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  • Text: Florian Hayler
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Reiseführer
Mit Richard Patrick (Filter) durch Cleveland, Ohio


Nach Jahren im Alkohol- und Drogensumpf und verbalen Entgleisungen gegenüber seiner Band, der Familie sowie Fans und Journalisten, ist Filter-Frontmann Richard Patrick heute clean und in Entschuldigungs- und Wiedergutmachlaune. Wir verabredeten uns mit dem 40-Jährigen in seiner Heimatstadt Cleveland, Ohio, die er zwar seit gut zehn Jahren nicht mehr bewohnt, sie aber immer noch besser kennt als jeder Taxifahrer. Skate and die.

Richard, was macht einen echten "Clevelander" aus?


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Richard: In Cleveland herrscht in zehn von zwölf Monaten Dunkelheit und eisige Kälte; du kannst nur im Sommer mit T-Shirt rumlaufen oder mal im Erie-See Baden gehen - wenn du hart genug bist. Nicht zuletzt deshalb bin ich dort weggezogen. Ich pendle mittlerweile zwischen L.A. und Chicago.

Wo in Cleveland kann man gute Live-Bands sehen?
Richard: Das beste Live-Venue Clevelands ist definitiv der "Grog Shop" (2785 Euclid Heights Blvd #1), dort habe ich den ein oder anderen lustigen Abend verbracht. Meine ersten Shows mit Nine Inch Nails habe ich aber in einem Laden gespielt, den es nicht mehr gibt: Chicago's Tavern. Im Anschluss spielten wir dann im Fantasy Night Club, der mittlerweile auch dicht gemacht hat. Empfehlen kann ich auch den "Hi-Fi Club" (11729 Detroit Ave.) in Lakewood, ein Heavy-Rock- und Metal-Laden oder das "Peabody's" (2045 East 21st. St.), ebenfalls ein Rock-Club.

Gibt's in Cleveland noch Plattenläden?
Richard: Einen! "Chris' Warped Records" (13383 Madison Ave.), ein Eldorado für Vinyl-Freaks. Wer auf alte Instrumente steht und sich bei dem derzeitigen Dollarkurs ein paar seltene Gitarren für seine Sammlung anschaffen will, sollte ins "Village Fine Arts Center" (3687 Clague Rd., North Olmsted) gehen, dort gibt's die besten Gibsons in ganz Amerika. Grüßt mal Dale von mir, dem gehört der Laden.

Wo hast du in deiner Jugend immer abgehangen?
Richard: Unter den Brücken der West 26th Street. Dort verbrachten wir unsere Tage, tranken Bier und skateten mit Vollgas die halb hochgezogenen Zugbrücken runter. Das war zwar hochgradig gefährlich und illegal, aber auch ein Adrenalinkick sondergleichen. Viele von den Leuten, mit denen ich damals rumhing, gibt's mittlerweile nicht mehr. Alle am Dope zugrunde gegangen.

Was denken die "Clevelandians" über den Kultfilm "Die Indianer von Cleveland"? Immerhin hat der Streifen das städtische Baseballteam weltweit bekannt gemacht.
Richard: Das Lustige ist, dass der Film gar nicht in Cleveland gedreht wurde, sondern in Baltimore! Aber nein, Cleveland ist eigentlich nicht mehr als diese idyllische Kleinstadt mit nur knapp einer halben Million Einwohner, in der man prima seine Kinder aufziehen kann. Mein Bruder lebt dort, und er liebt sein Cleveland.

In Cleveland befindet sich die berühmte "Rock'n'Roll Hall Of Fame". Ist es auch dein Ziel, einmal dort aufgenommen zu werden?
Richard: Das kann ich ja nicht beeinflussen. Es gibt da ein Komitee, das entscheidet, welche Bands aufgenommen werden. Aber natürlich wäre es eine Ehre, mit U2, den Ramones, The Clash oder meinem Freund John Lydon (Sex Pistols) in einem Atemzug genannt zu werden, aber im Grunde bedeuten mir solche "Auszeichnungen" wenig. Ich will keinen Grammy. Mir reicht es, in ein Mikro zu brüllen.

Wenn du Tourist wärst, welches Souvenir würdest du aus Cleveland mit nach Hause bringen?
Richard: Eine kleine Plastiknachbildung vom "Terminal Tower", dem Wahrzeichen der Stadt.

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