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Bush
Opfer der eigenen Stimme
Fast zehn Jahre lang hat er versucht, sich von seiner Stammband zu emanzipieren. Gavin Rossdale ohne Bush funktionierte aber nicht. Und das hat er jetzt auch eingesehen…
Im Le Parc Suite in Hollywood sind die Angestellten an Rockstar-Besuche gewöhnt. Ozzy Osbourne besoff sich hier nach seinem Rausschmiss bei Black Sabbath zwei Wochen lang, Slash quartiert sich in dem abgelegenen Luxushotel ein, wenn er Stress mit seiner Frau hat. Auch Bush-Drummer Robin Goodridge wohnte letztens hier, bevor er nach Hermosa Beach zog. Allerdings ist Goodridge auch der einzige aus dem Original-Bush-Line-Up, der dem Ruf des „Sängers und Hauptsongwriters“ (Rossdale über Rossdale) gefolgt ist. Jetzt sitzt der 45-Jährige entspannt grinsend neben seinem neuen alten Chef in einer Suite und lauscht dessen
altersmilden Reflektionen.
„Ich bin wieder ein vollständiger Mensch mit Bush. Die Leere ist weg. Vor drei Jahren probte ich neben Rage Against The Machine und den Stone Temple Pilots. Ich kam mir vor wie ein blöder Verlierer.“ Um Geld gehe es bei der Reunion nicht, sagt Rossdale, „sondern um die Befriedigung, etwas Sinnvolles zu tun.“ Er habe eine Rockband in England gegründet, als die ganze Welt nur Britpop hören wollte, lacht er. Wen habe denn damals, Anfang der Neunziger, eine Rockband aus Camden interessiert? Die dann allerdings allein in den USA von Alben wie „Sixteen Stone“ (1994) und „Razorblade Suitcase“ (1996) zehn Millionen Platten verkaufte. Aber das ist lange her. Der Sohn eines Arztes hat mit Ehefrau Gwen Stefani zwei Söhne, lebt in Hollywood, der Schweizer Tennisprofi Roger Federer zählt zu seinen besten Freunden.
Der kannte die 2001 aufgelösten Bush noch nicht einmal, als sie sich 2005 bei einem Abendessen der Chefredakteurin des amerikanischen Modemagazins Vogue kennen lernten. Damals bemühte sich Rossdale vergeblich, mit der Riffrock-Truppe Institute und der Hilfe von Helmets Page Hamilton von seinem Image als Posterboy loszukommen. Die Leute wollten aber lieber Bush-Songs wie „Machinehead“ oder „Everything Zen“ hören. Auch seine Solokarriere mit „Wanderlust“ verlief im Sand, obwohl er 1,6 Millionen Downloads der Single „Love Remains The Same“ als Gegenargument anführt. Schön und gut, aber ist er nicht ein glückliches Opfer seiner eigenen Stimme? Einmal Bush, immer Bush?
Rossdale muss lachen: „Ich wollte so etwas wie Peter Gabriel machen, stimmt.“ Von den Solo-Bemühungen des einstigen Genesis-Sängers ist das fünfte Bush-Album „The Sea Of Memories“ weit entfernt. Der Bandleader schwärmt von der neuen Besetzung aus Goodridge, Chris Traynor (Ex-Helmet, Bush, Institute) und Bassist Corey Britz. „Liza Minelli hat einmal gesagt: Eine Karriere ist eine Serie von Comebacks. Das stimmt noch immer.“
Hat er Probleme damit, dass seine Frau bekannter ist als er? „Das höre ich oft, ist mir aber egal. Wenn die Leute Karten kaufen, wollen sie den Sänger von Bush sehen und nicht Gwen Stefanis Mann. Die Popwelt, in der sich Gwen bewegt, ist eben größer als die Rockwelt. Maynard von Tool kann unerkannt einkaufen, das macht ihn aber zu keinem schlechteren Künstler.“
Text: Jörg Staude
Heimat: b ushofficial.com
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