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Bild: FOXBORO HOTTUBS
  • Text: Florian Hayler
  • Fotograf: Erik Weiss
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FOXBORO HOTTUBS
Comeback, Baby, Comeback


Um sich für ihre bevorstehende Rückkehr in den Pop-Punk-Olymp warm zu laufen, verkleidet sich die Stadion-Combo Green Day als Hüftschwung-Verein Foxboro Hottubs, bleicht sich die Köpfe zurück auf blond und spielt biergetränkte Kneipen-Konzerte vor einem Sack voll Auserwählter. Selten so gelacht.

Long live the Internetz!


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Hier im welt.weit.wütenden Datendschungel und nicht woanders taucht es vor wenigen Monaten erstmals auf, das Gerücht, das Phänomen, mehr noch: die Hoffnung, dass es sich bei der räudigen Garagen-Formation namens Foxboro Hottubs, die sich krachend durch MySpace-Foren und Songs wie „Mother Mary“ oder „Alligator“ rockt und rollt, tatsächlich um die Superstars von Green Day handeln könnte. Wie man auf so einen Schnapsgedanken kommt? Ganz einfach: Zwischen der einen und der anderen Band gibt‘s Parallelen galore! Zunächst ist da das Organ des Frontmanns Reverend Strychnine Twitch, das so herrlich nach der Galle spuckenden Rotzestimme von Billie Joe Armstrong klingt; da sind diese crunchigen und angestaubten Riffs, die einst ein komplettes Green Day-Album namens „Warning“ durchzuckten wie ein Blitz und die Band damit schnurstracks ins kommerzielle Seitenaus beförderten. Und nicht zuletzt sind da die Whirlpools („hot tubs“) der einen Steinwurf entfernten Nachbarschaftsgemeinde Foxboro, in die sich die Green Day-Mitglieder Mike Dirnt und Billie Joe in ihrer Jugend versehentlich „verirrten“, um mal ein bisschen Wasser an die Feuchtgebiete zu lassen. Ihr seht: Da haben die Blogrocker im www sauber kombiniert.

Mittlerweile ist der Spekulationsdrops gelutscht und die Foxboro Hottubs sind offiziell die drei plus zwei von Green Day und natürlich umgekehrt. Entsprechend massiv rollt die Presselawine auf der Suche nach Bandstatements, Fotos oder wenigstens ein paar organisch konsumierbaren Songs in Richtung Green Day-Headquarter in Berkeley, Kalifornien, zerschellt dort aber an der professionell errichteten Schweigemauer wie ein Ei am Pfannenboden. Macht nix, denn: Es gibt ja Internetz. Dort plaudert der Reverend die Minitour der Foxboros begleitend aus dem Nähkästchen, formuliert kryptische Resümees wie dieses hier: „I got Bourbon faced on Shit Street!“, oder wenig später das hier: „Another Rock‘n‘Roll execution! Texas style, Babys!“ Später heißt es ganz richtig: „Emo‘s ain‘t got nothin‘ to do with whiny boygroups that do backflips“ und immer und immer wieder er hier: „STING!“ Wer kennt ihn nicht?! Den berühmten Polizisten! Löst sich sowieso bald auf, der Knabe.

Wo waren wir? Richtig, die Schweigemauer. Kann man durchaus verstehen, diese dem Kalten Krieg entliehene Drei Affen-Taktik, schließlich wollen sich Green Day den Spaß am Projekt nicht durch nervende Prognosen zum Stand des voraussichtlich 2009 erscheinenden Nachfolgers von „American Idiot“ versauen lassen. Bevor ihnen der Erwartungsdruck also die Luft abdreht, atmen die Herren lieber noch mal tief durch und löten sich in kleinen Clubs die Hirne zu, wie damals, als sie nicht mehr waren als drei ungewaschene Punkrocker mit einer Gitarre namens „Blue“ und einem Album namens „Kerplunk!“, der zum Albumtitel umformulierten Geräuschkulisse, wenn Kacke ins Toilettenwasser plumpst. Welcome to paradise.

Stop, drop and drool!

Für alle Fans von Green Day, die aus Altersgründen weder ein Album namens „Dookie“ noch ein Lied namens „Basketcase“ kennen, kommt das neue Lebenszeichen ihrer Posterhelden natürlich gerade richtig. Schließlich sind seit „American Idiot“ schon vier, seit dem letzten Lebenszeichen (der Kooperation mit Stadionkollegen U2 für „The Saints Are Coming“) zwei Jahre verstrichen.

Zeit also, den Green Day-Fans neuerer Bauart frisches Futter vor die Füße zu kippen, und das natürlich zunächst per Internetz zum gratis Reinhören und später zum unschlagbar günstigen 99-Cent-pro-Song-Download. Sammler von Relikten wie 7“-Singles oder Vinylfreaks gehen dagegen komplett leer aus, obwohl a) das Album der Foxboro Hottubs Dank analoger Aufnahmetechnik via Vier- bzw. Acht-Spur-Gerät und antiquiertem, weil VOX-verstärktem Sound nach Vinyl schreit und b) selbst die CD-Variante nur in einem lumpigen Pappschuber erscheint! Auf jenem prangen als Entschuldigung aber prähistorische Begriffe wie „Stereo“ und „High Fidelity“. Mit diesen Infos im Hinterkopf liest sich folgender, auf der Rückseite des Kartons in Großbuchstaben verfasster Hinweis doch gleich ganz anders: „Stereo records can be played on today‘s mono record players with excellent results. They will last as long as mono records played on the same equipment, yet will reveal full stereo sound when played on stereo record players.“ Wir haben diesen Hinweis mal mit dem MP3 vom Song „27th Ave. Shuffle“ praxisgetestet: Klingt gar nicht so scheiße, wenn die Nadel die digitalen Daten küsst!

Die Foxboro Hottubs haben - wie ihr bei Interesse auf den nächsten beiden Seiten werdet erfahren können - durchaus Vorbildfunktion, denn Dank ihrer Vorliebe für guten Rotwein und Garage-Rock der frühen Sechziger von Bands wie The Troggs geht vielleicht auch der ein oder andere Teen auf musikhistorische Entdeckungsreise. Die Liste der auf „Stop Drop And Roll“ zitierten Künstler und Rock-Ikonen ist quasi endlos: Von blinden Kinks-Kopien über Handshakes mit den Ramones oder den Heartbrakers bis zum greenday‘schen Selbstzitat ist „Stop Drop And Roll“ bis unter‘s Dach zugestapelt mit Retro-Hymnen. Das Schöne daran: Wenn Billie, Mike und Tré Cool so befreit, spürbar locker und reduziert ihr nächstes Album einläuten, dann kann das nur verdammt bombastisch enden.


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