Auf Achse
Mit Montreal in Moskau
Keiner weiß genau, wie und warum, aber irgendwie sind wir mit unserer Kapelle Montreal im tief eingeschneiten und bitterkalten Moskau gelandet.
Auf Einladung des legendären Clubs 'Tabula Rasa' packten wir Instrumente, lange Unterhosen und Handschuhe ein, und reisten in die russische Hauptstadt, um hier ein Aufwärmkonzert für unsere bevorstehende Deutschlandtour zu spielen. Gute Idee eigentlich.
(Der Klassiker! Dieses Foto musste natürlich sein - bei klirrender Kälte auf dem Roten Platz zwischen Kreml, dem berühmten Prunkeinkaufstempel 'GUM' und eben DEM Markenzeichen Moskaus: der bunten Basilius Kathedrale.)
Als große U-Bahn-Fans kommen wir in Moskau voll auf unsere Kosten - die Züge fahren im Minutentakt, haben aber dennoch keine Chance, die Menschenmassen in den unterirdischen Stationen auch nur annähernd abzufertigen. Übrigens: Die aus deutschen U-Bahnen gewohnten Hinweise auf das zeitnahe Schließen der Türen sucht man hier vergeblich - unvermittelt schnellen die U-Bahn-Türen einem Fallbeil gleich einfach zu. Wer dazwischen steht, wird schmerzhaft daran erinnert, sich demnächst etwas zügiger zu bewegen.
In diesem Jahr wurde Moskau von irgendeinem Gremium zur teuersten Stadt der Welt gekürt. Das mochten wir nicht so recht glauben und wurden auf der Suche nach Nahrung in einem Moskauer Supermarkt eines besseren belehrt. Besonders Produkte aus dem befreundeten, aber eben doch noch weit entfernten europäischen Ausland werden In Russland für Wucherpreise angeboten. Die gute alte Kinder Milchschnitte kostet selbst in einer mit Berlin Marzahn vergleichbaren Gegend unglaubliche 2 Euro. Geschmeckt hat sie trotzdem.
Gleich am ersten Abend wurden wir von unseren Gastgebern mit Sack und Pack auf ein Konzert in den 'Totschka Club' eingeladen. Die stark an Deutsch-Punk erinnernde Band namens Purgen (heißt auf russisch soviel wie 'Abführmittel') verleitete uns direkt zum ersten Souvenirkauf - so wird sich nach unserer Heimkehr unser Freund und Donots-Basser Jan-Dirk 'Purgen' Poggemann über ein schmuckes neues Kleidungsstück freuen dürfen.
Am nächsten Tag ging's erst mal zum Interview für Russlands größten Rock-Video-Kanal A1TV - da traf sympathisch gebrochenes Englisch auf die von uns mittlerweile halbwegs anständig auswendig gelernten russischen Floskeln - dass der ganze Zauber später von rund 14 Millionen russischen Kids geglotzt wird, hat man uns erst hinterher gesagt. Gott sei Dank.
Mit unseren kürzlich geaddeten Myspace-Freunden besuchen wir DEN Punkrock-Plattenladen Moskaus: 'Zig Zag' heißt der liebevoll hergerichtete Rock-Shop im Keller eines Wodkageschäfts nahe des Roten Platzes. Mitarbeiter Garik lädt ein zu Kaffee und Kuchen, und outet sich kurze Zeit später als der größte russische Ramones-Fan, denn er hat tatsächlich seinen kompletten Körper vollgehackt mit Motiven der New Yorker Punk-Legende - wir staunen, fotografieren und laden ihn ein nach Berlin auf einen Wodka ins Ramones Museum.
Kurz vor Ultimo treffen wir am Flughafen noch auf die Jungs von In Extremo, die nicht nur aus dem 40 Grad wärmeren Südamerika kommen, sondern in ihrem Flokati ungefähr genauso rock'n'roll rüberkommen wie G.G. Anderson. In Extremo sind in Russland zwar DER heiße Scheiß, aber am Rande sei erwähnt, dass Kollege Bohlens 'Projekt' Blue System bis heute Kultstatus genießt und laut Aussage der Einheimischen 'ganze Stadien' füllt. Damit ist er hier übrigens ähnlich erfolgreich wie die Scorpions. Wir wissen also, was wir zu tun haben...
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18.02.2012
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