- Text: Florian Hayler
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Track by Track
Helden & Diebe
"Stop Drop And Roll"
Der Titeltrack des FBHT-Albums ist prima zusammengerifftes und von Wanda Jacksons "Let's Have A Party", The Count Five mit "Psychotic Reaction" oder den sagenhaften Menomen "inspiriertes" Stück Diebesgut. Mit Songzeilen wie "16 and a son of a bitch" und "Gonna lose control, so stop, drop and roll" zielt das Stück direkt in Herz und Beine. Würde gut auf den Soundtrack von Kultfilmen "The Outsiders" oder sowas passen.
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"Mother Mary"
Da ist es wieder: Das weltberühmte Akkordgewitter, das schon Hymnen wie Iggy Pops "Lust For Life" eröffnen durfte oder - für die Spätgeborenen - das Riff-Rip-Off der Australier von Jet, die sich ihren Hit "Are You Gonna be My Girl" außer beim Kollegen Pop auch bei den Supremes, The Knack, Cheap Trick oder The Who zusammengeliehen haben dürften. Die Foxboro-Three kürten ihre "Mother Mary" zu Recht zur Single.
"Ruby Room"
Eine lustige Orgelnummer der VOXboro Hot Tubs, schön auf R'n'B und die immer wieder durchfunkelnden Kinks gebürstet. Ohne die Orgel erinnert "Ruby Room" sehr an das Green Day-Stück "Hitchin' A Ride" vom 97er Album "Nimrod". Sixties-Kenner zaubern auch Retro-Combos wie die Chesterfield Kings oder die Cynics aus dem Referenzzylinder und verweisen dezent auf die ersten beiden Alben der Trashmonkeys.
"Red Tide"
Die quasi 1:1 umgesetzte Version von "Tired Of Waiting For You" von den Kinks; ein Lied, das Green Day bereits für ihre B-Seiten und Raritäten-Sammlung "Shenanigans"-Album (2002) gecovert haben. "Red Tide" hätte mit seinem entspannten Surf-Vibe auch prima auf den "Pulp Fiction"-Soundtrack gepasst.
"Broadway"
Ein nur mäßig viel Feuer versprühender Track, der lediglich durch seine krudes Gitarrensolo punkten kann. Musikalisch parken die Foxboro Hottubs am "Broadway" direkt hinter den abgefuckten Karren der australischen Achtziger-Garage-Combo The Stems oder den legendären Flamin' Groovies, in deren Vorprogramm 1976 die Ramones ihre erste England-Show absolvierten und ein ganzes Land mit Punk infizierten.
"She's A Saint Not A Celebrity"
Track Sechs wurde aus den Versatzstücke dreier Songs zusammengeschraubt: Den Harmonien von "Chinese Rocks" (Johnny Thunders/Heartbreakers & Dee Dee Ramone/Ramones), den Power-Akkorden von "Swallow My Pride" (Ramones 1977) sowie der Ouvertüre von "Little Bit O'Soul", einem Lied, das 1967 von Music Explosion geschrieben und 1983 von den Ramones gecovert wurde. Ganz geile Handclaps gibt's als Bonus.
"Sally"
Schön allein auf Grund des Titels bekommt dieser Track natürlich volle Punktzahl, aber auch musikalisch gibt's hier Tolles zu entdecken. Als da wären: Der von Oasis' (obwohl, haben die nicht auch ALLES irgendwo "geliehen"?!) geklaute "Supersonic"-Auftakt, der im Refrain astrein vollzogene Tempowechsel zum Punkrock und natürlich die Bonnie und Clyde-Romantik im Text. Um noch ein bisschen zu trommeln hier ein paar Bands zum Entdecken: Miracle Workers (Portland, Oregon, 1982 bis 1992) oder das Power-Pop-Trio Creeps aus Ottawa!
"Alligator"
Die Foxboro Hottubs-Version von "You Really Got Me" von den Kinks, schön untermalt mit tollen Fuzz-Gitarren und astreinen Uuhs, Aahs und Oohs vom Knabenchor aus Schlagzeuger Frank Edwin Right The Third, Bassist Michael Pritchard und den Foxboro-Homies Jason White und Jason Freese. "You Alligator, you Space Invader, don't stop moving!" Niemals.
"The Pedestrian"
Die Rache an allen, die "Warning" gerne zum Sargnagel für Green Day geschmiedet hätten? Deutlicher kann ein Selbstzitat nicht aussehen: "The Pedestrian" komponierten die Foxboros mit Songs wie "Castaway" oder "Church On Sunday" im Hinterkopf. Schulmäßiger Power-Pop mit reichlich Elvis Costello-Einschlag und freundlicher Verbeugung vor The Jam oder den Buzzcocks.
"27th Ave. Shuffle"
Selbstzitat revisited. Eine gradlinige Uptempo-Nummer basierend auf dem "My Generation"-Riff von The Who; wer etwas tiefer gräbt entdeckt Parallelen zu der Sechziger-Garage-Rock-Legende Remains (Boston). Wer nicht graben kann oder schon eine Freundin hat, der hört hier einfach einen Spitzen-Mod-Song.
"Dark Side Of Night"
Extrem zurückgelehnter Neo-Psychedelic-Track mit unüberhörbarer Referenz an "Heart Full Of Soul" von den Yardbirds. Benebelt von einer an Mamas & The Papas erinnernden Panflöte und verwirrt vom scheppernden Schlagzeug intoniert Reverend Strychnine Twitch traurig seine Suizid-Hymne. "Dark Side Of The Night" erinnert stark an Green Day-Instrumentals wie "Last Ride In", aber irgendwo muss der Text ja hin.
"Pieces Of Truth"
Das "bisschen Wahrheit" ist so etwas wie die Power-Pop-Variante vom Ritchie Valens-Hit "La Bamba" oder der Mariachi-Version eines beliebigen Hives-Songs (mit Ausnahme ein paar von deren letzten Album). Es hagelt Saxophon-Soli und es gibt Kreistanz mit Schellenkranz. Verabschieden möchten sich die Foxboro Hottubs mit einem nett gemeinten "Don't mess with the mess around". Ganz unsererseits.
Zum weiteren Hörvergnügen
Wer mehr Bock auf Sixties hat, probiert‘s hiermit:
The Sonics - „Here Are The Sonics“(1965)
The Troggs - „The Best Of The Troggs“(1967)
Fuzztones - „Songs We Taught The Fuzztones“ (1997)
The Cramps - „Stay Sick“ (1990)
