- Text: Florian Hayler
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Auf Der Couch mit
Jennifer Rostock
Um es mal mit Die Türen zu sagen: "Ihr wollt in die große Stadt? Ihr habt die kleine satt?" Das leuchtet ein. Auch Jennifer Rostock wurde das heimische Zinnowitz zu eng und zu langweilig, und so zog sie mit ihrem Kumpel Joe ins grelle Berlin, um dort mit Synthie-geschmiertem NDW-Punk und Hits wie "Kopf Oder Zahl" eine Schneise durch die Tanzflächen zu grätschen. Astreines Manöver.
Wann hast du das erste Mal festgestellt, dass du anders bist als die anderen in deinem Dorf?
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Jennifer: Wenn man bei uns was Neues angeschleppt hat, dann hatte das zwei Wochen später jeder. Als Beispiel: Ich habe mir mit 13 ein Arschgeweih tätowieren lassen, und ein paar Tage später rannte ganz Zinnowitz zum Tätowierer. Das haben sie jetzt davon.
Inwiefern der Umzug in die Großstadt euer Leben umgekrempelt?
Jennifer: Erst wenn ich nach Hause komme, fällt mir auf, wie sehr ich mich in den letzten zwei Jahren verändert habe - weil die anderen immer noch die alten sind.
Joe: In einer großen Stadt kann man sich in viel mehr Richtungen entwickeln und seinen eigenen Weg gehen. Auf dem Land ist vieles weitestgehend vorgegeben, durch das Elternhaus, Freunde oder Beziehungen.
Jennifer: Aber wenn man mit dem glücklich ist, was die Heimat so bietet und dort bleiben will, dann ist das auch okay.
Joe: Die größte Veränderung nach dem Umzug für mich persönlich war die: Ich hatte endlich mal eine Auswahl an Männern, was als Schwuler ein großer Vorteil ist.
Was war der größte kreative Einfluss, den du in deiner Kleinstadt hattest?
Jennifer: Joe und ich - wir kennen und schon seit dem Kindergarten. Mit elf habe ich angefangen Karaoke zu singen, seit ich 13 oder 14 bin, spiele ich mit Joe in einer Band. Durch ihn bin ich zur Musik gekommen, vorher wollte ich Tierärztin werden.
Joe: Musik war für uns die einzige Option. Um uns herum haben sich alle irgendwo beworben oder ein Studium angefangen, aber wir wollten nach Berlin. Einfach um mal zu gucken, ob wir es vielleicht doch mit der Musik packen könnten.
Glaubst du, du lebst heute extremer, weil du glaubst, in deiner Jugend etwas verpasst zu haben?
Jennifer: Ich habe noch nie was verpasst! Ich habe so ziemlich alles mitgenommen, was die Freizeit so zu bieten hatte und sehr viel gefeiert. Allerdings unterscheidet sich die Art und Weise, wie man Party macht, doch sehr von der in der Großstadt. Die Möglichkeiten sind eigentlich nur auf zwei begrenzt: Entweder du gehst in die Dorfdisko - oder du bleibst zu Hause. Also geht man. Und dort geht's ganz schön heftig zu, fast noch krasser als in Berlin, Hamburg oder Frankfurt.
Was vermisst du in der Stadt am meisten?
Jennifer: Im Sommer den Strand. Ich musste nur zehn Minuten laufen, schon war ich am Wasser.
Was sagen eure Eltern über ihre Großstadtkinder?
Joe: Hat deine Mutter überhaupt mitgekriegt, dass du weggezogen bist?
Jennifer: Hey, na klar! Schließlich bin ich ihre einzige Tochter, deshalb war es für sie nicht leicht, als ich ausgezogen bin. Wir sehen uns alle drei Monate, und das reicht auch. Ich denke schon, dass sie stolz auf ihre Tochter ist. Jedenfalls sagt sie das immer.
Was wäre ein Grund für dich, wieder auf's Land zu ziehen?
Jennifer: Zurzeit eigentlich keiner. Aber frag' mich noch mal in zehn Jahren, wenn Kinder ein Thema werden.
