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  • Text: Florian Hayler
  • Künstler: auf der couch mit...
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Auf der Couch
Thema heute: Rebellen


Mit Mike Ness (Social Distortion) & Brett Gurewitz (Bad Religion)
Wer sich Mike Ness auf unserem Foto mal etwas genauer ansieht, der wird feststellen, dass der Mann in seinen fast 30 Jahren als Rebell nicht nur diverse Faustkämpfe austragen musste, sondern dabei das ein oder andere mal den Kürzeren zog. Auch Bad Religion-Gitarrist Brett Gurewitz konvertierte zu einer Zeit zum Außenseiter, als ein Spaziergang über den Schulhof mit gepiercten Lippen und kajalumrandeten Äuglein meist im Krankenhaus endete. Hier als unser ultimativer Guide für alle Rebellen oder die, die es (trotzdem) noch werden wollen.


Meine Herren, was macht einen guten Rebellen aus?
Mike Ness: In meinen Augen gibt es heutzutage zu viele Poser, die sich tätowieren lassen, das Haar greasen und Punkrock hören. Die haben nicht den Hauch einer Ahnung davon, was einen echten Rebell ausmacht, nämlich Teil einer Revolution zu sein. Etwas bewegen zu wollen, Veränderung zur Not herbeizuprügeln! Auch heute gibt es noch genügend Dinge, für die es sich zu kämpfen lohnt: Eine neue Regierung, die Umwelt, das Ende des Kriegs im Irak. Und was tun die Kids? Schauen apathisch zu und überlegen, welches Motiv sie sich als nächstes stechen lassen. Ich war mit 25 zwar genauso, aber ich weiß, dass es auch anders geht.
Brett Gurewitz: Manchmal frage ich mich, was mit den jungen Leute heutzutage los ist. Ich meine, habt ihr nicht das dringende Bedürfnis, irgendwas kaputt zu machen? Als ich jung war, hatte ich nichts zu tun, war auf Drogen, hörte Punkrock und war sowieso zu nichts zu gebrauchen. Genau wie Mike Ness. Also haben wir alles zu Kleinholz zu geschlagen. Vielleicht hatte man uns aber auch nur was ins Trinkwasser gemixt?!


Wer waren eure größten Idole?
Mike Ness: Wie ich im Booklet meiner Solo-CD erwähne, waren das nicht Sportler oder Politiker, sondern Junkies und Outlaws. Meine ursprüngliche Motivation dahinter, Punk zu werden, war nicht die, die Welt zu verbessern, sondern mich einer Gang anschließen zu können, die Drogen nimmt, durch die Gegend vögelt, sich prügelt und keinen Job hat. Damals waren also eine Menge falsche Ideale im Spiel, die ich bis an die Grenzen auslotete. Insgeheim bewunderte ich aber all diejenigen, die abends eine Punk-Show besuchten und am nächsten Tag frisch geduscht im College saßen. Denn heute weiß ich, dass man genauso gut ein Rebell sein kann, wenn man eine gewisse Rolle in der Gesellschaft spielt und seine Macht dazu nutzt, Veränderung herbei zu führen.
Brett Gurewitz: Meine Helden damals waren Darby Crash von den Germs, Lux Interior von den Cramps, David Bowie oder Peter Gabriel. Aber auch der Schriftsteller Kurt Vonnegut hinterließ Spuren, genauso wie Philip K. Dick, der Science Fiction-Autor. Sie alle haben auf ihre ganz eigene Weise und mit ihren ganz individuellen Mitteln rebelliert.


Wie äußert sich euer rebellisches Wesen heutzutage?
Mike Ness: Ich versuche, meine Kinder vor den Fehlern zu bewahren, die ich selbst gemacht habe und sie zu verantwortungsvollen Menschen zu erziehen. Das ist gar nicht so leicht, vor allem dann, wenn man als Vater in der Schule selbst eine Niete war. Ich kann ihnen nur immer wieder erzählen, wie sehr ich es bereue, damals nicht aufgepasst zu haben. Ich wäre heute so viel klüger!
Brett Gurewitz: Ich bin 45 Jahre alt und streune nachts nicht mehr durch die Straßen, um mich mit irgendjemandem anzulegen oder irgendwelche Mülltonnen umzutreten. Aber: Ich lebe in den USA, ich betrachte mich als Humanist, als Intellektuellen und Liberalen. Und das ist hierzulande schon ziemlich rebellisch...


Die drei letzten Fragen gehen an Mike Ness
Was würdest du gerne ungeschehen machen?
Vor 17 Jahren wurde mein erster Sohn geboren, und ich habe mich sehr erfolgreich davor gedrückt, mich sowohl um ihn als auch um seine Mutter zu kümmern. Ich war damals zu sehr mit mir selbst beschäftigt und habe die ersten vier, fünf Jahre im Lebens meines Sohns komplett verpasst, von ein paar Geburtstagen oder Weihnachten mal abgesehen. Das bereue ich bis heute.


Was war deine größte Niederlage?
Wer mich kennt, weiß, dass ich schon viele Freunde und Familienmitglieder verloren habe, aber kein Tod hat mich bisher so getroffen wie der meines Chiwawas. Er ist letztes Jahr im Garten meines Nachbarn von dessen Rottweiler totgebissen worden. Mein Hund wog nur knapp drei Kilo und war ein bisschen naiv. Er hatte gegen diese Bestie keine Chance. Ich habe ihn einäschern lassen. Wir sind von dort weggezogen, weil mich zu viel an ihn erinnert hat.


Was ist die größte Ungerechtigkeit, die dir jemals widerfahren ist?
Um's kurz zu machen: Ich bin letztes Jahr auf dem Highway über eine doppelt durchgezogene Linie gefahren und musste deshalb einen ganzen Nachmittag mit irgendwelchen Idioten bei der Nachschulung verbringen. Das sind acht Stunden meines Lebens, die ich nie wieder zurückbekomme!


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