- Fotograf: Erik Weiss
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Auf der Couch mit:
Tom Gabel
Der Sprung ist geglückt: Das aktuelle Against Me!-Album "New Wave" gilt weltweit als "Rock-Album des Jahres", die Konzerte des Florida-Vierers sind international ausverkauft - Green Day, wir kommen! Vorm endgültigen Durchbruch wollten wir noch schnell die psychische Stabilität von Frontmann Tom Gabel testen. Ist ja wichtig, dass jetzt keiner durchdreht!
Man wird ihn nicht gleich als schizophren bezeichnen wollen, aber zwei mitunter verschieden tickende Herzen scheinen doch in Tom Gabels Brust zu schlagen. Einerseits ruhig, freundlich und nach eigenen Worten überaus schüchtern, gerät Gabel andererseits immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz und geht, zumal unter Alkoholeinfluss, handgreiflichen Auseinandersetzungen selten aus dem Weg.
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Während der Psycho-Anamnese auf der sally*s-Couch zeigt sich Gabel, offenbar froh, ausnahmsweise nicht über den Wechsel der Plattenfirma reden zu müssen, allerdings von seiner Schokoladenseite. Kunststück: Eben ist seine Freundin und zukünftige Frau eingeflogen. Mitte Dezember wird geheiratet und in Italien geflittert. Aber jetzt erstmal hier durch:
Welches Ereignis hat deine Sicht der Dinge drastisch verändert?
Ein prägender Moment war auf jeden Fall, als ich mit 15 von den Bullen verprügelt wurde. Es war am Unabhängigkeitstag, ich wurde verhaftet, eingesperrt und äußerst unsanft angegangen - das hat mir im Hinblick auf staatliche Autoritäten ganz schön die Augen geöffnet.
Was hast du von deinem Vater gelernt?
Vor allem, wie man seine Kinder besser NICHT erzieht und wie man selbst besser NICHT sein sollte. Nämlich manipulativ und autoritär. Ich glaube kaum, dass er diesen Effekt mit seiner "Erziehung" bezweckt hat, aber immerhin das hat er mir mit auf den Weg gegeben.
Benenne die wesentlichen Unterschiede zwischen deiner Weltsicht und der deiner Eltern.
Mit meiner Mutter bin ich in wesentlichen Fragen einer Meinung: Wir sind beide gegen den Krieg, gegen Bush und stimmen auch sonst meist überein. Die Positionen meines Vaters stehen den unseren allerdings diametral entgegen. Er war den Großteil seines Lebens bei der Armee, liebt George W. Bush, befürwortet natürlich den Krieg im Irak und so weiter. Generell lässt sich sagen, dass es quasi nichts gibt, in dem meine Mutter und ich mit ihm einer Meinung sind.
Wie hast du gegen die autoritäre Art deines Vaters rebelliert?
Auf jede nur erdenkliche Weise: Ich schwänzte die Schule, kam abends nicht nach Hause, kiffte, trank und wurde mehrmals festgenommen.
Wer übte den größten Einfluss auf deine Persönlichkeitsentwicklung aus?
Meine Mutter und meine Großmutter.
Baust du schnell Vertrauen zu Menschen auf oder bist du eher der skeptische Typ?
Ich bin alles andere als vertrauensselig, sehr skeptisch und auch zynisch und sarkastisch, und: Ich habe keinerlei Probleme, das auch offen zuzugeben.
Welcher Betrunkenentyp bist du - gesprächig, melancholisch oder aggressiv?
Das hängt davon ab, was ich getrunken habe. Gin-Tonic und Whiskey machen mich gesprächig, Bier eher melancholisch und aggressiv werde ich immer, wenn ich Wein mit anderen Sachen durcheinander trinke. Wann immer das in den letzten Jahren der Fall war, gab es Ärger.
Welche deiner Eigenschaften würdest du gerne korrigieren?
Ich wäre gerne weniger schüchtern.
Schüchtern? Auf der Bühne wirkst du nicht besonders zurückhaltend.
Nun, da bin ich in meinem Element, da wird der Schalter umgelegt.
Fazit
Die Personen des ultrakonservativen Vaters und der politisch eher linken Mutter finden im Charakter des Filius zu gleichen Teilen ihren Niederschlag, erstere freilich ungewollt. Nach heute gängigen Grundlagen der Psychotherapie entwickeln sich laut der Infoseite 'Psychiatrie-Aktuell' "auf Grund früher Erfahrungen typische Verhaltensmuster eines Menschen (z.B. lernt ein Kind, dass offene Opposition gegen den strengen herrischen Vater gefährlich ist). In späteren Zeiten werden die in der Kindheit sinnvollen, oft überlebensnotwendigen Verhaltensweisen störend, sie verhindern das Erreichen angestrebter Ziele, es entwickeln sich Symptome einer Krankheit." Das ist natürlich hier etwas anders, dürfte Gabels frühe Rebellion gegen den Redneck-Papi doch das ultimative Boot-Camp für seine spätere Punk-Karriere gewesen sein. Auch wollen wir bei einem so scharfsinnigen und letztlich netten Menschen wie Gabel nicht von einer Krankheit sprechen. Wir empfehlen also: Immer schön bei Whiskey bleiben und alles wird gut. Wein ist sowieso Anti-Punk!
