noch genau erinnern kann, ist nicht dabei gewesen“. Es ist nicht auszuschließen, dass die Egotronic-Frontsau als bekennender Freud-Leser und Popliteratur-Fan nun zum Romancier wird - das nächste Buch ist bereits in Planung. Dessen ungeachtet scheint das Ziel für kommendes Jahr klar definiert: Entspannung. „Jetzt spielen wir diese Tour, dann werde ich auf Lesereise gehen und danach verschwinde ich für ein paar Monate ins Ausland.“ Wer stets von Donnerstag bis Montag den Clubs, Raves oder Afterhours der lasterhaften Hauptstadt nicht entsagen konnte, dem sei eine kurze Pause gegönnt. Allerdings nur bis zum nächsten Release.

Text: Franziska Schuh
Heimat: egotronic.net


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